Sonntag, 12. August 2012

Die Prophezeiung Kapitel23 ( Flucht aus Urlandis)

Urgandel im Hundertundviertzigsten Mondzyklus" Urlandis

Tyrella und Fortingas folgten der Schattenelbin durch die Gassen bis hin zum Stadttor. "Kommt, dort stehen Pferde bereit." rief Ephaistra. Einer ihrer Begleiter machte sie darauf aufmerksam, dass die Zwergin sich davon machte. „Wo willst du hin? Sie werden dich töten!!" rief sie der Zwergin hinterher. „Wallungur ist nicht mitgekommen, ich muss nach ihm sehen!!" schrie Tyrella während sie in die Stadt zurück eilte.

Fortingas zog seine Kurzschwerter und wollte der Zwergin folgen, doch die Schattenelbin hielt ihn am Arm fest. „Du bleibst, ich will zumindest einen lebend zu Tenebris bringen." sagte Ephaistra in einem Ton der keinen Widerspruch zuließ. „Es sind meine Freunde und ich werde sie nicht im Stich lassen!" erwiderte Fortingas und wollte sich losreißen. Doch ein Schlag auf seinen Kopf ließ ihn bewusstlos werden. Zwei der Schattenelben fesselten ihn und hoben ihn auf ein Pferd. Als Ephaistra das Zeichen zum Aufbruch gab, kam der Nachtalb wieder zu sich. Er begann an seinen Fesseln zu zerren und zu rufen sie sollen ihn los lassen, doch es war zwecklos. Die Schattenelben verschwanden in der Dunkelheit. Aus der Nacht erklang ein einzelner Ruf. „Wallungur, Tyrella vergebt mir!!!"

Tyrella lief so schnell sie konnte. Ihre Beine brannten und sie wurde von Seitenstechen gepeinigt, doch sie gönnte sich keine Pause. Dann glitt sie auf etwas aus, es war Blut. Die Blutspur ließ erahnen das jemand geflüchtet sein musste. Neben dem Blut waren auch Schleifspuren zu sehen. Die erfahrene Schmiedin erkannte sofort das es sich um eine Axt handelte. Sie folgte der Spur, die sie zu einem Stall führte. Langsam und vorsichtig schob sie die Tür auf.

Das Geräusch von zerschneidender Luft, warnte sie vor der ankommenden Axt. Tyrella duckte sich und entging so dem Angriff. Sie hob ihren Kriegshammer um sich zu wehren. Dann erkannte sie Wallungur der erschöpft vor ihr kniete. Sie ließ ihre Waffe sinken und hob ihn hoch. Nun fiel ihr auf, dass er verletzt war. Von draußen erklangen Rufe und das Klirren von Waffen. Sie sattelte eines der Ponys und setzte Wallungur auf das Pferd, sie setzte sich hinter ihn, dann  schlug sie dem Pony ihre Fersen in die Flanken und galoppierte aus dem Stall. Sie ritt mitten durch die Angreifer hindurch und hieb mit ihrem Hammer auf die Gegner ein. Als sie das Stadttor passiert hatte,  hielt sie auf den nahe liegenden Wald zu.

Die Zwergin führte das Pony durch einen Bachlauf um keine sichtbaren Spuren zu hinterlassen. Sie hielt Ausschau nach einem geeigneten Lagerplatz um sich die Wunde des Zwerges genauer ansehen zu können. Tyrella fand eine Buche die von dem Bach ausgespült worden war. Sie holte Wallungur vom Pony und zog ihn in die Höhle unter dem Baum, dann nahm sie dem Tier den Sattel ab und jagte es fort.

In aller Eile sammelte sie Holz und suchte im Bach nach einem Stück Basaltstein. Sie schichtete das trockene Holz aufeinander und schlug den Stein gegen die Schneide von Wallungurs Axt. Die Äste fingen die funken auf und begannen zu brennen. Die Zwergin legte ihr Eisenkorsett und Oberkleidung ab und riss ihr Unterhemd in Streifen. Dann entkleidete sie den Zwerg, zog den Dolch aus der Wunde und drückte einen Fetzen Stoff darauf. Tyrella atmete erleichtert auf, der Dolch hatte keine wichtigen Organe getroffen. Aber sie wusste dass die Wunde versorgt werden musste. So wie sie war eilte sie nach draußen und suchte Heilkräuter. Ihr Lederwams knotete sie am Hals und Ärmel zu und füllte Wasser hinein. 

Als sie die Höhle betrat, brannte das Feuer warm und erhellte die natürliche Kammer. Nun konnte sie den Rücken des Zwerges deutlich sehen und auch die langen Narben, die ein wirres Muster bildeten. Erschrocken schaute sie auf Wallungur, der schwer atmete, denn sie wusste es gab nur eine Sorte Zwerg der solche Narben hatte: Verbannte. Tyrella nahm den blutigen Stoff von der Wunde und reinigte den Stich mit klarem Wasser. Die Zwergin legte Kräuter auf die Wunde und machte einen Verband aus den Fetzen ihres Unterhemdes. *Ich flehe dich an Adamas, lasse ihn kein Mörder sein* dachte sie während sie mit der Hand über den Rücken des Zwerges strich.

Die Zwergin zerschlug ihren Harnisch und machte daraus eine große und eine kleine Schale. In der Großen erhitzte sie Wasser und die kleine schale diente als Trinkgefäß. Sie flößte Wallungur Kräutersud ein und gab ihm Waldfrüchte zu essen. Sie hatte sich auch bei der Jagd versucht doch so erfolgreich wie Wallungur war sie nicht. Der hohe Blutverlust hatte den Jäger stark geschwächt und er bekam Schüttelfrost. Tyrella war ratlos, doch sie wusste das der Zwerg wärme brauchte. Sie  deckte ihn mit seinem Umhang zu und legte sich zu ihm. Sie nahm ihn fest in die Arme. Bald wurde sein Atem gleichmäßiger und sie konnte auch einschlafen.
Nach drei Sonnen hatte der Jäger sich wieder erholt und ließ sich von Tyrella berichten was geschehen war. „Ich kann nicht glauben, dass Fortingas uns im Stich gelassen hat. Es muss einen Grund geben warum er dir nicht gefolgt ist." schlussfolgerte der Jäger und Tyrella nickte. Wallungur wäre am liebsten gleich aufgebrochen, doch die Zwergin widersprach ihm. „Erst musst du ganz zu Kräften kommen." sagte sie und ging mit der Eisenschale zum Bach um Wasser zu holen. Als sie wieder in der Höhle war, nahm sie allen Mut zusammen und sprach ihn auf die Narben auf seinem Rücken an. Wallungur schwieg eine Weile und begann zu erzählen, wie er Swanthe kennengelernt hatte, das sie den Bund eingegangen waren ohne die Zustimmung des Clans und die Ermordung seiner Geliebten durch den Oheim seiner Mutter.

Tyrella hatte ihm schweigend zugehört, als er mit seiner Erzählung fertig war hob sie die Hand und streichelte seine Wange. „Nun verstehe ich warum dir das Messer so wichtig war. Aber glaube mir nach jedem Winter gibt es einen neuen Sommer und auch eine neue Liebe. Du musst es nur zulassen." Sie schlüpfte zu ihm unter den Umhang und küsste ihn lang und innig, dann lächelte sie ihn an. „Tyrella, ich bin noch unberührt und…" Die Zwergin legte ihren Zeigefinger auf seinen Mund. „ Es gibt Momente um zu Reden und Momente um zu schweigen." flüsterte sie ihm in sein Ohr und zog sich und ihm den Umhang über den Kopf.
Raziael/Überarbeitung: Rina Smaragdauge
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