Sonntag, 3. Juni 2012

Die Prophezeiung Kapitel 13 ( Die Falle schnappt zu)

Urgandel: Fürstentum Burinda: Vollmond

Fortingas beobachtete die Zwerge mit wachem Auge. Auf eine bestimmte Art und Weise war er von ihnen beeindruckt. Er schaute zu wie Wallungur jagte, die Felle bearbeitete und das Fleisch haltbar machte. Es berührte ihn auch wie liebevoll Tyrella mit dem Menschenkind umging. Die Zwergin hatte dem Mädchen Kleidung aus Fellen gemacht, einige Worte gelehrt und allein zu Essen beigebracht. Ihm war auch bewusst, das: Tyrella die Nachtalben nicht mochte, wie alle Bewohner von Urgandel. Doch der Hass der Zwergin saß tief und wäre Wallungur nicht gewesen, hätte sie ihm den Schädel gespalten, ohne jedes Mitleid. Was hatten die Nachtalben ihr nur angetan, was bei der Zwergin eine so tiefe Abneigung verursachte. Jedoch was Fortingas nicht verstand, warum die beiden Zwerge zusammen reisten. Sie stritten bei jeder Gelegenheit, über die Zubereitung des Essens, die Auswahl des Nachtlagers und über die Menge Honig die das Kind naschen durfte. Wenn der Alb es nicht besser wusste, hätte er sie für ein Ehepaar gehalten.

Fortingas war mit Tyrella allein. Sie hatte Feuer gemacht indem sie mit einem Stock in einen Ast bohrte. Nie hätte der Alb geglaubt dass so was möglich sein konnte. Es war viel einfacher und schneller als das lange zusammen schlagen von Steinen. „Warum hast du die Ringe in den Haaren?" fragte er die Zwergin. Tyrella würdigte ihn keines Blickes. Erst als Wallungur mit Klondieke an der Hand zurück kehrte hob sie den Kopf. Der Zwerg hatte über den Schultern einige Hasen hängen und in der Hand trug er einen toten Fuchs. Das Mädchen saugte Honigwaben aus, stolz lief sie auf die Zwergin zu. „Ella, guck, Lecker!" sagte sie und wollte der Zwergin etwas abgeben. 

„Hey Wallungur, was gibt es zu essen?" rief der Alb und erntete zornige Blicke der Zwergin. „Nicht genug das sie das Land verwüsten, nun sollen wir die Bastarde auch noch durchfüttern!"  knurrte die Zwergin und streichelte den Griff ihres Beils. Fortingas wusste das es nun besser war den Mund zu halten. Er hätte sich jederzeit aus den Fesseln befreien können, aber auf den saftigen Braten wollte er nicht verzichten. Als sie fertig gegessen hatten, sang Tyrella mit dem Kind Lieder und Wallungur spannte die Felle in kleine Rahmen, die er aus biegsamen Ästen gemacht hatte. Auf diese Art konnten die Tierhäute trocknen. Der Zwerg würde sie dann auf dem Rücken mit sich tragen.

Die Nacht verlief ruhig. Die Zwerge wechselten sich mit der Wache ab. Als Tyrella an der Reihe war legte sich Kind zu Wallungur. Sie vergrub ihr Gesicht im Bart des Zwerges und schlief weiter. Mit den ersten Sonnenstrahlen zogen sie weiter. Das Nördliche Gebirge rückte immer näher und Fortingas wusste, dass es an der Zeit war sich aus dem Staub zu machen. Sobald sie in einem dichten Wald waren, würde er sich losmachen, seine Waffen schnappen die in Tyrellas Rucksack steckten und verschwinden. Auf die Bekanntschaft mit noch mehr Zwergen von Tyrellas Sorte konnte er verzichten.

Es war schon dunkel als sie durch den Forst marschierten hinter dem sich das Gebirge auftürmte. „Wollen wir keine Rast machen?" betonte Fortingas nervös. Tyrella verneinte, denn in dem Wald befand sich eine Herberge, dort wollten sie die Nacht verbringen. „Dann kannst du heute Nacht dem Schnarchen der Ziegen lauschen!" lachte Wallungur und zog an dem Strick mit dem er den Alb hinter sich her zog. Als zwischen den Bäumen die Raststätte sichtbar wurde stutzte Fortingas. Es waren Bäume gefällt worden und die Stümpfe sahen frisch aus. Der Wirt, der in der Tür stand, machte ihn unruhig. Seine Haltung war zu aufrecht. Da Stimmte etwas nicht. 

Fortingas bremste den Zwerg, der daraufhin zu Schimpfen begann. „Was soll das, Langohr!" Wallungur zog an dem Strick. „Komm schon!" Der Alb sträubte sich. „Wallungur, geht nicht dahin. Das stinkt nach einem Hinterhalt, lasst uns schnell von hier verschwinden!" Tyrella wurde es zu viel, sie war müde und wollte wieder in einem Bett schlafen. Sie ließ Klondieke los und wollte Fortingas einen Tritt gegen das Schienbein geben. Da zischte es und die Zwergin schrie auf. In ihrem Bein steckte ein Schwarzer Pfeil.

Lautes Schreien ertönte, aus der Herberge stürmten maskierte Söldner mit Schwertern. Fortingas löste seine Fesseln, griff nach seinem Langbogen und den Pfeilen. Er begann die Pfeile auf die Söldner zu schießen. Schneller als das Auge folgen konnte legte er einen Pfeil nach dem anderen auf die Bogensehne. Wallungur wollte zu Tyrella und Klondieke, doch plötzlich stand ein Nachtalb vor ihm. Der Zwerg zog seine Axt aus der Rückenhalterung und griff an.

Als die Söldner bemerkten dass sie einen Alben gegen sich hatten zogen sie sich zurück. Ein Schrei lenkte Fortingas von der Herberge ab. Ein anderer Alb hatte Klondieke und wollte sie mitnehmen. Der Halbalbe schwenkte den Bogen und jagte dem Entführer einen Pfeil durch den Schädel. Wallungur kämpfte verbissen, aber gegen die Wendigkeit des Nachtalben konnte er nur wenig ausrichten. Doch dann stoppte der Alb mit seinen Angriffen und fiel zu Boden. Fortingas hatte ihm seinen letzten Pfeil in den Rücken geschossen. 
Fortingas lief zu Tyrellas Tasche und holte seine Schwerter. Wallungur wollte zu Klondieke und sie zurückholen, als eine schlanke, hochgewachsene Nachtalbin vor ihm stand und ihm mit glühenden Augen anfunkelte. 

"Hier endet dein Weg, Zwerg!" Wallungur griff sie mit einer Reihe von Ausfällen an, doch sie war zu schnell. Genauso wenig konnte sie den Zwerg bedrängen, Wallungur wehrte ihre Schläge ab und zielte auf die ungeschützten Oberschenkel. Fortingas hörte wieder die Söldner ankommen. Er griff in den Kampf ein, packte das Handgelenk der Albin, streckte ihren Arm und schlug mit der Handkante unter den Ellenbogen, mit einem Knacken brach das Gelenk. Nun erkannte er die Frau, es war Mürane. „Fortingas, dreckiger Verräter!" schrie die Albin in ihrem Zorn. Er brachte sie mit einem Schulterwurf zu Fall und trat ihr unter das Kinn.

Fortingas nahm Klondieke auf den Arm und war mit zwei Schritten in einer Tanne verschwunden. „Nimm Tyrella und verschwinde ins Unterholz!" rief er dem Zwerg zu. Wallungur fluchte, er nahm die Taschen und die Zwergin, warf sich und ihr seinen Umhang über und tauchte ins Gebüsch ein. Die Söldner versuchten den Zwergen zu folgen, doch die Menschen waren zu groß um den Ästen und Zweigen ausweichen zu können.
Als die Nacht sich ihrem Ende nahte suchte Wallungur einen Platz um aus zu ruhen. Tyrella stöhnte vor Schmerzen, ihr Gesicht war bleich, die Anstrengung und der Blutverlust machten sich bemerkbar. Er gab Tyrella etwas Wasser und legte sie auf seinen Umhang. „Wo ist Klondieke?" fragte die Zwergin schwach. „Der Nachtalb hat sie entführt!" In der Stimme des Jägers klang Schuld. Er holte Luft und rief:  „Ich werde dir deine Schweineohren mit meinen Händen…!" Der Zwerg zuckte zusammen, jemand hatte ihm einen Tannenzapfen auf den Kopf geworfen. „Halts Maul, du Erdwühler. Es wimmelt hier von Nachtalben und Söldnern!" sagte jemand leise. Wallungur erblickte zwischen den Ästen das Gesicht von Fortingas, daneben erschien der Kopf von Klondieke.

Der Alb ließ sich lautlos den Stamm herab gleiten, er löste den Waffengurt mit dem er das Kind auf seinem Rücken festgebunden hatte und sie lief gleich zu Tyrella. „Mein Kind ist alles in Ordnung bei dir?" fragte die Zwergin mit schwacher Stimme. Wallungur schaute den Nachtalb zornig an. „Was ist hier los? Wie konntest du dich aus den Fesseln befreien und was hatten die Nachtalben dort zu suchen?" 

Fortingas kniete sich neben Tyrella und untersuchte den Pfeil. „Klondieke hätte die Knoten lösen können, aber ihr Zwerge kocht besser als ich!" Sein Gesicht wurde besorgt. „Tyrella, der Pfeil ist ein Jagdpfeil der Nachtalben. Wenn wir ihn heraus ziehen bleiben Reste des Schaftes in deinem Fleisch zurück und würde sich entzünden. Wir müssen ihn auf der anderen Seite herausdrücken!" Die Zwergin lachte zornig. „Das langsame Töten ist für euch Alben eine Freude. Gib mir meine Axt und ich trenne dir den Kopf von den Schultern!" Fortingas wies Wallungur an die Lederhose los zu schneiden, dann schnitt er mit seinem Kurzschwert den befiederten Teil des Pfeilschaftes ab. Er ließ sich ein Fell geben und wickelte es um das Schwert. „Hier, beiß darauf!" empfahl er der Zwergin. 

Wallungur wies er an die Zwergin fest zuhalten. Der Alb hielt Klondieke die Augen zu und schlug auf das Schaftende. Tyrella riss die Augen weit auf dann verlor sie das Bewusstsein. Fortingas umfasste die Spitze des Pfeiles und zog ihn heraus. Sie verbanden die Wunde mit Kräutern und Stofffetzen, die sie aus dem Rock der Zwergin schnitten.
„Die drei Nachtalben waren sicher auf der Suche nach mir. Sie müssen uns schon lange beobachtet haben und darum in der Herberge gewartet haben. Das ihr dabei wart war nur eine Beilage zum Hauptgericht!" erzählte Fortingas während er seinen Gürtel mit den Kurzschwertern wieder anlegte. „Und was werden sie tun, wenn sie dich haben?" fragte der Zwerg ungläubig. „Mich und meine Mutter auf dem Marktplatz Pfählen. Als Warnung für alle anderen Nachtalben. Ich hoffe nur das meine Mutter noch lebt!" nach diesen Worten schwang sich der Halbalbe in einen Baum. „ich werde versuchen etwas zu erfahren und Essen zu besorgen!" sprach er und war verschwunden.

Wallungur untersuchte die Reste des Pfeiles, der in Tyrellas Bein gesteckt hatte. Auf den ersten Blick schien er ein ganz gewöhnliches Geschoß zu sein. Doch strich man das Holz gegen die Flugrichtung, bäumte sich das Holz auf und bröckelte ab. „Verflucht sollen sie sein. Jared soll sie unter seinen Füssen zerquetschen!" flüsterte der Zwerg. Klondieke hatte sich zu Tyrella unter die Felle gelegt und hielt ihre Hand. Der Jäger träufelte immer wieder Wasser in den Mund der Zwergin, mit Sorge prüfte er den halbleeren Lederschlauch. „Da bin ich wieder!" Wallungur fuhr herum, die Axt im Anschlag. „Lass das Schleichen sein, Langohr!" schimpfte der Zwerg. Fortingas warf ihm einen Rucksack zu. „Hier, was zu Essen und Wasser!"
Der Nachtalb hatte zwei Köcher mit Pfeilen auf dem Rücken, auf den Lederbehältern waren deutlich dunkelrote Blutspritzer zu sehen. „Alle bekannten Wege die zu den Gebirgen führen werden bewacht. Doch sie konzentrieren sich meist auf das Nördliche und das Östliche Zwergenreich. Karawanen aus dem Süden lassen sie passieren, doch warum konnte ich nicht hören!" berichtete der Halbalbe während er das Blut entfernte. Wallungur fluchte: „Das sind mehr als achthundert Meilen und Tyrella ist verletzt!" Die Zwergin richtete sich auf. „Es wird schon gehen, ich habe weitaus schlimmeres mitgemacht!" stöhnte sie und ließ sich von dem Jäger etwas zu Essen geben.

„Wir müssen ein Dorf oder ähnliches suchen, Tyrella braucht einen frischen Verband. Wallungur, du nimmst Klondieke mit dir, Ich trage Tyrella…!" „Niemals lasse ich mich freiwillig von einem Nachtalben anfassen. Lieber krieche ich durch den Wald!" fiel die Zwergin ihm ins Wort. Fortingas schaute schweigend in die dunklen Augen der Zwergin die ihn Zornig anfunkelten. „Dann ist es dir lieber, wenn Klondieke von einem Nachtalben getragen wird?!" „Na gut, dann krabbel ich auf deinen Rücken und reiße dir die Haare aus!" knurrte die Zwergin.

Sie machten sich bereit zur Weiterreise. Wallungur trug den Bogen und die Pfeile, Klondieke hielt sich an seinem Umhang fest. Als Fortingas die Zwergin auf den Rücken nahm, flüsterte sie ihm ins Ohr: „Du kannst dich so freundlich geben wie du willst, ich weiß das du durch und durch böse bist!" Fortingas drehte den Kopf. „Was haben dir meine menschliche oder meine albische Seite getan, Zwergin, dass du mich so sehr hasst?"  „Ihr habt meinen Gemahl ermordet!" Fortingas wusste nicht was er sagen sollte, darum schwieg er. Als die Sonne am höchsten stand marschierten sie los.
Raziael/Überarbeitung:Rina Smaragdauge

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