Sonntag, 13. Januar 2013

Das Söldnerimperium Kapitel 9

       
                                                                      Kapitel 9

In Jeuno nahm alles seinen gewohnten Gang. Luftschiffe landeten und verließen die Hafenstadt, Segler löschten ihre Ladung und versuchten neue Aufträge zu bekommen. In dem Fischrestaurant, Zum Blauschwanz, wurde nicht weniger gearbeitet. Morrigan, die kleine Tarutarufrau und Gemahlin von Saxon, hatte alle Hände voll zu tun. Hatte sie sich vorher nur um den Schankraum kümmern müssen, musste sie nun auch die Küche im Auge behalten. Um den Andrang von Kunden stand halten zu können, hatte sie Köche eingestellt, zwei Galka, die hervorragend mit dem Kochlöffel umgehen konnten.

Morrigan war im hinteren Teil der Küche und nahm Waren in Empfang. Flüssige und getrocknete Gewürze, einige Flaschen mit Öl für die Lampen und Politur für das Besteck. Als alles in der Vorratskammer verstaut war, ging sie alles noch einmal durch und merkte, dass beinah kein Salz mehr da war. „Wann kommt Flickblix endlich wieder?  Der kleine Gauner wollte schon längst da sein!" schimpfte sie laut und brachte den Köchen die letzten Brocken Salz. Plötzlich klopfte es an der Hintertür. Als Morrigan öffnete, griff einer der neuen Köche zum Hackbeil, denn in der Tür stand ein Goblin. „Keine Panik! Das ist Flickblix, der ist harmlos!" sagte sie laut und ließ den kleinen Gesellen ein.

Der Goblin stellte seinen Rucksack auf den Boden und kramte einen prallgefüllten Ledersack hervor. Er löste die Kordel und faustgroße Salzklumpen waren zu sehen Er hielt es Morrigan entgegen und fiepte etwas in seiner Sprache. Morrigan schaute auf das Salz und kostete es, dann rieb sie Daumen und Zeigefinger aneinander und fragte: „Wie Viel?" 

Der Goblin zeigte zweimal seine Klauenhand und fiepte: „Zwieee Teiriteri Hinde!!" Damit wollte er ihr klar machen das er zehn Silbergil haben wollte. Goblins kannten keine Zahlen auch fiel ihnen das Sprechen schwer, doch Morrigan hatte sich an sein Gepiepe gewöhnt. „Zuviel! Sieben Silbergil!!" erwiderte sie und hob entsprechend viele Finger. Der Goblin begann zu knurren und stampfte auf den Boden, doch Morrigan wusste das dies zum Handeln gehörte. Als er sich wieder beruhigt hatte, hob er die Klauen zum Zeichen das er einverstanden war, dann fiepte er: „ Jimmi Jimmi!" Morrigan lächelte, denn sie wusste dass er damit etwas zum Naschen meinte. Sie gab ihm das Geld, dann nahm sie einen Spieß und spießte kandierte Rolanbeeren darauf. Flickblix, der Goblin hüpfte vor Freude, er löste seine Maske etwas und genoss die Süßigkeit. Dabei lief er neugierig in der Küche umher und schaute sich alles an.

Flickblix mochte das Restaurant, denn es gab so viel zu sehen das er nicht kannte. Als er den Mülleimer erreichte blieb er aufgeregt stehen. Da lagen bunte Steine, in allen Farben des Waldes und das war nicht alles. Man konnte hindurch sehen. Einmal war alles blau und bei einem anderen Stein war alles grün. Den Spieß noch im Maul raffte er alles zusammen und lief zu Morrigan. Die Tarutarufrau wusste erst nicht was er wollte und warum er ihr die Glasscherben zeigte. Doch dann verstand sie, der Goblin wollte Handeln. „Das sind nutzlose Scherben." sagte sie, doch der Goblin wusste anscheint nicht was das war. Würde sie sagen dass sie nichts haben wolle, wäre der Goblin beleidigt, denn das hätte ihn einem Bettler gleichgemacht und würde nicht wieder kommen. Schließlich sagte sie: „Gib mir was du hast."  

Der Goblin kramte in seinem Rucksack und holte einen aus Holz gemachten Behälter hervor, der mit einem Lederlappen und einer Kordel verschlossen war. Er reichte es an Morrigan und sie roch daran. Der Duft von Ahornsirup drang in ihre Nase. Sie öffnete den Behälter und probierte, es war der Beste und süßeste Sirup den sie je gekostet hatte. Sie hob die Faust und machte deutlich dass sie einverstanden war.

Der Goblin setzte sich seinen Rucksack auf den krummen Rücken und verließ das Restaurant. Aufgeregt hielt er die Scherben in die Sonne und fiepte stolz über seinen neuen Schatz. Morrigan, die ihm zuschaute, lächelte. Flickblix benahm sich zuweilen wie ein unschuldiges Kind und es fiel ihr schwer zu akzeptieren das er ein Goblin war. Ein Wesen ohne Reue und ohne jedes Mitleid, ein Wesen das ohne Gnade töten konnte.

Am nächsten Morgen erreichte Morrigan ein Brief von ihrer Schwester, die schrieb dass ihr Sohn, Loritoto, von zu Hause weggelaufen war um sich als Söldner zu melden. Morrigan war erschrocken und wusste nicht was sie sagen sollte. Ihr Neffe war nun im Mannesalter und konnte für sich selbst entscheiden, doch würde sie nicht zulassen dass er eine Dummheit beging. Sie gab den Angestellten Anweisungen und machte sich auf zum Chokobostall. Sie verließ Jeuno, durchquerte die Battalia-Tiefen und tauchte in den Jugner-Wald ein. Sie hielt sich im am Weg der stark befahren war, denn im Wald trieben sich Banditen und anderes dunkles Volk herum, man hatte sogar Orks gesichtet. Doch der König von San'Doria ließ Soldaten im Wald patrouillieren. Als sie das La'Thaine-Plateau erreicht hatte, atmete sie erleichtert auf und trieb ihr Chokobo an. Im Ronfaure-Wald machte sie am Außenposten halt und tränkte den Reitvogel. Danach ging es weiter und bald konnte sie die Banner von San'Doria sehen.

In der Stadt brachte sie das Chokobo zum Mietstall und ging zur Söldnerzentrale. In der langen Reihe entdeckte sie ihren Neffen. „Du kommst sofort mit!!" rief sie und faste den Jungen schroff am Ohr und zog ihn mit sich. „Hey, was soll das. Lass mich los!!" protestierte Loritoto laut, doch sein Protest wurde  vom Gelächter der anderen Söldneranwärter übertönt. Morrigan stützte die Hände in die Hüfte. „Was hast du dir dabei gedacht? Willst du verkrüppelt und verstümmelt wieder heimkehren?" fragte sie ihn mit strengem Blick. „Ich will ein Held werden wie Onkel Saxon. Überall in Windurst singen die Barden Lieder über ihn und seine Gefährten. Von ihren Taten und Abenteuern." 

Morrigan schüttelte verständnislos den Kopf. „Denkst du das hat er getan um bekannt zu werden? Glaubst du er wollte besungen werden? Hast du eine Ahnung wie viele unsichtbare Narben er mit nach Haus brachte? Du hörst ihn nicht im Schlaf weinen und die Namen der Leute rufen die er hat Sterben sehen. Es gibt einen Grund warum er das Leben eines Kochs gewählt hat."

Loritoto wagte nicht seiner Tante ins Gesicht zu sehen und schaute auf seine Schuhe. Von alldem hatte er nichts gewusst. Nun verstand er warum Saxon immer abgelehnt hatte ihm das Kämpfen zu lehren und gedrängt hatte dass er ein Handwerk erlernte. „Es tut mir leid Tante Morrigan. Ich verspreche das ich wieder zu Mutter nach Hause gehe." Sie umarmte ihren Neffen und küsste ihn auf die Wange. Sie gab ihm einige Münzen und brachte ihn zum Luftschiffhafen.

Sie mietete sich ein Chokobo machte sich auf den Weg zurück nach Jeuno. Als sie im Jugner-Wald war begann die Sonne unter zu gehen und die Straße war nicht mehr so gefüllt wie am Morgen. Sie beschloss eine Abkürzung zu nehmen und lenkte ihren Reitvogel durch die dichten Bäume. Sie ritt am Fluss entlang als ihr Chokobo strauchelte und sie abwarf. Morrigan landete hart auf der Erde, doch versuchte sie sich schnell auf zu rappeln. Sie wollte nach dem Chokobo sehen als drei Elvaan und eine Mithra aus dem Dickicht auf sie zu rannten.

Morrigan schaffte es einen der Angreifer mit einem Zauber zu betäuben, doch dann wurde sie zu Boden gerissen. „Ist sie das?" fragte die Mithra. „Wir nehmen sie mit. Wenn es die Falsche ist, können wir sie immer noch als Sklavin dem kleinen Grafen verkaufen!" rief einer der Elvaan. Morrigan wollte einen weiteren Zauber wirken, doch die Mithra trat ihr hart in den Bauch. Plötzlich war ein Knurren zu hören und das Geräusch von einer Armbrust die abgeschossen wurde. Die Mithra bäumte sich auf, in ihrem Hals steckte ein Armbrustbolzen.

Ein Goblin stürmte auf die Elvaan zu und wütete unter ihnen. Einer der Banditen taumelte mit aufgeschlitztem Bauch auf Morrigan zu und fiel auf sie drauf. Sie versuchte den Toten von sich herunter zu rollen, doch der Elvaan war zu schwer. Der Leichnam drückte immer mehr auf ihr Gesicht und nahm ihr den Atem, dann verlor sie die Besinnung.

Als Morrigan zu sich kam hörte sie Harfenklänge. Es war ein Lied das sie gut kannte. Saxon spielte es immer wenn er in der Vergangenheit schwebte. War sie etwa zu Hause? Hatte sie das alles nur geträumt? Sie öffnete langsam die Augen und erkannte dass sie in einer Höhle war. Sie lag auf einer Holzpritsche und war mit einen Wolfsfell zu gedeckt. An einem Feuer saß eine riesige, in einem Biberfellmantel gehüllte Gestalt und spielte auf einer Harfe. „Wo bin ich? Und wer bist du?" fragte Morrigan mit trockenem Mund. Die Gestalt stoppte mit seinem Spiel und erhob sich. Der Fremde war grösser als ein Galka. Er nahm ein Kerze und trat an Morrigan heran. Als er neben ihrem Bett stand gefror ihr das Blut in den Adern, denn sie schaute in das verzerrte Gesicht eines Ork.
Raziael/Überarbeitung: Rina Smagadauge
      
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