Sonntag, 18. November 2012

Das Söldnerimperium Kapitel 2


                                                                                       Kapitel 2

Es war dunkel und feucht in dem Verließ. Von den grob behauenen Wänden flossen kleine Rinnsale herab und sammelten sich als Pfützen auf dem Boden. Immer wieder waren Geräusche der anderen Gefangenen zu hören. Irgendwo musste sich Jemand übergeben, ein anderer stöhnte schmerzvoll auf. 

Nette hatte sich auf einem Haufen stinkendem Stroh zusammen gekauert. Die Mithra hatte den Versuch aus zu brechen aufgegeben, denn ohne ihre Magie war das nicht möglich. Die Trolle hatten ihr einen übel riechenden Trank eingeflößt, der ihre Stimme blockierte. Wenn sie keinen Zauber aussprechen konnte half ihr die ganze Magie nichts. Ihre rot-weiße Robe war schmutzig, das Fell verfilzt und die roten Haare hingen strähnig über die Schultern. Schon lange hatte sie sich nicht Waschen können. Immer wieder zermarterte sie sich den Kopf wie das alles geschehen konnte. Sie und Itaban hatten alles im Geheimen geplant. Nur sie und der Samurai wussten welche Route die Magierin und ihr Trupp nehmen würden. Aber eines war sicher, es gab einen Verräter in ihren Reihen. Doch wer war er?

Nette spürte ein Kribbeln an ihrem Kehlkopf, ein Zeichen das die Wirkung des Trankes nachließ. Sie hoffte dass die Wärter dies einmal vergaßen, dann würde sie fliehen, mit einer Armee zurück kehren und alles dem Erdboden gleich machen. Doch ihre Hoffnung erfüllte sich nicht, schon erklangen Schritte auf dem Gang und das Rasseln von Waffen war zu hören.

Mit einem lautem Knarren wurde der Riegel umgelegt und sechs fettleibige Trolle betraten das Verließ.  Die gelben Augen, die tief in den von Warzen entstellten Gesichtern steckten, musterten sie feindselig. Zwei der Trolle zogen sie von ihrem Lager und hoben sie auf die Beine. Einer der beiden hielt ihr einen rostigen Dolch an die Kehle. Die Trolle sprachen in ihrer eignen Sprache. Nette versuchte etwas zu verstehen, doch für sie waren es nur Grunz laute. Ein weiterer Troll betrat die Zelle. Er war grösser als die anderen und trug ein Schwert bei sich. An seinem Gürtel hingen die verwesenden Köpfe erschlagener Gegner. Er trat vor Nette. „Armee wo? Kaiserin wo? Du sprechen und frei. Wo Armee und Kaiserin?" knurrte der Troll und benetzte das Gesicht der Mithra mit stinkendem Speichel. Erst war Nette überrascht darüber dass der Troll ihre Sprache beherrschte, doch zugleich wurde ihr Verdacht von einem Verrat bestätigt. „Reden und du gehen." sagte der Troll erneut. Nette wusste das er log, sobald er hatte was er wollte, würde er ihr den Kopf von den Schultern schlagen. Auch wenn sie ihm etwas vor flunkern würde, wäre ihr Tod gewiss. 

Die Mithra spürte das Kribbeln in ihrem Hals immer stärker und sie wagte einen Versuch. "Lux Sexcentarum Soles." flüsterte sie mehr als das sie es sagte. Aus ihrem Mund ergoss sich ein Lichtstrahl und lautes Brüllen war zu hören, dann fühlte sie einen Schmerz. Einer der Wärter hatte ihr einen Schlag gegen den Kopf versetzt und sie verlor die Konzentration, das Licht erlosch. Auf dem Boden der Zelle lagen zwei verkohlte Leichen, der große Troll taumelte geblendet umher und gab klagende Laute von sich. Einer der Trolle die sie fest hielten, zog eine Tonflasche aus dem Gürtel, zog den Korken und setzte Nette die Flasche an den Mund. Die Magierin versuchte den Trank aus zu spucken, doch die Trolle zwangen sie zu trinken. Der große Troll schlug ihr in den Magen, sie stöhnte laut, dann spürte Nette wie der Trank in ihre Kehle glitt und ihr Kehlkopf gefühllos wurde. 

Als die erste Benommenheit nachließ hob sie den Kopf und schaute in ein verbranntes Gesicht. „Du noch sagen was wollen ich hören!!" brüllte der Troll und schlug sie wieder in den Bauch. Nette schnappte nach Luft, dann hob sie den Kopf und spuckte dem Troll in die entstellte Fratze. Die Wärter warfen die Mithra zu Boden und versetzten ihr harte Fußtritte. Als ihre Peiniger mit ihr fertig waren verließen sie die Zelle, die verbrannten Leichen ließen sie einfach liegen. Nette kroch zu dem fauligen Strohhaufen, rollte sich zusammen und begann zu weinen. *Lodrik, bitte verzeih mir. Ich hätte nicht gehen sollen, bitte verzeih mir.* dachte sie leise. Dann plötzlich fühlte sie eine beruhigende Wärme, als wenn jemand sie Umarmen würde. Es erinnerte sie an die Momente wenn Lodrik sie tröstend in den Arm genommen hatte und sie wusste, dass sie nicht allein war, sie würde niemals allein sein.
Raziael/Überarbeitung:Rina Smaragdauge


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