Samstag, 15. Dezember 2012

Das Söldnerimperium Kapitel 6

                                           Kapitel 6

Wanda Sakura hockte im Rumpf des Seglers der zum Kontinent Quon reiste. Ihre kostbare Robe hatte sie mit einem schwarzen Kapuzenmantel bedeckt. Um sie herum saßen die ‚blauen Geister'. Das war der Name der der Elite Ihrer Hoheit der Kaiserin. Die junge Frau, die fast noch ein Kind war, zog eine kleine Holzscheibe aus der Saumtasche ihres Mantels und schaute sie an. Auf der Scheibe war das Abbild ihres Herrn Itaban Yomada gemalt. Während sie liebevoll mit der Hand darüber strich, erinnerte sie sich, wie sie ihn kennen gelernt hatte.

Wanda war, als Mensch, in Armut geboren worden. Sie hauste mit ihren Eltern in einem verlassenen Kellergewölbe in der Stadt Al-Zahbi, zusammen mit anderen Bettlern und Ratten. Im fünften Zyklus ihres Lebens verlor sie ihren Vater, der bei einem Streit um Essen niedergestochen wurde. Sechs Zyklen später starb ihre Mutter an einer Seuche. Wanda musste schnell lernen für sich selbst zu Sorgen, doch hatte sie auch gemerkt das sie anders war als andere Kinder. Sie konnte die Eigenschaften und Fähigkeiten anderer erlernen. Als sie in einem Winter einen Fisch fing war es das erste Mal geschehen. Beim Töten des Fisches hatte sich in ihrem Inneren etwas getan, etwas war aufgegangen wie ein Keim. Sie war in der Lage ihre Körpertemperatur der Kälte anzupassen. Das gleiche tat sie mit einer Ratte. Sie fror nicht mehr und konnte durch jeden noch so engen Spalt schlüpfen um Essen zu stehlen.

Als sie sechzehn Sonnenzyklen alt gewesen war, wurde sie beim Stehlen erwischt. Ein hochgewachsener Elvaan mit schwarzen Haaren hielt sie fest am Arm. Seine braunen Augen schienen in sie hinein zu schauen. Er brachte sie auf das Schloss des Kaisers und übergab sie weiblichen Kriegern. „Wascht sie, taucht sie solange unter Wasser, bis ihr wisst welche Hautfarbe sie hat." Dieser Elvaan war Itaban Yomada gewesen, er hatte das Talent in ihr erkannt und sie zu einem Blaumagier ausbilden lassen. Sie lernte den Feinden die Fähigkeiten zu stehlen und selbst zu beherrschen. Doch war dies nicht ungefährlich. Mit ihrem Können übernahm man auch einen Teil ihrer Wildheit und Bosheit. Nur die Besten konnten dies beherrschen und nicht dem Wahnsinn erliegen.

Am Anfang sah sie in Itaban nur einen Vaterersatz, doch im Lauf der Zyklen spürte sie das sie ihn liebte. Wanda wusste dass er diese Liebe niemals erwidern würde. Einige Male hatte sie sich ihm angeboten, doch hatte er sie immer zurück gewiesen. Und nun war dieses Katzenweib aufgetaucht und hatte sich zwischen sie gestellt. Wie sie ihn umgarnt hatte und immer wollte sie mit ihm alleine sein. Wanda spuckte wütend auf den Boden bei dem Gedanken an die weiße Magierin. Kanzler Mafune, der Halbbruder der Kaiserin, hatte ihr alles erzählt. Wie sie Itaban mit ihren Katzenaugen verhext hatte, um ihn in ihre Gemächer zu locken und die widerlichen Geräusche, die der Kanzler dann auf dem Korridor gehört hatte. In der jungen Blaumagierin machte sich etwas breit das sie noch nie gefühlt hatte, Eifersucht vermischt mit Zorn. Sie stellte sich vor wie sie der Mithra das Fell abzog und ins Feuer warf.

Mafune hatte von Wanda verlangt die Reiseroute der Mithra preis zu geben. Obwohl sie ihrem Herrn geschworen hatte nichts zu verraten, tat sie es doch. Der Kanzler versicherte ihr, dass es nötig sei um Itaban zu retten. Auch hatte er ihr einen Namen genannt ‚Kafahlors filius Shadowgen'. „Er ist ein Vertrauter der Mithra. Mit diesem Mann werden andere kommen um euren Herrn zu töten. Dann ist die Kaiserin schutzlos und Aht-Urgan wird untergehen. Vernichtet diesen Mann und alle anderen um euren Herrn zu schützen."
Das Schiff legte an. Wanda gab ihren Leuten zu verstehen sich fertig zu machen. Sie zog ihren Mantel fester und zog die Kapuze tief ins Gesicht. Beim Verlassen des Schiffes wurde sie von einem Fremden angerempelt. „Pass doch auf du Trampel!!" hatte er ihr nach gerufen. Normal hätte sie ihn für diese Beleidigung getötet, doch sie und ihre Leute durften nicht auffallen.

An Land suchte sie die Taverne auf, spendierte einige Runden und erfuhr was sie wissen wollte. Kafahlors filius Shadowgen lebte in einer Siedlung inmitten der Merepotaud- Berge. Wanda kaufte Proviant und Chokobos, dann sprach sie zu ihren Leuten. „Lasst euch nicht in Kämpfe verwickeln, nur wenn es nicht anders geht. Wir müssen Kafahlors lebend haben, er kennt die Namen der anderen die unsere Heimat bedrohen." Sie stiegen auf ihre Reitvögel und verließen die Hafenstadt. 

Zur gleichen Zeit im Kaiserpalast.

Itaban ritt an den Palastwachen vorbei, gefolgt von zwei seiner Ritter. Wegen dem Mangel an Informationen und weil er immer noch nichts von Nette und dem Angriff gehört hatte, war er zum Weißen Tor zurück gekehrt. Die Kaiserin war in ihrem Versteck geblieben, bewacht von ihren treuesten Soldaten. In den kaiserlichen Ställen schaute er sich um und bemerkte das viele Chokobos fehlten, unter anderem die Reittiere der Ehren-Elite. Ohne sich aus zu ruhen ging er in den Audienzsaal. 

Kanzler Mafune stand am großen Tisch, gebeugt über einige Karten. „Ich grüße euch Kanzler Mafune." sagte Itaban. Der Mann schreckte hoch, anscheinend überrascht den Samurai zu sehen. „Itaban Yomada, welch eine Freude euch zu sehen. Ist unsere geliebte Kaiserin wieder in ihrem Heim?" sprach er mit gespielter Freundlichkeit und verstaute hastig die Karten in einer Lade. Itaban verneinte und trat auf den Mann zu, dessen Stirn plötzlich mit Schweiß bedeckt war. „Sagt mir: habt ihr etwas von Nette White gehört? Hat sie einen Kurier geschickt oder war sie persönlich hier?" Mafune spielte nervös mit seinen Fingern. „Nein, seit ihrer Abreise haben wir kein Lebenszeichen von der Magierin erhalten. Hat sie ihr Ziel nicht erreicht?"

Der Samurai  formte seine Augen zu schmalen Schlitzen. „Von welchem Ziel sprecht ihr, Kanzler?" Der Mann dachte kurz nach, dann sagte er: „Nun wenn jemand mit so vielen Soldaten aufbricht, dann will derjenige doch sicher irgendwohin." Itaban wollte etwas erwidern, als die Tür zum Audienzsaal geöffnet wurde. Eine Frau von menschlicher Rasse trat herein. Sie trug ein blaues Seidenkleid mit tiefem Dekolleté, das ihre schmalen Rundungen und ihre üppige Oberweite betonte. Es war Vanessa Sunkada, die Zofe der Kaiserin: ihre schwarzen Haare lose auf den freien Schultern und ihre Haltung war stolz und hochmütig. Itaban wusste das sie ein heimliches Verhältnis mit dem Kanzler hatte und hatte der jungen Kaiserin empfohlen sie nicht mit zu nehmen. Doch das war nicht der einzige Grund. Immer wenn er mit ihr sprach und ihre tiefblauen Augen in musterten, hatte er das Gefühl einen Assassinen vor sich zu haben. 

Sie verbeugte sich und ließ einen Blick in ihren Ausschnitt zu, dann sprach sie mit sanfter Stimme: „Ich grüße die hohen Herren. Bedarf die Kaiserin meiner Anwesenheit?" Noch bevor der Kanzler etwas sagen konnte, hatte Itaban gesprochen: „Nein, die junge Kaiserin ist nicht im Palast. Du kannst dich zurückziehen." Man konnte der Frau ansehen das sie erbost war über die unförmliche Anrede. Mit dem ‚du' hatte er sie gleichgesetzt mit einfachen Dienern. Der Kanzler und die Frau tauschten Blicke aus, dann verließ sie den Saal.   

Itaban wandte sich Mafune zu. „Bei meiner Ankunft habe ich gesehen dass die Chokobos der Kaiserlichen Elite fehlen. Die Blaumagier sollten als Schutz im Palast bleiben." Der Kanzler machte ein besorgtes Gesicht. „Es tut mir leid euch das sagen zu müssen, aber Wanda Sakura hat den Palast verlassen und die Blaumagier mitgenommen. Ich hatte euch gesagt es sei ein Fehler sie zum Offizier zu machen." Itaban zog die Stirn in Falten und fragte was geschehen sei. Mafune zog die Schultern hoch. „Nun ja, mir ist aufgefallen das Wanda sich in letzter Zeit seltsam benommen hatte. Einige Male habe ich gehört dass sie in das Gebiet der Trolle geritten war. Ich hatte mir nichts dabei gedacht, weil ich glaubte sie tue dies auf euren Befehl hin. Dann vor zwei Umläufen war sie samt der Elite verschwunden."

Itaban wusste nicht was er davon halten sollte. Wanda war ihm treu ergeben, niemals würde sie ihn verraten. „Ich begebe mich in meine Gemächer, es war ein langer Ritt und ich möchte mich ausruhen." Der Elvaan und der Mensch verneigten sich, dann verließ Itaban den Saal. Als Mafune allein war triumphierte er innerlich und lobte sich selbst für seine Schläue. Er hatte die Weißmagierin in die Hände der Trolle fallen lassen, das naive Mädchen würde die Verbündeten ausschalten, Itaban würde das Mädchen für ihren Verrat töten und wenn der Samurai dahinter kommt, das er eine Unschuldige gerichtet hatte, war er gezwungen diese Schande durch Selbstmord rein zu waschen. Es sei denn, Vanessa hatte seine Blicke verstanden. Dann wäre der Leibwächter seiner Halbschwester in wenigen Augenblicken tot. Der Kanzler schaute zu dem Gemälde des toten Kaisers. *Wie konntest du nur das Kind einer bürgerlichen Frau zu deinem Erben machen?  Mir steht der Thron zu und ich werde ihn in Kürze besteigen.* dachte er im Stillen und strafte das Bild seines Vaters mit hasserfüllten Blicken.

Itaban betrat sein Schlafgemach. Während seiner Abwesenheit hatten Diener den Raum gelüftet und seine Katze gefüttert. Er ging zum Waffenschrank in dem Rüstungen und Schwerter aufbewahrt wurden. Nur er und Wanda hatten einen Schlüssel um den Waffenschrein zu öffnen. Als er die Türflügel auseinander zog, fiel ihm eine Flasche Wein ins Auge. An dem Flaschenhals war ein Zettel gebunden, Itaban riss ihn ab und las die Nachricht:
 Auf eine sichere Heimkehr. Ich erkläre euch alles später, Wanda.  
*Ich kenne sie doch besser als der Kanzler glaubt.* 
 dachte Itaban und nahm die Flasche aus dem Schrank. Er zog den Korken ab und goss etwas in ein Glass, da sprang die Katze auf den Tisch, warf den Kelch um und der Wein verteilte sich auf der Tischplatte. „Dummes Vieh." lachte der Samurai und wollte nach einem Diener läuten, der das Unglück aufräumen sollte. Ein gequältes Miauen ließ ihn Inne halten. Die Katze lag tot in dem vergossenen Wein. Sofort roch der Samurai an dem Glass, der Wein war vergiftet. 
Raziael/Überarbeitung: Rina Smaragdauge 
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