Sonntag, 15. Juli 2012

Die Prophezeiung Kapitel 19 ( Die Ausbildung der Zwerginnen)

 Urgandel im Hundertneununddreissigsten Mondzyklus, Offenes Feld

Nach zwei Tagen war Derwie aufgewacht. Obwohl sie sich verbissen wehrte, schaffte Ephaistra es ihr den Tee ein zu flössen. Arwenie war immer dabei und versuchte ihrer Schwester gut zu zureden, musste sich aber oft schlimme Beleidigungen von Derwie anhören. Tenebris hatte angeordnet sich auf die Reise in den Norden vorzubereiten. Dafür hatte sie sechs Schattenelben ausgewählt, darunter Silèda.

Eurealè unterstützte Tenebris und trainierte mit den Schattenelben das lautlose Töten und Bogenschießen. Die Nachtalbin war streng, denn Tenebris wollte so schnell wie möglich aufbrechen. Der Rest des Trupps sollte weiter nach Pistrana und Informationen sammeln. Nach einer Trainingsstunde holte Silèda die beiden Schwestern in ihr Zelt, Derwie war noch schwach auf den Beinen und wurde von einem jungen Schattenelb getragen. Silèda ging zu ihrem Feldbett und zeigte auf zwei schwarze Ledergarnituren. „Das ziehe ich nicht an!" protestierte Derwie, dabei schüttelte sie so heftig den Kopf  das ihre blonden Zöpfe dem Jungen ins Gesicht schlugen. „Aber wir werden meist nachts unterwegs sein und wir müssen unsichtbar bleiben. Außerdem müsst ihr lernen mit dem Bogen um zu gehen." Arwenie hob abwehrend ihre Hände. „Wir sind Zwerge, wenn wir kämpfen, dann mit Äxten. Hinterhältiges Morden ist nicht unsere Art."  Derwie stimmte ihr nickend zu. Die Schattenelbin rollte genervt mit den Augen. „Ok das sehen wir dann, aber zieht euch erst einmal die Lederrüstungen an, die gar nicht so unbequem sind wie sie aussehen."

Während die beiden Schattenelben vor dem Zelt warteten, kleideten sich die Schwestern um. Hin und wieder hörte man ein lautes Fluchen von Derwie. Als die Zwerginnen fertig waren, schaute Silèda durch den Vorhang. „Wenn die Ohren nicht wären, könnte man euch für echte Schattenelben halten." lachte sie, was beiden Schwestern eine strenge Miene aufsetzen ließ. 

Nach zwei weiteren Tagen konnte Derwie wieder auf eignen Beinen stehen. Silèda führte die zwei zu den Pferden. Sie wies jedem ein Tier zu. „Das sind die kleinsten die wir haben." sagte sie und begann ihnen zu lehren wie man ein Pferd sattelt. Dann mussten sie auf die Tiere steigen und Silèda erklärte was zu tun sei. „Nun drückt eure Fersen in die Flanken des Tieres, aber nur leicht. Je fester der Druck, umso schneller galoppiert es. Zum Lenken benutzt die Zügel." Arwenie versuchte es als erste. Sie übte einen leichten Druck aus doch nichts geschah. „Lauf, dummer Klepper!!" knurrte sie und trat dem Tier in die Flanken. Das Tier wieherte und galoppierte los. Silèda schlug sich die Hand an die Stirn und schüttelte genervt den Kopf. Dann gab sie einem Schattenelben ein Zeichen damit er los ritt und die Zwergin zurück brachte.  Derwie gelang es besser das Pferd zu lenken und im Zaum zu halten. Auch konnte sie sich im schnellen Trab gut im Sattel halten. Was nach Silèdas Meinung daran lag, das Derwie einfühlsamer war. Bei Sonnenuntergang schafften es die Schwestern mit der Schattenelbin Schritt zu halten.

Am nächsten Morgen gingen Tenebris, Silèda und die Zwerginnen an den Schiesstand. Dort waren Holzpuppen aufgestellt, die aus umgestürzten Bäumen gefertigt waren. Tenebris reichte jeder Zwergin einen Bogen, der eigens für sie angefertigt worden war und einen Köcher mit Pfeilen. Dann begann das Training. Die Schwestern schossen Pfeil auf Pfeil, doch konnten sie keinen in sein Ziel bringen, wie sehr Tenebris sich bemühte es ihnen zu lehren. Irgendwann warf Arwenie ihren Bogen weg und ging zu einem Hackklotz in dem ein Beil steckte. Sie zog es aus dem Klotz und ging zurück zu den anderen. Sie peilte ihr Ziel kurz an und schleuderte die Axt auf die Holzpuppe. Das Beil drehte sich um die eigne Achse und blieb im Kopf der Puppe stecken. „Habt ihr das gemeint mit gut Zielen?" knurrte Arwenie und grinste Tenebris trotzig an. „Ja so ungefähr." erwiderte die Nachtalbin missgelaunt. Wohl oder übel musste sie einsehen, dass Zwerge nicht für die Handhabung eines Bogens geboren waren. Es musste eine andere Lösung gefunden werden. Sie musterte Silèda und Arwenie, die neben einander standen. Die Zwergin ging der Schattenelbin bis zur Hüfte. Bei Derwie und dem jungen Schattenelb war es das gleiche, dann kam ihr die Idee.

„Silèda und Arwenie, ihr beiden werdet so viel voneinander lernen wie ihr könnt. Ihr müsst denken und handeln wie eine Person."  Dann zeigte sie auf Derwie. „Du wirst dich mit Vàngarl zusammen tun." Dabei nickte sie dem jungen Mann neben ihr zu. „Für euch gilt das gleiche und ihr müsst es schaffen mit den Zwergen auf eurem Rücken zu Rennen, schleichen und zu klettern. Ihr habt fünf Tage Zeit."
Den beiden Schwestern behagte das gar nicht. Besonders Derwie missfiel es, dass sie dem Mann zugeteilt worden war, doch waren sie sich bewusst dass sie die Schattenelben brauchten um ins Nördliche Gebirge zu gelangen. Noch am selben Abend begann sie mit dem Training. Vàngarl war sehr anhänglich, was Derwie misstrauisch machte. Beim Essen setzte er sich neben sie, stellte unendlich viele Fragen und hatte sogar eine Knoblauchpaste angerührt um ihre Warzen zu behandeln. Silèda stellte fest, dass Zwerge wirklich für den Nahkampf gemacht waren. Sie war Arwenie zwar an Größe überlegen, doch wenn sie sich abends entkleidete und die blauen Flecke an den Knien und den Armen sah, musste sie zugeben das die Zwergin ziemlich austeilen konnte.

Dann war es soweit das sie gegen andere kämpfen konnten. Silèda hatte einen Schattenelb als Gegner ausgesucht, der sie selbst um zwei Köpfe überragte. Arwenie hatte sich einige Dinge eingesteckt, die sie von Tenebris bekommen hatte, jedoch hatten alle nur Holzschwerter. Eurealè gab ein Zeichen und der Kampf begann. Der Mann griff an und deckte Silèda mit schweren Hieben ein, doch dann machte sie einen Seitenschritt. Der Schattenelb sah eine Möglichkeit und wollte auf den ungedeckten Kopf schlagen, als ein Schmerz durch seine Beine ging. Arwenie hatte ihren Angriff gestartet. Der Elb wollte sie treten, doch Silèda schlug ihn ins Gesicht und brachte ihn aus dem Gleichgewicht. Nun zog die Zwergin eine Schnur aus dem Ärmel. Während der Elb damit kämpfte nicht zu fallen und die Hiebe von Silèda abwehrte, sprang Arwenie um ihn herum und fesselte seine Knöchel. Der Elb stürzte, Silèda sprang auf ihn und hielt ihm das Holzschwert an seine Kehle. Auch Derwie und Vàngarl bezwangen ihren Gegner. Tenebris lobte sie: „Das war sehr gut, ihr seid soweit. Morgen geht es los."

Am nächsten Morgen, noch bevor die Sonne aufging, ritten sie in Richtung Norden. Alle waren zuversichtlich und voller Tatendrang. Jedoch das schwerste würde sein, den Waffenhändler zu finden und sein Vertrauen zu gewinnen.
Raziael/Überarbeitung: RinaSmaragdauge

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