Sonntag, 29. Juli 2012

Die Prophezeiung Kapitel 21 ( Spionage an zwei Fronten)


Urgandel im Hunderundviertzigsten Mondzyklus nach der Besetzung: Blutmond

Es war kalt und auf dem am Boden liegenden Laub hatte sich Raureif gebildet. Tenebris hatte sich mit ihrer Gruppe vom Tross getrennt und die Reise zum Nördlichen Gebirge angetreten. Arwenie und ihre Schwester Derwie ritten mit ihren Partnern Silèda und Vàngarl.  Sie hatten den größten Teil der Strecke hinter sich gelassen, als es nicht mehr möglich war den Söldnern aus dem Weg zu gehen. Sie schlugen ein Lager auf und berieten sich. 

Tenebris reichte jeder Zwergin kurze Dolche, die sie in ihren Ärmeln verstecken konnten, dazu kamen Schlagringe und Schlafpulver. „Hört zu, wir sind nun sehr nahe und wir würden nur auffallen wenn wir weiter reiten.“ Sie zeichnete mit ihrem Messer eine Karte in den Sand. „Wir werden die Söldner angreifen und aufschrecken. Wenn wir uns zurück ziehen werden sie uns folgen. Das gibt euch Zeit, über die Bäume an ihnen vorbei zu schleichen.“ Die Albin wandte sich an die beiden Schattenelben. „Ihr werdet nur im Notfall kämpfen oder um euch zu verteidigen, die Zwerginnen müssen unverletzt in die Festung gelangen. Ist das geschehen, sucht euch ein Versteck.“ Dann schaute sie die beiden Schwestern an. „Ihr versucht so viel wie möglich zu erfahren. Wer der Schmied ist und wer die Waffen kauft. Wenn ihr die Information habt, geht sofort zu den Schattenelben und kehrt zu uns zurück.“

Dann ging es los, Tenebris griff mit den Schattenelben die Herberge an und lockte die Söldner fort. Arwenie und ihre Schwester klammerten sich an den Rücken ihrer Partner und ließen sich die Bäume hoch tragen. Die Schattenelben sprangen geschickt von einem Ast auf den anderen, von Baum zu Baum, doch bald mussten sie stoppen. Sie konnten den Eingang zu den Felsen sehen, doch nicht weit entfernt lagerte eine Gruppe Söldner. Nur ein Mann hielt Wache und sein Gestank drang bis in die Baumkrone. 

Silèda flüsterte Arwenie etwas zu und die Zwergin nickte. Die Schattenelbin löste einen Strick, den sie sich um die Taille gebunden hatte und band ein Ende um den Knöchel der Zwergin. Dann schaute sie zu dem Söldner, nahm maß, wickelte sich den Strick um ihren Arm und hielt es fest. Sie nickte Arwenie zu, die daraufhin ihre Dolche zog und den langen Ast entlang lief. Als sie das Ende des Astes erreicht hatte ließ sie sich in die Tiefe fallen und schwang auf den Söldner zu.

Der Mann schaute in den dichten Wald. Er langweilte sich und hoffte auf die baldige Ablösung. Plötzlich huschte ein Schatten an seinem Gesicht vorbei, ein Geräusch war zuhören als wenn jemand mit der Sichel Grass schnitt. Der Mann stand wie versteinert da, in seinem Gesicht spiegelte sich Staunen und Unglaube. Die Weigerung zu akzeptieren was gerade geschehen war. Er fasste sich an den Hals, hob die Hand vor sein Gesicht und schaute auf das frische Blut, das sein eignes war. Mit einem leisen Gurgeln sank der Söldner tot zu Boden.

Die vier schlichen auf leisen Sohlen zum Eingang der Felsen. “Hier trennen sich unsere Wege. Wenn ihr Informationen habt kommt einfach hier her, wir finden euch dann schon.“ sagte Silèda und nahm die Zwergin in die Arme. Auch Vàngarl verabschiedete sich von Derwie, er umarmte sie und gab ihr einen Kuss auf die Wange. „Viel Glück, kleine Schwester.“ sagte er leise und Derwie musste lächeln. Die Zwerginnen liefen durch die Felsen hindurch. Auf halben Weg wechselten sie ihre Kleidung und versteckten ihre Rucksäcke in einer Nische. Als sie das Tor erreicht hatten, riefen die Wachen von den Wehrgängen ihnen zu. „Halt, wer da!!!“ Derwie ergriff das Wort: „ Ich bin Derwie und das ist meine Freundin Arwenie. Zwei Jungzwerge hatten uns gesagt dass sie sich mit uns treffen wollten, aber die Feiglinge sind nicht gekommen.“ Der Zwerg auf den Palisaden lachte. „Ja so sind manche, wenn es ernst wird kneifen sie. Zum Glück ist mein Sohn nicht so ein Blumenpflücker.“ Das Tor öffnete sich und die Schwestern traten ein, der erste Teil des Planes war erfüllt.

Die Gruppe hatte einige Dörfer hinter sich gelassen und konnte am Horizont die Türme von Burinda erkennen. Fortingas erklärte, das sie ohne Verkleidung nicht in die Stadt gehen konnten. Tyrella war aufgefallen, dass der Nachtalb sich verändert hatte seid Calseha aufgetaucht war. Wenn es darum ging Holz zu holen, war er sofort los gerannt und kam mit schweren Stämmen zurück. 

Der Nachtalb meinte dass sie auf ihn warten sollten und verschwand. Bei Sonnenuntergang kam er zurück, die Arme voll Kleider. Fortingas meinte, dass es am sichersten sei wenn die Zwerge als Kinder verkleidet in die Stadt gingen. Wallungur brummte, aber stimmte schließlich zu. Doch als der Nachtalb sagte, dass der Bart abrasiert werden müsse, hob der Zwerg die Axt und drohte ihm die Ohren ab zu schneiden.
Tief in der Nacht betraten sie die Stadt. Fortingas hatte sich einen Kapuzenumhang über geworfen, der seine Ohren verdeckte. Wallungur trug eine Dicke Wolljacke und eine Mütze, dazu einen Schal der seinen Bart verbarg. Tyrella hatte ein geblümtes Kleidchen an, den Bauch hatte sie mit Grass ausgepolstert damit ihre Brüste nicht auffielen. Klondieke trug ein blaues Kleidchen mit Rüschen am Hals und die Haare waren mit Holzkohle schwarz gefärbt. Als sie in der Nähe des Marktes waren, schlug Fortingas vor sich zu trennen. „Calseha, du gehst mit Tyrella und Klondieke, Dolsahra du kommst mit Wallungur und mir. Wir suchen einen Mann namens Duras.“ Der Nachtalb wollte die Base bei sich haben, denn er traute ihr nicht.

Tyrella und Calseha liefen durch die Gassen und suchten nach einem Haus, wo sich der gesuchte aufhalten könnte. Plötzlich sprang ein Mann aus der Dunkelheit und bedrohte sie mit einem Messer. „Her mit eurem Geld oder ich schneide euch die Kehlen durch!!“ sagte er mit dumpfer Stimme. Calseha schwor, das sie kein Geld hatte, doch der Dieb glaubte ihr nicht. Mit erhobenem Messer machte er einen Schritt auf die junge Frau zu. „Dein Geld oder ich töte deine Kinder.“ drohte er. Tyrella sprang vor und schlug ihm mit der Faust ins Gemächt. Der Mann jaulte auf und ließ das Messer fallen. Tyrella setzte nach und trat ihm gegen die Kniescheiben, das er umknickte. Die Zwergin warf den Dieb bäuchlings zu Boden, setzte sich auf ihn und faste ihn bei den Ohren. Sie schlug den Kopf des Mannes immer wieder auf das Kopfsteinpflaster und schrie dabei: „Dir werde ich lehren wehrlose Frauen um das wenige Geld berauben zu wollen.“ Calseha versuchte die Zwergin zu beruhigen, doch Tyrella war so in Rage das sie nichts hörte.

Wallungur und der Alb hörten den Lärm und erkannten Tyrellas Stimme. Sofort liefen sie los um der Zwergin bei zu stehen. Als sie den Schauplatz des Geschehens erreichten, blieb Fortingas mit offenem Mund stehen und legte den Kopf schief. Der Nachtalb hatte sich schnell gefangen und versuchte die Zwergin von dem Mann herunter zu holen, doch sie ließ nicht los. Er legte seine Arme um ihren Leib und riss sie fort. Tyrella strampelte und schlug um sich. „Sei ruhig!!“ rief er. Die Zwergin erkannte die Stimme und beruhigte sich etwas. Doch als sie merkte in welcher Lage sie sich befand begann sie von neuem. „Lass mich runter und Finger weg vom Gemüse!!“ Nun sah Fortingas erst wo er seine Hand hatte, mit rotem Kopf setzte er die Zwergin auf die Erde.

„Wir sollten nicht auffallen.“ meinte Wallungur. Doch die Zwergin zeigte mit dem Daumen hinter sich. „Erzähl das dem da…“ sie stockte, denn ein hohles Klopfen war zu hören. Sie drehten sich um und sahen Klondieke, die auf dem Dieb saß und seinen Kopf auf den Boden schlug. Dabei lächelte sie stolz zu Tyrella. Dolsahra lief zu dem Kind und zog es von dem Man herunter. „Nun reicht es aber, ihr Zwerge habt einen schlechten Einfluss auf das Kind. Schluss damit!!“ schimpfte sie und wollte Klondieke die Eisenringe aus den Haaren ziehen. Das Mädchen wehrte sich, lief zu Tyrella und versteckte sich hinter ihr. „Was hast du denn?“ fragte Fortingas. „Nun hat sie gelernt wie sich gegen Diebe wehren muss!“ Bei dieser Bemerkung konnte sich die alte Frau nicht mehr halten. „Sie braucht sich nicht zu wehren, irgendwann lässt sie jeden Köpfen der ihr nicht…“ Alle schauten sie an. „Was meinst du damit?“ fragte Wallungur. „Nicht so wichtig.“ winkte sie ab, zusammen gingen sie weiter. Der Dieb blieb zurück. Er atmete schwer und wimmerte leise. „Hilfe.“
Raziael/Überarbeitung: Rina Smaragdauge

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