Sonntag, 8. Juli 2012

Die Prophezeiung Kapitel 18 ( Das erste Bündnis)

Urgandel im Hundertneununddreißigsten Mondzyklus nach der Besetzung: Region Urlandis.

Tenebris, Ephaistra und Eurealè hatten sich in das Versteck der Schattenelben begeben. Dort hatten sie beraten wie sie gegen die Nachtalben vorgehen sollten. Die einzige Möglichkeit war zusammen mit den Rebellen zu kämpfen. Doch um diese zu überzeugen, brauchten sie das Kind, den letzten Nachkommen des Königs und dafür mussten sie Fortingas finden. Jedoch das schwerste würde sein, die drei Zwergenstämme zu überzeugen an ihrer Seite zu Streiten. Während Tenebris mit zwanzig anderen Schattenelben  in Richtung Pistrana ritt, versuchte sie eine Lösung für ihre Probleme zu finden und sie miteinander zu verbinden, doch es schien unmöglich.

Ein Reiter kam auf die Gruppe zugeritten. Er gehörte zu der Vorhut die ausgesandt worden war um nach feinden Ausschau zu halten. Der Schattenelb wandte sich gleich an Ephaistra. „Wir haben zwei Personen auf einem Pferd ausgemacht. Aber…" Ephaistra schaute den Mann fragend an. „Was aber? Los Rede." Der Mann richtete sich in seinem Sattel auf. „Es sind Zwerge. Zwei Frauen und eine von ihnen trägt keine Beinkleider." Der junge Schattenelb bekam einen roten Kopf als er dies sagte. „ Überaus informativ." spottete Ephaistra, die langsam ungeduldig wurde. „Sage mir. In welche Richtung reiten sie? Über welche Bewaffnung verfügen sie? Und was wirklich wichtig ist, sind sie auf der Flucht oder suchen sie etwas? Das ist es, was wir wissen müssen." warf Tenebris ein um die Sache voran zu treiben. Wieder begann der Junge zu reden. „Sie scheinen auf der Flucht zu sein und so wie sich die beiden an das Tier klammern können sie nicht Reiten. Beide sind unbewaffnet wie es scheint und sie reiten direkt auf den Fluss zu. Doch ich glaube nicht das die alte Brücke das Gewicht halten wird." Tenebris schaute zu Ephaistra. „Wir holen uns die beiden, vielleicht können wir mit deren Hilfe mit den Zwergen verhandeln." Dann suchte sie vier weitere Schattenelben mit blauen Augen aus und wies sie an ihr zu Folgen.  Die Albin drückte ihre Fersen in die Flanken des Pferdes und galoppierte los, die anderen folgten ihr.

Bald waren die beiden Frauen in Sicht, das Pferd hielt auf die Brücke zu. Tenebris trieb ihren Hengst an und war neben den Zwerginnen, die sich mit zugekniffenen Augen an dem Tier festhielten. In der Mähne des Pferdes konnte die Albin erbrochenes erkennen, sicher hatte sich eine der Frauen wegen dem Schaukeln übergeben müssen. Tenebris ergriff mit einer Hand die Zügel des Pferdes, mit der anderen stoppte sie ihr eignes. Kurz vor der Brücke kamen beide Tiere zum stehen. Die beiden Zwerginnen keuchten und ihre Gesichter waren bleich. Besonders Derwie litt an ihren Verletzungen. Zwei Schattenelben holten die Frauen vom Pferd herunter und setzten sie auf die Erde.

Arwenie kam schnell wieder zu sich. Als sie merkte, dass sie und ihre Schwester in die Hände von Langohren geraten waren, erschauerte sie. Angestrengt dachte sie nach wie sie flüchten könnten, doch der Zustand von Derwie hatte sich verschlechtert und Arwenie würde ihre Schwester nicht zurück lassen. Die Albin mit den roten Augen sank auf ein Knie, schaute Arwenie in die Augen und fragte: „Aus welchem Gebirge stammt ihr? Warum seid ihr nur zu zweit? Und wo wollt ihr hin?" Die Stimme der Albin machte der Zwergin Angst, doch sie versuchte es sich nicht anmerken zu lassen. „Wir stammen aus dem Süden und suchen einen…" sie schaute kurz auf ihre Hände und fand die Antwort. „Wir suchen einen Platz wo wir in Frieden sterben können. Weil wir unheilbar krank sind wurden wir verstoßen." Sie streckte der Albin ihre Hand entgegen. „Seht ihr das?! Wenn ihr uns berührt werdet ihr alle bald sterben." Die Albin fasste die Hand der Zwergin und lächelte. „Sterben wirst du sicher irgendwann, aber nicht so bald und deine Warzen solltest du mit Knoblauch behandeln." Die Albin schaute zu Derwie, deren Atem schwach war. „Jedoch deine Freundin scheint auf dem Weg in die andere Welt zu sein, sie braucht schnell Hilfe." Die Albin gab ein Zeichen und alle machten sich bereit. Eine Frau mit weißen Haaren schaute Arwenie an. „Hab keine Furcht, es wird alles gut." Erst jetzt bemerkte die Zwergin, dass die anderen Albe blaue Augen hatten. Die Frau mit den blauen Augen setzte sich zusammen mit Arwenie auf ein Pferd, die Albin mit den roten Augen nahm Derwie mit sich. Im wilden Galopp preschten sie los.

Ephaistra sah Tenebris zurück kehren. Sie erkannte auch dass sie nicht allein war. Die Schattenelbin gab ein Zeichen und der Tross stoppte. Tenebris zügelte ihr Pferd und zeigte auf die Zwergin. „Sie hat Wundbrand und braucht sofort Hilfe." Ephaistra nickte. Der Tross steuerte eine Baumgruppe an und schlug ein Lager auf. Tenebris brachte Derwie in ein Zelt. Arwenie wollte ihr folgen, wurde aber von der Frau mit den blauen Augen aufgehalten. „Du kommst mit mir, es bringt nichts wenn du der Heilerin im weg stehst. Lass uns erst mal anständige Kleider suchen, oder laufen Zwerge immer ohne Rock herum?" Die Zwergin wollte protestieren, wusste aber dass es keinen Sinn hatte und ließ sich in ein Zelt führen.

Während die Frau in einer Tasche kramte, fragte die Zwergin: „Was geschieht mit meiner Schwester? Und wer seid ihr? Du bist kein gewöhnlicher Nachtalb."  Die Frau zog einen Umhang aus grobem Stoff aus der Tasche und begann ihn mit ihrem Dolch zu zerschneiden. „Ich bin kein Nachtalb. Ich bin eine Schattenelbin. In meinen Adern fließt das Blut der Nachtalben, jedoch habe ich nicht den Drang andere zu töten. Außer wenn ich mich verteidigen muss. Mein Name ist Silèda und wer bist du?" „Ich bin Arwenie Goldfaust aus dem Clan der Goldfäuste. Die andere Zwergin ist meine Schwester Derwie und ich will sie sehen." sagte die Zwergin mit energischer Stimme. Silèda hatte eine Art Wickelrock aus dem Mantel geschnitten und legte ihn der Zwergin an. Um den Rock an seinem Platz zu halten band sie ihr einen Lederriemen um die Hüfte. „So ist es schon besser. Nun komm, wir schauen nach deiner Schwester." sagte Silèda freundlich und schob Arwenie aus dem Zelt.

Eurealè entfernte die von Blut verschmierten Verbände. Ephaistra drehte angewidert ihren Kopf als ihr ein fauliger Geruch in die Nase drang. „Stell dich nicht so an, Ephaistra. Bei dem was uns bevor steht wirst du noch schlimmeres zu sehen bekommen. Nun geh und bringe Wasser zum Kochen." befahl die Albin. Tenebris mischte Kräuter zusammen und streute sie auf ein Stück glühende Holzkohle, das in einer Tonschale lag. Den Rauch wehte sie der Zwergin zu. Derwie musste husten und versuchte den Kopf ab zu wenden. Doch die Albin hielt ihr den Mund zu und zwang sie den stechenden Rauch zu inhalieren. Nach einigen Minuten des Widerstandes war die Zwergin betäubt. Eurealè tauchte ein Messer in das kochende Wasser und begann damit das eitrige Fleisch weg zu schneiden. Als sie mit der Wunde am Arm fertig war, wies sie Tenebris an die Wunde mit Essig aus zu waschen und zu nähen. Ephaistra half ihr dabei. Eurealè tauchte das Messer erneut in das heiße Wasser und behandelte das Bein. Auch diese Wunde wurde mit Essig gereinigt und  genäht. Während die beiden Albinen sich ausruhten und  die Schattenelbin die Wunden verband, erwachte die Zwergin. Sie griff Ephaistra am Handgelenk und lallte: „ Blongar, die Warze an deinem Linga kommt nicht durch meine Berührung." So schnell wie die Zwergin erwacht war, fiel sie auch wieder in einen tiefen Schlaf. Alle drei Frauen schauten sich mit hochgezogenen Brauen an. Die junge Schattenelbin beendete ihre Arbeit und fragte: „Was ist ein Linga?" Tenebris schaute Hilfe suchend zu Eurealè, doch die hob abwehrend die Hände. „Darüber reden wir später einmal, Mädchen!" sagte die Nachtalbin und entsorgte die alten Verbände und was vom Körper der Zwergin entfernt wurde.  Eurealè hatte sich die Hände gewaschen und verschiedene Teeblätter gemischt. Sie goss heißes Wasser auf die Blätter und zeigte auf eine Sanduhr. „Immer wenn der Sand einmal durch ist, gebe ihr einen Schluck zu trinken. Es wird ihren Körper reinigen. Sollte sie sich widersetzen, zwinge sie es zu trinken."

Arwenie folgte der Schattenelbin, Silèda, durch das Camp. Überall waren langohrige Männer und Frauen damit beschäftigt etwas auf zu bauen. Einige schenkten der Zwergin sogar ein freundliches Lächeln. Arwenie wusste nicht wie sie reagieren sollte und nickte. Noch immer misstraute sie diesen Leuten. Das einzige was sie wollte war ihre Schwester sehen. Silèda blieb vor einem großen Zelt stehen und zog einen Seidenvorhang zur Seite. Derwie lag bewegungslos auf einer Art Tisch. Die Zwergin lief zu ihrer Schwester und ergriff deren Hand. Ihre Haut fühlte sich warm an. Als sie sich dann über sie beugte und den gleichmäßigen Atem spürte, war es als ob eine Last von ihr abfiel. 

„Deine Schwester ist noch sehr schwach, sie braucht Ruhe und die Hilfe eures Gottes. Nimm dir Zeit und sprich ein Gebet, danach erwarten wir dich in unserem Zelt." Arwenie wendete ihren Kopf um zu schauen wer zu ihr gesprochen hatte und sah in zwei tiefrote Augen. Es war die Nachtalbin die ihr Pferd gestoppt und mitgenommen hatte. Neben der Frau stand eine weitere Albin, ebenfalls mit roten Augen. „Mein Name ist Tenebris, das ist Eurealè." sagte die Albin und zeigte auf die Frau neben sich. In ihren schwarzen Lederrüstungen wirkten die beiden Frauen unheimlich und gefährlich. „Wenn du soweit bist wird Silèda dich in unser Zelt bringen. Wir haben viel zu bereden." sagte Eurealè und verließ mit Tenebris das Zelt. Arwenie legte ihren Kopf auf die Brust ihrer Schwester und sandte ein Gebet zu Adamas. Dann gab sie Derwie einen Kuss auf die Stirn und folgte Silèda.

Das Zelt der beiden Frauen war so groß wie ein Haus. Herabhängende Seide teilte es in mehrere Räume. Im größten stand ein niedriger Tisch, umringt von Sitzkissen. Die Stützbalken waren reich verziert und mit Öllampen versehen. Hinter einem blauen Seidenvorhang konnte sie die die Konturen der Frauen erkennen, die sich anscheinend umkleideten. Der Vorhang wurde zur Seite gezogen und die beiden Albinen kamen hervor. Tenebris und Eurealè waren in rot-blaue Gewänder gehüllt. In dieser Kleidung hatten sie ihre Bedrohlichkeit verloren, doch die Zwergin war noch immer auf der Hut. Tenebris bot Arwenie an sich zu setzten. Silèda verschwand hinter einer Seidenwand und kehrte mit Bechern zurück in denen heißer Tee dampfte. Sie verschwand abermals und brachte drei Teller mit gebratenem Fleisch und Gemüsebrei. Die beiden Frauen tranken von dem Tee und begannen zu Essen. Arwenie schaute auf die dampfende Mahlzeit, ihr Magen machte Geräusche wie ein wilder Mudrok,  doch sie traute dem ganzen nicht. Zumal sie nicht wusste wofür die beiden Stäbe gut waren. Eurealè sah das die Zwergin das Essen nicht anrührte. Sie langte über den Tisch und aß von dem Teller der Zwergin und trank von ihrem Tee. Nun war die Zwergin nicht mehr zu halten. Mit ihren von Warzen verunstalteten Händen schob sie sich das Fleisch und Gemüse in den Mund, dann leerte sie in einem Zug den Becher und rülpste laut. 

Tenebris war solch ein Verhalten unbekannt, doch sie ließ sich ihre Empörung nicht anmerken. Stattdessen begann sie das Gespräch; „Nun Arwenie Goldfaust, was machen deine Schwester und du hier in dieser Gegend?" „Was macht ihr hier in dieser Gegend?" stellte die Zwergin eine Gegenfrage. Die Albin atmete genervt aus. „Nun was ich meine ist, ihr seid sicher nicht ohne Grund soweit von eurer Festung entfernt?" Die Zwergin nickte. „Sicher hat es einen Grund, aber sagt erst ihr welcher Grund euch her gebracht hat. Und warum haben diese Albe blaue Augen und was sind Schattenelben?" Tenebris erklärte Arwenie was es mit den Schattenelben auf sich hatte und welche Gefahr diesen drohte. Nun begann die Zwergin von den Vorfällen in und vor der Festung zu berichten. Was Arwenie erzählte machte den beiden Frauen große Sorgen. 

„Wir müssen den Waffenverkauf stoppen!" sagte Eurealè. „Sollten Calister und seine Nachtalben über solche Schwerter verfügen, wird es schwer sie zu schlagen." Tenebris wendete sich an die Zwergin. „Arwenie, könnten du und deine Schwester heraus bekommen wer die Waffen herstellt und verkauft?" Die Zwergin nickte. „Sicher das war unser Auftrag. Aber wenn sich Söldner vor unserer Festung postiert haben, wird es im Norden von ihnen nur so wimmeln." Tenebris schaute der Zwergin in die braunen Augen. „Ich verspreche dir, wir bringen euch sicher hinein und wieder heraus." Die Albin streckte Arwenie die Hand entgegen, mit Vorsicht schlug die Zwergin ein. 
Raziael/Überarbeitung: Rina Smaragdauge
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