Sonntag, 5. August 2012

Die Prophzeiung Kapitel 22 ( Entführt)


Kapitel 22: Urgandel im Hundertundviertzigsten Mondzyklus nach der Besetzung: Vollmond

Vier Tage zuvor in Pistrana: Calister schritt über den Schlosshof zum Burgfried. Der oberste Alb war besorgt, denn das Kind war noch nicht gefunden und er war dabei die Kontrolle zu verlieren, es hatten sich zu viele Fronten gebildet. Rebellen, abtrünnige Nachtalben und nun auch noch die Zwerge. Calister war ratlos und er musste jemanden um Rat fragen. Mit Mürane bestieg er die endlos scheinende Steintreppe. Als sie das Ende der Treppe erreicht hatten, standen sie vor einer Holztür. Calister hob die Faust und wollte gegen die Tür klopfen. „Komm herein!!“ erklang eine raue Stimme, bevor der Alb zu schlagen konnte.
Calister öffnete die Tür, Mürane folgte ihm schweigend. In dem Raum brannten vereinzelt Kerzen, sonst war es dunkel. In der Luft lag der Geruch von Räucherwerk und auf dem Boden und den Wänden waren mit Kreide Runen gezeichnet. Eine Kreatur kam schleifend auf die Nachtalben zu. Es trug eine schwarze Kutte, das Gesicht war unförmig und aus dem Kopf ragten Hörner. „Was willst du?“ fragte das Wesen mit arrogantem Ton. Calister holte tief Luft und begann zu sprechen: “Wie kann ich meinen Plan noch in die Tat umsetzen? Das Mädchen ist mir gestohlen worden. Wenn die Menschen erfahren wer sie ist könnte es einen Aufstand geben. Einige Nachtalben haben sich losgesagt und nennen sich Schattenelben. Ich muss einen Spross mit dem Silberhaar auf den Thron setzen oder wir sind verloren.“

Die Kreatur lachte und lange Reißzähne wurden sichtbar. „Nun wo du so Verzweifelt bist, kommst du und fragst mich um Rat, mein Kind?“ Mürane machte ein erstauntes Gesicht, worauf das Geschöpf noch mehr lachte. „Ja du hast richtig gehört, Nachtalbin. Als mein Volk merkte das es am aussterben war, haben wir uns mir Elben gepaart. Die Weiber taten es nicht freiwillig, aber das hat uns nicht gestört. So sind die Nachtalben entstanden und der gute Calister will nun das gleiche tun, nur mit Menschen.“ Der Dämon schaute wieder zu Calister. „Das Mädchen ist noch nicht gereift, doch es gibt ein Ritual um das zu beschleunigen. Vor dem nächsten Vollmond muss das Kind hier sein. Nun geh, ich muss darüber nachdenken was du mir für meinen Dienst schuldest.“

Ephaistra hatte sich in der Nähe des Burgfrieds versteckt und wartete das die Nachtalben wieder heraus kamen. Dann endlich erschienen die beiden. Die Schattenelbin folgte ihnen in einem Abstand, aber so nahe das sie alles verstehen konnte. „Wir müssen das Mädchen bekommen. Suche und finde sie, beginne in Burinda.“
Mürane versammelte vier Nachtalben um sich und verließ auf Pferden die Stadt. Ephaistra folgte ihr mit ihren Schattenelben. 

Fortingas hatte beschlossen, das es klüger wäre zusammen zu bleiben. Sie folgten kleinen Gassen und kamen an den Hafen. Fortingas erinnerte sich, das er bei seinem letzten Aufenthalt in der Stadt gesehen hatte, wie Duras in einem der Häuser eingekehrt war. Allerdings unter schwerer Bewachung. „Wir müssen in das Gebäude kommen.“ sagte er und zeigte auf ein weißes Haus. Wallungur zog seine Axt unter der Jacke vor und wollte hineinstürmen, doch der Alb hielt ihn fest. „Wir können nicht einfach rein stürmen, ich mach das schon.“ flüsterte er, doch dann stockte er und schaute sich um. „Wo ist Dolsahra?“ Die alte Frau kam um eine Ecke gelaufen. „Ich komme schon. Ich musste dringend etwas erledigen, Frauensache.“

Fortingas zog die Kapuze herunter und trat an die Tür. Er klopfte und eine Klappe wurde geöffnet. „Wer ist da!!!“ rief jemand. Fortingas verstellte seine Stimme. „Ich bin ein Kurier aus Pistrana und bringe eine Nachricht für Duras.“ Die Klappe wurde geschlossen, lautes Knarren von Riegeln war zu hören und die Tür wurde aufgezogen. Ein Mann trat vor und wollte die Nachricht entgegen nehmen. Fortingas packte ihn und stieß den Söldner gegen die Hauswand, bewusstlos sackte der Mann zusammen. „Fesseln und knebeln.“ sagte der Alb leise und ging in das Haus.

Es war alles still, nur wenige Laternen brannten. Er winkte die anderen herein. Sie stiegen eine Treppe hinauf, vorsichtig und leise, denn hinter jeder Ecke konnte eine Wache stehen. Vor einer Tür stoppte der Nachtalb und lauschte. Er vernahm das klagende Knurren eines Mannes und das Wimmern einer Frau der etwas widerstrebte. Fortingas schob die Tür einen Spalt auf und erkannte Duras. Er stürmte in den Raum, riss den Mann von der Frau weg und hielt ihm sein Kurzschwert an die Kehle. Wallungur rannte zu der Frau und verpasste ihr einen Kinnhaken bevor sie schreien konnte, ohnmächtig sackte sie auf das Bett.

„So kannst du ihn nicht behandeln, er ist der Bruder unseres alten Königs.“ protestierte Dolsahra. „Und der Mann der uns an die Nachtalben verraten hat.“ fügte Calseha hinzu. Die Alte funkelte ihre Nichte böse an. „Haltet den Mund!“ befahl Tyrella und stellte sich an die Tür um Wache zu halten. Wallungur ging zu dem Mann und sprach auf ihn ein. “Nun wirst du einige Fragen beantworten. Warum sucht ihr den Nachtalben? Und was wollt ihr von dem Kind? Los rede.“ Duras grinste spöttisch. „Verkrieche dich wieder in dein Erdloch, Zwerg. Diese Dinge gehen dich nichts an, genieße die Zeit die dir noch in Freiheit bleibt.“

Fortingas sah dass er nicht reden würde und dass er dachte, dass ihm würde niemand ein Haar krümmte solange er schwieg. Er schaute aus dem Fenster und sah einen Jungen der seinen betrunkenen Vater nach Haus geleitete. Er öffnete das Fenster und zog Duras zu sich. „Siehst du den Jungen da? Wie er sich abrackert um seinen Vater zu tragen?“ Der Nachtalb zog einen Pfeil aus dem Köcher und zwinkerte Wallungur zu. Er legte den Pfeil auf die Sehne und zielte auf den Jungen.

Duras warf sich gegen den Alb, der Pfeil flog los und sauste über dem Kopf des Jungen hinweg. „Verfluchter Bastard, was soll das?“ fluchte Duras. Wieder hielt Fortingas ihm das Schwert an den Hals. „Ich wollte nur etwas deutlich machen. Ich kannte den Jungen nicht und doch war ich bereit ihn zu töten. Aber dich mag ich nicht, also was glaubst du was ich mit dir anstelle, wenn du nicht sofort redest!“ Dem Mann stand der Schweiß auf der Stirn und mit zitternder Stimme begann er zu erzählen.

„Er ist nicht der einzige gesuchte Alb, es gibt abtrünnige die sich Schattenelben nennen. Das Kind ist nur für Calister wichtig. Sie ist der einzige Nachkomme meines Bruders. Wenn sie das erste Mal im Zeichen des Blutmondes steht, will er sich mit ihr vereinigen und seinen eignen Spross auf den Thron setzen. Einen Sohn der meinem Bruder ähnelt. Das Aussehen eines Menschen und die Bosheit eines Nachtalbs.“ Alle schwiegen und waren von dem gehörten schockiert. „Das dürfen wir nicht zulassen.“ sagte Calseha und umklammerte Klondieke. „Das werden wir auch nicht“ erwiderte Fortingas. Er packte den Mann an den Haaren und schlug ihn gegen die Tischkante. Bewusstlos und mit einer großen Wunde am Kopf ging Duras zu Boden. In aller Eile wurden der Mann und die Magd gefesselt und geknebelt. Calseha meinte man solle Duras die Kehle durchschneiden, doch Fortingas winkte ab. „Wenn er verblutet ist es sein Pech, aber einen wehrlosen ermorden? Niemals.“ Tyrella wollte so schnell wie möglich aus der Stadt heraus und Dolsahra gab zu verstehen, dass sie eine Abkürzung kenne. Alle folgten ihr in die dunkle Gasse.

 Plötzlich wurde ihnen der Weg versperrt. Nachtalben stellten sich ihnen entgegen, sofort zogen die Zwerge und Fortingas ihre Waffen. „Es hat keinen Sinn, auf den Dächern sind Bogenschützen postiert und sie verfehlen ihr Ziel nicht.“ Eine schlanke Gestalt trat aus dem Schatten in das Mondlicht. „So sieht man sich wieder, Abtrünniger.“ Es war Mürane, hochmütig und siegesbewusst schaute sie zu Fortingas. Auf ihr Zeichen kamen Nachtalben und nahmen den Zwergen und Fortingas die Waffen ab. Eine Albin griff Klondieke bei den Haaren und zog sie von der Zwergin fort. Tyrella wollte ihr zu Hilfe eilen, doch Mürane legte der Zwergin ein Schwert an den Hals.

„Nun ist Schluss mit den Spielchen, das Mädchen kommt mit nach Pistrana und euer Weg endet hier endgültig!!“ Der Ton mit dem die Nachtalbin die Worte sprach ließ erahnen, dass sie es ernst meinte. Dolsahra machte einen Schritt auf die Albin zu. „Vergiss nicht unseren Handel, ich bringe euch die Zwerge und den Alb, dafür werde ich die Ziehmutter des Kindes!!“ Mürane nahm das Schwert von der Kehle der Zwergin und stach der Frau dreimal in den Bauch und einmal in die Brust. Tödlich getroffen sank Dolsahra zu Boden. Calseha schrie auf und wollte zu ihrer Base, doch Fortingas hielt sie fest. „Nun seid ihr an der Reihe.“ lachte Mürane, nahm Klondieke und verschwand in der Dunkelheit. Noch einige Minuten konnte man das Kind hören, das nach Wallungur und Tyrella schrie. Die Augen der Zwergin füllten sich mit Tränen der Wut.

Eine brünette Albin trat mit sechs anderen auf die Gruppe zu. Mit Hohn in den Augen gab sie den Bogenschützen ein Zeichen, doch nichts geschah. Erneut hob sie die Hand, dann war ein Zischen zu hören und ein schwarzer Pfeil ragte aus ihrem Hals. Alle Nachtalben zogen ihre Schwerter. Dann gingen wieder Pfeile auf sie nieder. Dunkle Gestalten sprangen von den Dächern und fielen über die Alben her. Fortingas und die Zwerge griffen den Nachtalb an der ihre Waffen hatte.

Nach einem kurzen Gefecht lagen die Alben tot und schwer verletzt am Boden. Eine Frau trat auf Fortingas zu. „Ich bin Ephaistra, ich kenne deine Mutter Tenebris und wir werden euch in Sicherheit bringen.“ sprach sie ohne Umschweife und wandte sich schnell um. Tyrella kam mit erhobener Axt auf sie zu. „Ich traue euch nicht. Wer sagt dass ihr nicht zu denen gehört? Euch macht es doch nichts aus wen ihr töten müsst um euer Ziel zu erreichen!!!“

Alarmglocken erklangen und laute Rufe waren zu hören. „Ihr habt keine Wahl. Kommt mit uns und lebt oder bleibt und sterbt.“ Fortingas warf der Zwergin einen flehenden Blick zu. Sie nickte zustimmend und ging mit. Sie waren schon einige Gassen vom Kampfplatz entfernt als Wallungur inne hielt. „Mein Jagdmesser!!“ Er drehte auf der Hacke um und rannte zurück. Tyrella ermahnte ihn bei ihnen zubleiben, sie würde ihm Zehn neue schmieden, wenn sie aus der Stadt wären. Doch der Zwerg blieb stur.

Der Jäger durchsuchte alle Leichen nach dem Andenken von seiner Swanthe. Endlich hatte er es und wollte es in seinen Stiefel stecken, als sich ein Arm um seinen Hals legte. Es war die brünette Nachtalbin. „Dreckige Zwergenbrut, du wirst mit mir sterben.“ Wallungur spürte wie sich der freie Arm der Albin unter sein Kettenhemd schob und dann erfolgte ein langer Schmerz. Der Jäger biss in die Hand der Frau, schüttelte sie ab und schlug ihr seine Axt in den Kopf .

Das Rasseln der Waffen von den Wachen kam immer näher. Der Zwerg nahm seine Axt und floh. Schnell machte sich der Blutverlust bemerkbar. Er stahl sich in einen Stall in dem Ponys standen. Er wollte eines satteln und flüchten, als sich jemand an der Stalltür zu schaffen machte. Wallungur war schwach, doch er hob seine Axt und machte sich kampfbereit. Langsam wurde die Tür aufgedrückt.
Raziael/ Überarbeitung: Rina Smaragdauge
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