Samstag, 8. Dezember 2012

Das Söldnerimperium Kapitel 5


                                                                        Kapitel 5

Der junge Knappe ritt gemütlich in Jeuno ein. Erst einmal würde er sein Chokobo zu den Ställen bringen und sich etwas Ruhe gönnen, bevor er seinen Auftrag ausführen würde. Während er die Riemen des Sattels löste, bewunderte er die hohen Gebäude. 

Jeuno war einst nur ein einfaches Fischerdorf gewesen. Doch hatte es sich im Laufe der Zyklen entwickelt. Weil es mitten auf einer Insel im Meer lag, konnte es nur gen Himmel ausgebreitet werden: vier Stadtviertel die übereinander gebaut in den Himmel ragten. Nun war Jeuno eine Handelsstadt in der alle möglichen Waren verkauft und angeboten wurden. Doch war sie auch ein Sammelplatz für Ganoven und andere finstere Gestalten. Über alledem herrschte der Herzog von Jeuno. Ein seltsamer Mann, der sich nur ungern zeigte.
Als der Knappe sich mit einem Mitkabob und einem Becher Wasser gestärkt hatte, machte er sich auf den Weg nach Mittel-Jeuno. Sein Ziel war das Fischrestaurant ‚ Zum Blauschwanz'. Die Hauptstraße des Stadtviertels zog sich in die Länge und der junge Elvaan befürchtete, dass er es verpasst hatte, doch dann stand er direkt davor. Ein riesiges Schild auf dem ein Fisch gemalt war, der an einer Leine zappelte, hing über einer schweren Eichentür. Der Knappe streckte sich und trat ein.

Der mächtige Galka sprang in der Küche hin und her. Er rührte in den Töpfen, schnitt Zwiebeln und hackte Fische zu Portionen. *Wo bleibt diese laufende Kartoffel von einem Tarutaru wieder?!* dachte Bullwey leise während er auf den Stapel von Bestellungen schaute.

Der Galka dachte an Saxon Antonio Pinella, den beherzten Schwarzmagier. Bullwey und Saxon waren zusammen mit Shir und den anderen auf die Reise gegangen, um den Kristall zu heilen. Als das Abenteuer bestanden war, hatte Saxon sich mit Morrigan, der rothaarigen Tarutarudame, vermählt und sie hatten gemeinsam ein Restaurant eröffnet. Als der Eigentümer der Löwenquelle in San'Doria und Freund von Saxon, zu alt war um die Taverne weiter zu führen, hatte Saxon die Kellnerinnen, Mimi und Chuma eingestellt. 

Bullwey grämte es manchmal dass er die meiste Arbeit allein machen musste, doch letzten Endes verdankten sie ihren Erfolg Saxon. Der Magier kannte die besten Angelplätze und brachte immer die größten Fänge an Land. Darum sah Bullwey es ihm nach wenn der Tarutaru einen ganzen Vormittag fortblieb. Doch an diesem Tage war der Andrang ungewöhnlich hoch. 

Die Tür zum Schankraum wurde geöffnet und Mimi das Tarutarumädchen betrat die Küche mit noch mehr Bestellungen. „Bullwey, Herr. Meisterin Morrigan sagte, ich solle euch das geben." flüsterte sie mehr als das sie es sagte. Obwohl Mimi schon einige Zeit in dem Restaurant arbeitete, hatte sie immer noch etwas Furcht vor dem Galka. „Leg es zu den anderen Bestellungen und hör endlich auf mich Herr zu nennen!" brummte er, was ihm aber sogleich leid tat. „Verzeih Mimi, aber heute scheint niemand in Jeuno selbst Kochen zu wollen." Mimi nickte etwas eingeschüchtert und wollte wieder gehen, als Bullwey sie zurück rief: „Tu bitte etwas für mich. Gehe zum Hafen und sage Saxon er soll sofort herkommen. Sollte er sich weigern dann sage ihm, das Bullwey selbst kommt und ihn mit seiner Angel verdrischt."

„Wen willst du verdreschen!?" erklang die Stimme von Saxon, der durch die Hintertür gekommen war. Über der Schulter trug er einen Stock an dem Tintenfische, Seezungen und ein besonders großer Tigerbarsch hingen. „Schau dir das da an!" knurrte Bullwey und zeigte auf einen Teller auf dem sich die Bestellungen türmten. „Ist ja schon gut, beruhige dich wieder." sagte der Magier gelassen und band sich eine Schürze um. Mimi ging wieder in den Schankraum, um weiter die Gäste zu bedienen.

Morrigan stand hinter der Theke, schenkte Bier aus und nahm die Bestellungen entgegen. Dabei hatte sie immer ein Auge auf Mimi, dass Tarutarumädchen und Chuma, die junge Mithra. Denn immer wieder gab es Flegel, die glaubten die Kellnerinnen wären leichte Beute. Die rothaarige Tarutarufrau war gegen Gewalt und versuchte immer auf diplomatische Art die Gäste zu überzeugen sich friedlich zu verhalten. Doch war sie durchaus im Stande sich durch zu setzen und so mancher stämmige Galka hatte ihren Schockzauber zu spüren bekommen.

Sie füllte gerade zwei Humpen mit Bier als Chuma sie ansprach: „Meisterin Morrigan? Da ist ein Knappe, er verlangt euren Gemahl und Bullwey zu sehen." Morrigan blickte auf und erkannte das Wappen auf der Brust des Elvaan. Warum schickte Hades einen Knappen? War er krank? Oder in Schwierigkeiten?
Sie winkte den jungen Mann zu sich. „Ich bin die Gemahlin von Saxon Antonio Pinella. Was kann ich für dich tun mein Sohn?" Bei den letzten Worten zog der Knappe die Brauen hoch. „Verzeiht, aber mein Herr, Graf von Rosemundt befahl mir die Nachricht persönlich an Saxon und Bullwey zu übereichen." Sie wollte etwas sagen, als ein Tumult aus der Küche zu hören war. Sie wies den Knappen an sich zu gedulden, öffnete die Küchentür und verdrehte genervt die Augen.

„Lass los!!" schrie Bullwey, der den Tigerbarsch über einen Kessel hielt, mit samt Saxon der sich an dem Fisch geklammert hatte. „Niemals!! Ich werde nicht zulassen, dass du so etwas Seltenes mit Majoran verdirbst. Da kommt Ingwer dran!!" protestierte der Tarutaru. „Zum letzten Mal, lass los oder du wanderst mit in den Topf!!"

„Was ist denn hier los!!?" rief Morrigan und stützte die Hände in die Hüften. Die beiden Köche verstummten und schauten einander vorwurfsvoll an. „Da vorne im Schankraum ist ein Kurier von Hades mit einer Botschaft, die er nur euch aushändigen darf." Bullwey setzte Saxon wieder auf den Boden, dann legten sie die Schürzen ab und gingen in den Schankraum. Morrigan schaute sich den Fisch an und grinste: „Den würzt man mit Derflandkraut."

„Wann sind wir endlich da?" fragte Lodrik ungeduldig. Der Aeronaut zog genervt die Brauen zusammen und brummte: „Wir werden in Kürze landen." Lodrik ging zurück in den Passagierraum und machte sich bereit. Durch ein Bullauge konnte er den riesigen Baum sehen der über Windurst in die Höhe ragte. „Bitte festhalten!!!" rief jemand. Dann setzte das mächtige Luftschiff auf dem Wasser auf. Wasser schlug gegen die runden Fenster, dann schwankte das Schiff nur noch etwas. Lautes Rufen war zu hören, dann konnten die Reisenden den Rumpf verlassen. Lodrik schaute sich um, viel hatte sich verändert seit seinem letzten Besuch in der Tarutaru Stadt. Wo früher die schwimmenden Händler ihre Waren angeboten hatten, war eine Werft gebaut worden um Flugschiffe zu warten. 

Der Krieger machte sich auf in den bewässerten Teil der Stadt, der Windurst-Weiher hieß. Dort war die Magierschule in der Cevh Unterricht gab. Lodrik lief gemächlich und ließ die Umgebung auf sich einwirken. In der Schule angekommen, fragte er einen der Lehrkräfte nach Cevh Grabóvesquise. Der weißbärtige Tarutaru sagte ihm Stockwerk und die Nummer des Klassenraumes und ging weiter. Der Elvaan erklomm die Treppen und stand  vor einer Tür, hinter der laut geredet wurde. Lodrik öffnete den Raum und sah Cevh mit zerrauften Haaren.

„Stehen bleiben und nicht bewegen!!" rief der Rotmagier mit ausgestreckten Armen. „Ich gebe auf. Du kannst dir keine Formeln merken, sprichst die Betonung falsch aus und verfehlst deine Ziele. Um es deutlich zu sagen: Du kannst nicht Zaubern!!" Er stützte sich auf sein Pult. „Schau mal." sprach er weiter. „Ich kann nicht Fliegen, also bleibe ich allem was höher als zehn Fuß hoch ist fern!" Die Mithra verzog das Gesicht und begann zu weinen. „Bitte nicht, nein tu das…"

„Kann ich helfen?"  unterbrach Cevh eine Stimme. Der Rotmagier schaute sich um und erkannte den Krieger. Cevh ging auf seinen alten Kampfgefährten zu und sie kreuzten die Unterarme. Lodrik erklärte Cevh in kurzen Worten was geschehen war und schilderte Anliegen. „Nun dann lass uns keine Zeit verlieren, ich muss nur eben einige Sachen packen. Das Amt des Mentors ist mir zu gefährlich."
Cevh nahm seinen Dreispitz und seinen Degen, dann sagte er zu der jungen Mithra: „Übe noch mal die Feuerpeitsche." Das Mädchen nickte und nahm ihren Stab zur Hand. Cevh schob Lodrik zur Tür hinaus und sie verließen die Schule. Sie waren gerade auf der Straße, als Scheiben brachen und eine grelle Stichflamme aus einem Fenster der Lehrräume schoss.

Während Cevh seinen Rucksack packte, erzählte er dem Krieger dass seit einiger Zeit Leute verschwanden. Junge Männer und alleinstehende Frauen wurden mit großzügigen Arbeitsangeboten nach Jeuno gelockt. Kurze Zeit später bekamen die Angehörigen keine Antwort mehr auf ihre Briefe. Ein Vater war aus Sorge nach Jeuno gereist, doch man sagte ihm dass man seinen Sohn nicht kennen würde. „Solche Gerüchte habe ich auch aus San'Doria gehört und in Bastok scheint es genauso zu sein." sagte Lodrik und verschränkte die Arme. „Lass uns erst Nette suchen, dann werden wir versuchen heraus zu finden was es mit den Vermissten auf sich hat." erwiderte Cevh und schulterte seinen Ranzen. Sie gingen zum Chokobostall, mieteten sich Reitvögel und verließen die Stadt.

Die beiden Recken ritten über die sandigen Ebenen des Saruta-Baruta Landes, durchquerten die Tharongie-Schlucht und erreichten in der Nacht die Hafenstadt Mhaura. Im Stall gaben sie ihre Chokobos ab und spazierten zum Pier, um zu sehen wann das nächste Schiff nach Aht-Urgan auslief. Sie schauten auf das Informationsschild, als Cevh einen Schlag auf die Schulter bekam.  Lodrik wollte seine Axt ziehen, hielt aber inne als er sah wer hinter ihnen Stand. „Shir!!" sagte er, froh den Dunkelritter zu sehen. „Hallo Shir." brummte Cevh und rieb sich seine Schulter. Sie kreuzten die Unterarme und erzählten einander wie es jedem seit ihrem Abenteuer ergangen war.

Ein Schiff legte an, Leute verließen den Rumpf und Ladung wurde gelöscht. Jemand sagte dass dies ein Schiff nach Aht-Urgan sei. Die drei Freunde kauften sich Schiffspassagen und gingen an Bord. Eine in schwarz gekleidete Person rempelte Shir an und ging ohne ein Zeichen der Entschuldigung weiter. „Kannst du nicht Aufpassen, du Trampel!" schimpfte Shir dem Fremden hinterher.

Als die Mannschaft fertig war die Ladung zu verstauen, legte das Schiff ab. Shir stand mit Lodrik und Cevh an der Reling. Er schaute zu den Sternen und sagte: „Auf nach Aht-Urgan." 
Raziael/Überarbeitung: Rina Smaragdauge
         
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