Donnerstag, 2. August 2012

Der unerfahrene Polizist, ein Lob an alle die den Mut diesen Job zu machen

Der junge Polizist saß hinter seinem Schreibtisch und überarbeitete seinen Rapport über diverse Anzeigen die am Morgen gemacht wurden. Er war gerade beim ausdrucken als sein Pieper ging, ein Notruf. Er sprang auf, nahm seine Dienstmütze und warf sich die Jacke über. Er stieg zu seiner Kollegin in den Wagen und sie fuhren mit Vollgas und Sirene vom Polizeigelände. Es war ein stürmischer Nachmittag und es regnete in Strömen. „Hey deine erste Woche und schon ein Notruf. Dann wird das heute deine Feuertaufe." sagte sie im ernsten Ton und bog in eine Straße ab.

Über Funk kam die Nachricht das bereits zwei andere Einheiten und die Ambulanz am Zielort eingetroffen waren. Der junge Mann war aufgeregt, was würde ihn erwarten? Geiselnahme? Überfall? Die Polizistin machte eine Vollbremsung und parkte mitten auf der Straße. Der junge Polizist stieg eilig aus dem Wagen, im Laufen sah er zwei Sanitäter die eine bare in den Ambulanzwagen schoben. Er konnte nicht sehen wer auf der bare lag denn der Korpus war komplett mit einem weißen Tuch bedeckt, doch den Konturen zufolge musste das Opfer noch sehr jung gewesen sein.

Sie rannten die Treppe hinauf in den fünften Stock und betraten die Wohnung. Einige Beamte liefen umher und sicherten spuren, im Wohnzimmer saß ein betrunkener Mann der von dem Oberwachtmeister einem ersten Verhör unterzogen wurde. Der junge Mann war unsicher es war sein erster Noteinsatz und es schien ihm klüger zu sein auf Befehle zu warten.

Seine Kollegin kam aus einem Zimmer und ging auf ihn zu. Sie gab ihm weiße Latexhandschuhe und einige sterile Plastiktüten. Dann gab sie ihm den Auftrag in dem Kinderzimmer alles sicher zu stellen was zur Beweisaufnahme wichtig sein könnte. Er ging in das Zimmer und begann mit seiner Arbeit. Er fand auf dem Nachtisch eine Glasschale gefüllt mit Sonnenblumenöl, darin schwamm ein Teelicht. Daneben stand ein Tonkrug, er nahm das Gefäß, drehte es um und las was in den Boden gekratzt worden war. *Jennifer H. 4.Klasse* 

Er wollte den Krug wieder zurückstellen als etwas darin klapperte. Mit einer Pinzette holte er einen zusammengerollten Zettel aus dem Krug und las ihn *Bitte lieber Gott lass ihn damit aufhören* mit wässrigen Augen legte er den Krug und den Zettel in eine der Tüten. Vor dem Bett fand er eine zerrissene Strumpfhose, auch diese legte er in eine Tüte. Durch das offene Fenster drang das kläffen eines Hundes, der Polizist ging an den Rahmen und schaute in den Regen. Als er nach unten sah konnte er immer noch die nachgezeichneten Konturen des Opfers sehen, auch einige Blutflecken waren noch zu sehen doch das meiste war vom Regen fortgespült worden.

Mit leerem Kopf trat der Polizist aus dem Zimmer. Zwei Kollegen führten den betrunkenen Mann, der wohl der Vater war, in Handschellen aus dem Wohnzimmer. Die Worte des Mannes brannten sich ins Gehirn des jungen Polizisten. „Ich weiß nicht was ihr wollt? Ich kann meine Tochter anfassen wann ich will!!" Vor seinen geistigen Augen sah der Polizist, wie er den Mann zusammen schlug, ihm seine Dienstpistole an den Kopf hielt und ihm zeigte wie es war der schwächere zu sein. Ihn leiden zu lassen, so wie das Mädchen gelitten haben musste.

Der Mann wurde zum Gerichtshof gebracht. Der junge Polizist stieg in den Wagen und schwieg, seine Kollegin schaute ihn an und sagte: „Willkommen in der Truppe." Nun konnte er sich nicht mehr halten und begann zu weinen. Die Frau klopfte ihm auf die Schulter. „Ist schon ok, mir ging es nicht anders am Anfang."
Während sie zurück zur Polizeistation fuhren dachte der junge Mann nach, hatte er einen Fehler gemacht? War er wirklich für den Polizeidienst geschaffen? Keine wilden Schießereien, keine verfolgungsjagten und keine Schönheiten die man in letzter Minute rettete. Nein, das einzige das sie tun konnten waren die Scherben wegräumen. Auf dem Revier ging er auf Toilette und wusch sich die Tränen aus dem Gesicht, wieder ging sein Pieper und meldete den nächsten Notfall. Wieder rannte er zum Auto und fürchtete sich vor dem was er sehen würde. 
Raziael

 
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