Mittwoch, 14. November 2012

Das Söldnerimperium Kapitel 1 ( Eine schlimme Nachricht)

                                                                            Kapitel 1

Die aufgehende Sonne vertrieb die Nacht und zierte die Stadt Bastok in mit ihrem goldenen Licht. Aus den Schloten der Eisenwerke, in denen nun Tag und Nacht gearbeitet wurde, quoll schwarzer Rauch. Seit dem Untergang des dunklen Gottes gab es nur noch wenige Angriffe der Beastman. Dadurch konnte in den Stollen rund um die Uhr Eisenerz, Kupfer, Gold und Silber abgebaut werden.

Doch nicht für jeden war die neue Freiheit ein Segen. Um die Stollen ausbauen zu können wurde Holz benötigt und musste von anderen Nationen gekauft werden, denn Bastok lag in mitten einer Felsenregion. Um das tun zu können wurde die Steuer erhöht. Nur Stadtherren und Adlige waren von den Abgaben befreit, wer vom gemeinen Volk die Steuer nicht zahlen konnte, wurde Zwangsarbeiter in den Stollen oder Leibeigner. Eltern versuchten ihre Kinder reich zu verheiraten oder als Soldat ausbilden zu lassen, glückte dies nicht wartete ein Leben in den Slums auf sie.

Ein Hornsignal zerriss die Stille auf dem Kasernenhof, kurz darauf waren laute Schritte zu hören. Marodeure, Pikeniere und Armbrustschützen eilten auf den Exerzierplatz für den Morgenappell. „Kompanie, still gestanden!!!" schrie der Gruppenführer. Wieder war lautes Poltern zu hören als die mit Eisen beschlagenen Stiefel auf den Boden schlugen. Dann war es wieder still, die Soldaten standen kerzengrade, die Füße schulterbreit voneinander entfernt und die Waffe hielten sie fest in beiden Händen. 

Langsam öffnete sich die Unterkunft des Hauptmannes und aus der Tür trat ein Mann, gekleidet in eine Eisenrüstung und bewaffnet mit einer langstieligen Zwillingsaxt, die er auf dem Rücken trug. Das Gesicht des hochrangigen Kriegers wirkte wie gemeißelt und machte jedem deutlich, das mit ihm nicht zu spaßen war. Die Gruppenführer und einfachen Soldaten wagten kaum zu atmen wenn der Hauptmann an ihnen vorbei ging. Oft hatten sie ihn verflucht und ihm die Hautfäule gewünscht wenn sie nach einem Training ausgelaugt in ihren Kojen lagen. Doch kamen sie auch nicht umhin, ihn zu bewundern, denn er war nicht irgendein Soldat der durch die Gunst eines Stadtherrn zum Hauptmann ernannt worden war. Nein, er war einer der Helden die Promathia die Stirn geboten hatten. Es war Lodrik de Bourgogne. 

Nach dem Appell folgte ein hartes Lauftraining in voller Rüstung und Bewaffnung durch die Hügel von Nord-Gustaberg. Dann kamen Nahkampfübungen an die Reihe. Die Soldaten und Rekruten waren am Ende und  nur wenige konnten noch Aufrecht in die Unterkünfte gehen. Lodrik begab sich in seine eigne Unterkunft und tauschte die schwere Rüstung gegen Lederhosen und ein Leinenhemd mit kurzen Ärmeln. Er verließ die Kaserne und spazierte in Richtung des Marktplatzes, wo er mit seiner Familie eines der Herrenhäuser bewohnte. 

Lodrik betrat das Haus und gab zu erkennen dass er daheim war. Sofort hörte er tapsige Schritte die sich schnell näherten. Dann sprang ihn ein kleines Mädchen an. „Papa, Papa" Es war seine Tochter Naticki. Das lebhafte Kind hatte zum größten Teil das katzenhafte Äußerliche ihrer Mutter geerbt, doch war sie nicht begeistert wenn es um das Lernen ging. Sie hatte das Temperament ihres Vaters bekommen, genau wie Lodrik war sie immer bereit sich für andere ein zu setzen. 

„Wie war dein Tag, mein Schatz?" fragte er seine Tochter. „Sie hat sich wieder geschlagen!" sagte eine Stimme. Es war Freyja, die Amme. Eine Tarutaru Frau die selbst schon Großmutter war. Lodrik schaute seine Tochter ernst an. „Was war los?" wollte er wissen. Mit gesenktem Kopf erzählte Naticki: „Einer der Jungen aus dem Marktviertel hat einem Mädchen aus den Mienen das Brot weggenommen und in den Schmutz geworfen. Eigentlich hat er angefangen und du sagst doch immer, man soll den Schwachen helfen."
Lodrik nahm seine Tochter in den Arm. „Ja, da hast du schon recht. Aber dann musst du nicht gleich Hauen." „Hauen?" betonte die Amme. „Dem Jungen fehlen drei Zähne!!" Lodrik versuchte ein Lachen zu unterdrücken, was ihm aber nicht ganz gelang. Ein Klopfen an der Haustür bewahrte ihn davor sich vor der Freyja  und seiner Tochter laut los zu lachen. Er öffnete die Tür selbst und schaute in das vertraute Gesicht eines Elvaan.

Es war Hades von Rosemundt, ein Adliger der sich auf die Seite des einfachen Volkes gestellt hatte. Wann immer der Paladin eine Möglichkeit sah, junge Zwangsarbeiter oder Leibeigene frei zu kaufen, tat er es. Hades gab ihnen Arbeit auf seinen Ländereien oder brachte sie als Bedienstete bei anständigen Familien unter. Hades hatte Lodrik und seine Freunde beim Kampf gegen Promathia unterstützt, doch hatte er sich nie dafür ehren lassen. Für diesen Ritter war es Lohn genug, wenn er sah dass die Bewohner auf seinen Ländereien zufrieden und glücklich waren.

Die Waffengefährten reichten sich die Hand, dann kreuzten sie die Unterarme voreinander. Als Lodrik den Schatten auf dem Gesicht seines Freundes bemerkte, wusste er dass Hades nicht für einen Schwatz gekommen war. „Was ist los, mein Freund? Du siehst so besorgt aus." Hades bat Lodrik mit ihm zu kommen. Sie durchquerten den Vorgarten, gingen durch das Tor und gelangten auf den Marktplatz, wo die Ritter und Knappen des Paladins sich ausruhten. „Wegen ihm bin ich gekommen." sagte Hades und zeigte zum Brunnen. „Er hat gesagt, dass er dich sehen und sprechen müsse. Den Grund dafür hat er mir nicht gesagt, auch hat er jede Nahrung verweigert. Er scheint niemandem zu vertrauen." 

Auf dem Rand des Brunnens saß ein Galka. Mit der Statur eines Bären und einem dichten Fell am ganzen Körper, verfügten sie über gewaltige Muskelkraft. Galkas waren ein verlorenes Volk, das sich nicht wie andere Rassen fortpflanzte sondern durch Reinkarnation wiedergeboren wurde. Als ihre Heimat durch eine Naturkatastrophe in eine Wüstenlandschaft verwandelt wurde flüchteten sie nach Bastok, wo sie die Sklaverei erwartet hatte.

Lodrik ging zu dem Galka und musterte ihn. Er trug eine verschlissene Lederrüstung und das linke Auge wurde von einer Augenklappe bedeckt. Auf der Brust prangte das Wappen mit der zweiköpfigen Schlange von Aht-Urgan. Er musste einer der Söldner sein die sich Freiwillig gemeldet hatten. Doch was wollte er nun hier? Und was wollte er von Lodrik?

„Der Paladin sagte du willst mich sehen?" fragte Lodrik den Fremden. Der Galka schaute Lodrik aus seinem verbliebenen Auge an, dann begann er zu sprechen: „Mein Name ist Hulgar. Doch bevor ich euch meine Botschaft überbringen kann, muss ich euch eine Frage stellen um sicher zu sein das ihr wirklich Lodrik de Bourgogne seid. Um was habt ihr Nette White gebeten als ihr sie zum ersten Mal gesehen habt?" Lodrik war wie gelähmt, doch er fing sich schnell wieder. Was hatte dieser zerlumpte Söldner mit Nette zu schaffen? Hatten er und seine Kumpane sie entführt und wollten nun Lösegeld erpressen?

Lodrik Kreuzte die Arme, die Muskeln an seinen Oberarmen schwollen an und jede Narbe, die er sich im Kampf zugezogen hatte, trat durch die Tattoos hervor. „Ich bat sie darum auf meinen Wetzstein zu spucken!" sagte er mit kühler Stimme. Lodrik konnte sich so gut daran erinnern, weil Nette ihn immer wieder damit aufgezogen hatte. Die ernste Miene des Galka entspannte sich. „Ich soll euch das geben, als Beweis dass ich in ihrem Auftrag komme." Der Söldner zog eine silberne Medaille aus seiner Tasche und reichte sie Lodrik.  „Was ist mit Nette? Wo ist sie?" fragte er den Galka und in ihm breitete sich Furcht aus. „Rede verdammt, oder ich nehme dir dein verbliebenes Auge auch noch!!" herrschte er Hulgar an.

„Ich und fünf andere wurden der Magierin als Leibwache zugeteilt." begann der Galka zu erzählen. „Viele Versuche die Trolle zu überraschen schlugen fehl. Die Biester wussten immer wo wir zuschlagen würden. Im Palast wurden Anschläge auf die Kaiserin und meine Herrin verübt. Einen der Attentäter konnten wir fangen, doch bevor wir ihn verhören konnten beging er Selbstmord. Er nutzte dazu eine Technik, die nur geübten Assassinen bekannt ist. Meine Herrin riet der Kaiserin den Palast zu verlassen und sich zu verstecken. Während die Herrscherin alles für ihre Abreise vorbereitete, plante meine Herrin eine neue Offensive. Sie wurde dabei von einem erfahrenen Krieger unterstützt, sein Name ist Itaban Yomada. Drei Armeen wurden zu einem Treffpunkt gesandt, wo sie auf den Kommandostab warten sollten. Nur meine Herrin und Itaban Yomada wussten, wo sich der ausgangsort für die Offensive befand. Zusammen begaben wir uns auf die Reise. Itaban begleitete die Kaiserin in ihr Versteck. Die Magierin, ihre Leibwache, einige Offiziere und Söldner zogen in den Dschungel um mit den Armeen zusammen zu stoßen. Doch es kam anders: die Trolle hatten uns aufgelauert. Sie wussten genau wo sie uns finden würden. Wir kämpften so gut wir konnten, doch sie waren uns zahlenmäßig überlegen. Meine Herrin gab mir die Medaille und sandte mich zu euch. Doch bevor sie mir alles anvertrauen konnte wurden wir getrennt. Jedoch glaube ich, dass sie noch am Leben ist. Nur meine Herrin und Itaban Yomada wissen wo die Armeen lagern und wo sich die Kaiserin versteckt. Man wird sie gefangen halten."

Lodrik und Hades hatten dem Galka schweigend zugehört. Der Paladin hielt den Krieger am Arm fest, den er befürchtete Lodrik könne jeden Moment über den Galka herfallen, um ihn für alles verantwortlich zu machen. „Wie lange ist das nun her?" fragte Hades. „Achtundzwanzig Umläufe." erwiderte der Galka. Lodrik war wie betäubt, er konnte kein Wort heraus bringen. Er schlug die Hände vors Gesicht und schluchzte. Hades legte ihm die Hand auf die Schulter. "Hab Vertrauen. Nette ist eine kluge Mithra. Sie wird wissen dass ihre Geheimnisse sie am Leben halten. Wir werden sie retten."

Lodrik wischte sich die Tränen aus den Augen. „Und Naticki? Ich kann sie doch nicht ganz alleine lassen." Hades lächelte. „Ich werde deine Tochter und ihre Amme auf meine Burg bringen lassen. Meine Schwester Cissie wird sich um sie kümmern. Wir trommeln die alte Gruppe zusammen und dann holen wir Nette wieder nach Hause." Lodrik umarmte seinen Freund und dankte ihm.

Die Amme verstand kein Wort, folgte aber den Anweisungen. Sie packte das Nötigste ein und machte Naticki reisefertig. Hades hatte eine Elvaanfrau beauftragt Naticki und ihre Amme sicher in die Burg seiner Familie zu bringen. Als Eskorte gab er ihr eine Handvoll Knappen mit. Dann machte sich Hades ebenfalls auf den Weg. „Ich werde nach San'Doria reiten und Shir suchen. Einer meine Ritter wird nach Jeuno gehen um Saxon und Bullwey zu informieren. Mit etwas Glück erreichen wir auch den Drachenkrieger. Wir treffen uns dann in der Kaiserstadt." Sie reichten sich die Hände, Dann verließ der Paladin mit seinem Gefolge die Stadt.
Lodrik packte seine Tasche, legte seine Rüstung an und ging zur Kaserne, um dem General zu berichten was geschehen war. Er bat ihn um Erlaubnis die Garde zeitweilig zu verlassen. Der General war nicht sehr erfreut als er dies hörte. „Das ist unmöglich!!"  bekam Lodrik als Antwort zu hören. „Wir können keinen Mann entbehren!!" Lodrik traute seinen Ohren nicht. „Hast du nicht begriffen was los ist?" fragte er den General. Der fettleibige Mann lehnte sich zurück und sagte gelassen: „Sicher habe ich verstanden. Aber ich kann und werde es dir nicht erlauben. Willst du deine Laufbahn riskieren nur für eine Mithra?" 

Nun explodierte es in Lodrik. Er langte über den Tisch, griff dem General an der Kehle und zog ihn zu sich. „Ich tue das nicht für irgendeine Mithra, sondern für die Mutter meines Kindes!!" Er riss sich das Abzeichen der Bastoker Garde von der Rüstung und stopfte es dem General in den Mund. „Ich quittiere den Dienst!!" Mit diesen Worten ließ er den Mann los und verließ die Kaserne. Lodrik ging zum Luftschiffhafen, mit dem nächsten Schiff würde er nach Windurst reisen, dort Cevh aufsuchen und zusammen mit dem Rotmagier in Mhaura eine Passage nach Aht-Urgan kaufen. Lodrik sandte ein Gebet zu Altana. Er würde nicht eher aufgeben bis er Nette gefunden hatte.  
Raziael/Überarbeitung: Rina Smaragdauge         
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