Samstag, 24. November 2012

Das Söldnerimperium Kapitel 3


                                          Kapitel 3


Kämpfer auf die Tribüne!!" rief eine Stimme. Ein Elvaan und ein Tarutaru bestiegen die Holztreppen hinauf auf die Kampffläche. 

Es war das Fest der langen Schwerter, ein Wettstreit aller Kategorien. Alle vier Sonnenzyklen wurde es in einer anderen Nation ausgetragen und diesmal war San'Doria Austragungsort. Früher durften nur Adlige daran Teilnehmen, doch seit dem Untergang des dunklen Gottes waren auch Abenteurer zugelassen. Die Regeln waren einfach: am Anfang kämpfte jeder nur in der eignen Kategorie Schwarzmagier, Rotmagier, Weißmagier, Krieger oder Paladin. Die besten Drei aus jeder Gruppe wurden dann zusammen gelegt und um es gerechter zu machen wurden Handycaps auferlegt.  Der Verlierer schied  aus und der Gewinner durfte sich etwas aus dem Eigentum des Verlierers aussuchen: ein Chokobo, die Waffe oder einen der Diener. Dem Sieger des Festes winkte eine Belohnung von Hundert Goldmünzen. Dafür riskierten einige gerne Ihr Leben.

Der Elvaan zog einen Zweihänder aus seiner Rückenhalterung, der Tarutaru hielt einen Stab in der Hand. Der Schiedsrichter stellte die Kämpfer vor, was nur in den Finalkämpfen gemacht wurde. „Halgier von Derfland!" dabei zeigte er auf den Elvaan. „Bolli-Tolli aus Mhaura!" sagte er und wies zu dem Tarutaru. Die Kontrahenten verneigten sich voreinander, dann warf der Schiedsrichter einige Würfel um das Handicap zu bestimmen. Nach genauem Hinsehen verkündete er: „ Krieger gegen Schwarzmagier. Keine Zweitwaffe, keine Schadensmagie. Keine Powerschläge, keine Wasser und Erdzauber. Drei Runden!!" Der Sprecher verließ die Kampffläche und rief: „Kämpft!!" 

Der Elvaan hob sein Schwert und griff den Magier an. Der Tarutaru wich aus und ließ eine Flamme aus seiner Hand wachsen, die er wie eine Peitsche benutzte. Bald war die erste Runde vorbei und die Kämpfer gingen auf ihre Plätze. Der Krieger trank kaltes Wasser und der Magier ruhte um seine Mana regenerieren.

Am Rand der Kampftribüne stand eine finstere Gestalt und beobachtete den Kampf. Sie war gehüllt in einen schwarzen Kapuzenumhang und in der Rückenhalterung trug sie eine Waffe wie man bei sie keinem Krieger oder Magier erwarten würde. Die zweite Runde wurde angekündigt und die beiden Kontrahenten gingen erneut auf einander los. Es war der Streit um den zweiten Platz, war dieser entschieden würde das Finale beginnen. Die dunkle Gestalt ging einige Schritte und es wurde nun deutlich dass es sich um einen Mann handelte. Er wollte seinen Gegner ansehen mit dem er den Finalkampf bestreiten würde.

Der zweite Finalist war ein Paladin, ein Ritter aus adligem Geschlecht. Der Rasse nach musste er aus Bastok stammen, denn er war ein Mensch. Es waren viele Diener bei ihm und das war offensichtlich, nicht freiwillig. Der Ritter scheuchte seine Leute herum und beschimpfte sie fortgehend. Plötzlich begannen die Zuschauer zu jubeln und zu Applaudieren, der Kampf war Vorbei. „Sieger in der zweiten Runde: Bolli-Tolli aus Mhaura!!" rief der Ansager. Der besiegte Elvaan wurde von der Tribüne getragen und die Kampffläche gereinigt.
Als alle Arbeiten fertig waren trat der Ansager erneut die Tribüne. „Nun wird der Kampf um den Champion ausgetragen!!!" sagte er und das anwesende Volk begann zu Klatschen.

 Der Sprecher hob die Arme und es wurde still, dann winkte er die Kämpfer auf die Tribüne. Der Paladin und die dunkle Gestalt gingen die Treppen hinauf und standen sich gegenüber. „Der Kampf wird bestritten zwischen den Besten der Besten!!" rief er und machte mit einem Schweigen das ganze etwas spannender, dann stellte er die Kämpfer mit Namen vor. „Zu meiner Rechten: Fabilinus von Bastok!!" wieder begannen die Leute zu Klatschen. Wieder hob er die Hände und stellte den Mann in dem Kapuzenmantel vor, doch bevor er etwas sagte schaute er lange auf das Pergament, als wolle er den Namen auswendig lernen. Dann endlich rief er: „Zu meiner Linken: Shir de Foucon!!!" Niemand klatschte, niemand jubelte. Das Volk schaute nur ungläubig. Shir de Foucon, jeder in San'Doria und den anderen Nationen kannte diesen Namen. Shir de Foucon, der Elvaan der den dunklen Gott Promathia niedergestreckt hatte. Nach einer kurzen Stille brach ein wahrer Sturm los. „ Shir, Shir, Shir!!!" schrien und jubelten die Zuschauer im Chor.

Der Herold schüttelte die Faust, warf die Würfel und verkündete das Handicap. „Keine Stärkung und Heilmagie!! Keine Elementar und Schadensmagie!! Erlaubt sind Tränke und Schwächungsmagie!!" Der Ansager trat zurück und gebar den Kämpfern sich bereit zu machen. Shir zog seine Waffe, eine Sense, aus der Rückenhalterung und warf den Mantel ab. Seine schwarze Rüstung funkelte bedrohlich im Schein der Sonne. 

Der Paladin winkte seinen Dienern zu. Ein Junge, nicht älter als elf Sonnenzyklen, kam die Treppe hinauf. Dabei zog er sein linkes Bein hinterher, das anscheinend verkrüppelt war. Der junge Mensch brachte die Waffen seines Herrn, ein Schild und ein Schwert. Der Ritter riss dem Knaben die Waffen aus den Händen und gab ihm einen Tritt. Shir, der das mit ansehen musste, ballte die Fäuste. Seine Abneigung gegen den Paladin war soeben ins unermessliche gestiegen. Der Junge rieb sich schluchzend den Rücken und  humpelte die Treppe hinunter. 

Wieder erhob der Sprecher die Stimme. „Der letzte Kampf. Paladin gegen Dunkelritter!" Er hielt kurz inne, dann schlug er die Fäuste zusammen. „Kämpft!!!" Der Paladin stürmte auf Shir los, Stahl traf auf Stahl und Funken stoben umher. Fabilinus trieb Shir von einem Ende der Tribüne zum anderen und wieder zurück. Irgendwann erklang ein Hornsignal, die erste Runde war vorüber und die Kämpfer senkten die Waffen. „Das ist etwas anderes als mit einer Armee im Rücken!!" spottete der Paladin außer Atem, doch Shir reagierte nicht darauf. Auch in der zweiten Runde schien der Paladin im Vorteil zu sein und wurde beendet ohne dass einer der Kämpfer zu Boden ging. 

„Dritte und letzte Runde!!" rief der Herold und gab das Zeichen zum Angriff.  Mit erhobenem Schwert ging der Paladin auf Shir los. Der Dunkelritter hob die Hand und flüsterte etwas. Für einen Lidschlag blitzte ein leuchtendes Band auf, das Mensch und Elvaan miteinander verband. Der Paladin stockte im Angriff, sein Schild war ihm aus der Hand gefallen und auch das Schwert sank nach unten. Es schien als wäre die Waffe um einiges schwerer geworden. 

Fabilinus fasste das Schwert mit beiden Händen was ihn Kraft zu kosten schien und ging weiter auf Shir zu. Wieder sprach der Dunkelritter eine Formel und der Paladin stolperte über seine eigenen Füße. Er versuchte sich wieder auf zu rappeln, jedoch versagten die Beine. Shir verstaute die Sense in der Rückenhalterung und ging mit langsamen Schritten auf seinen Gegner zu, entriss ihm das Schwert und bedrohte ihn mit der eigenen Waffe. „Gnade, Gnade, Ich gebe auf." flehte der Ritter. 

Als der Herold Shir zum Champion ernannte Jubelten die Zuschauer. Er reichte ihm einen prallgefüllten Beutel mit Münzen und sagte: „Ihr seid der Sieger, nun wählt einen Tribut des Verlierers." Shir schaute sich um und zeigte auf den verkrüppelten Jungen. Jemand drückte dem Knaben eine Pergamentrolle in die Hände und schickte ihn auf die Tribüne.

Unter Tränen humpelte der Junge auf den Dunkelritter zu. Er war von Fabilinus misshandelt worden und malte sich aus was dieser finstere Recke ihm antun würde. Mit zitternden Händen übereichte er das Schriftstück. Shir entrollte es und überflog die Zeilen, es war die Besitzurkunde für den Knaben. Der Elvaan schaute den Jungen an in dessen Augen sich die Angst spiegelte und warf ihm den Geldbeutel zu, dann zerriss er das Pergament. „Geh, du bist frei."

Der Knabe schien seinen Ohren nicht zu trauen und starrte den Dunkelritter sprachlos an. „Nun geh schon, du bist frei." sagte Shir erneut. Der Junge warf sich dem Elvaan zu Füssen und wollte ihm die Stiefel küssen, doch Shir zog ihn wieder auf die Beine. „Knie nie wieder, hörst du? Nie wieder. Nun geh." So schnell es das lahme Bein erlaubte lief der Knabe fort. Wieder lobpreisten die Zuschauer den Dunkelritter. „Shir der Gerechte." und. „Shir der Barmherzige." riefen sie. Der Paladin allerdings funkelte den Elvaan finster an. Das er ihm einen seiner Diener genommen hatte und diesem auch noch die Freiheit geschenkt hatte schien ihn tiefer beleidigt zu haben als die Niederlage im Kampf.

Shir verließ die Tribüne und wollte sich einen Humpen Bier holen, als er eine vertraute Stimme hörte. „Shir der Barmherzige. Die scheinen dich nie in Aktion gesehen zu haben!" Der Dunkelritter schaute sich um und ein Lächeln formte sich auf seinem Gesicht. „Hades von Rosemundt. Der einzige Elvaan dem nie echte Ohren gewachsen sind!" erwiderte Shir den Spott, dann begrüßten sich die Freunde. Hades erklärte Shir warum er ihn aufgesucht hatte. Ohne lang zu überlegen stimmte der Dunkelritter zu mit auf die Reise zu gehen. „Gehe nach Selbina und nimm das Schiff nach Mhaura, von dort aus kommst du nach Aht-Urgan. Mit etwas Glück triffst du dort auf Cevh und Lodrik. Ich gehe in die Merepotaud- Berge und suche Kafahlors." Shir lachte. "Kafahlors? Hat er immer noch seine fliegende Töle? Das Biest hat mich immer so hungrig angeglotzt." Nun lachten beide und kreuzten die Unterarme. „Wir sehen uns." sagte Hades und machte sich wieder auf den Weg. Shir ging nach Hause und machte alles für die Reise bereit.
Raziael/Überarbeitung: Rina Smaragdauge

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