Donnerstag, 31. Mai 2012

Wenn sich Jemand wirklich das Leben nehmen will, lässt er sich nicht aufhalten

 Vor einigen Tagen ist ein Mensch aus meinem Leben gegangen, nicht weil ich mit diesem Menschen gestritten habe. Der Grund ist, dass sie ihrem Leben ein Ende gesetzt hat.  Es war die Ex-Freundin meines Bruders. Ich kannte sie eigentlich recht gut und das seit mehreren Jahren, doch will ich nicht behaupten das ich sie durch und durch kannte.

Warum sie diese Entscheidung getroffen hat weiß niemand. Weder einen Brief oder eine Sms, noch hat sie je darüber gesprochen oder damit gedroht. Was war also der Grund? War es die Lieblose Kindheit? Schon im Alter von zehn Jahren wurde sie von der Mutter in ein Heim abgeschoben. Betreuer und Erzieher waren alles was sie kannte.

Niemand dem sie sich anvertrauen konnte, niemand der sie in den Schlaf wiegte wenn sie sich fürchtete und niemand der sie auf die Bosheiten des Lebens vorbereitete. Die einzigen Bezugspersonen waren die anderen verstoßenen Mädchen. Die wie sie selbst als, schwer Erziehbar, einstuft waren.
Vielleicht waren es auch die Niederlagen und Erniedrigungen, die sie über die Jahre hinnehmen musste. Oft wurde sie wegen ihrer Naivität und Unwissenheit ausgenutzt. Als ich sie kennenlernte und erstmals in ihre Augen schaute, sah ich nur eine leere. Ein tiefer schwarzer Brunnen, in dem nicht einmal mehr Wasser für Tränen war. Sie war bei meinem Bruder weil sie dort Wärme und Geborgenheit fand.

Ich bin niemand der nur Gutes über Menschen sagt weil sie Tod sind, denn das wäre nur heuchlerisch. Tatsache ist das sie die Menschen hasste und verachtete. Die Falschheit und Niederträchtigkeit, die viele an den Tag legten waren nur zwei der vielen dinge mit denen sie nicht umgehen konnte. Die einzigen die sie wirklich liebte waren ihre Hunde. Mit aller Herzlichkeit sorgte sie sich um deren Wohlsein. Ihre Tiere bekamen mehr Aufmerksamkeit als manche Kinder von ihren Eltern. Doch das alles ist nun vorbei. Nie wieder wird man sie morgens um sechs Uhr sehen wie sie die Hunde ausführt. Es ist traurig dass es so gekommen ist. Vielleicht hatte sie sich nach Frieden gesehnt, einen Frieden den sie im Leben nie hatte.

Die Ironie ist, das gerade während ich diesen Text schreibe eine Doku über Suizidgefährdete Jungen und Mädchen gezeigt wird. In schwarz gekleidete Teenies und mit Mascara verschmierten Augen. Sie drohen mit Selbstmord weil sie sich von ihren Eltern missverstanden fühlen und nicht mehr Taschengeld bekommen. Sicher sind einige dabei die wirklich echte Hilfe benötigen und diese auch bekommen sollten. Doch der Mehrheit deren Schuhe mehr gekostet haben als mein Autoradio, empfehle ich, kratzt euch die Schminke aus den Augen und schaut euch um. Vielleicht seht ihr jemanden dem ihr die Hand reichen könnt und macht nicht solch einen Terror um Kleinigkeiten. 
Raziael
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