Sonntag, 11. März 2012

Die Prophezeiung. Prolog und Kapitel 1 (Die Nachtalben unterdrücken das Land)

                                             Prolog
Die Sonne schien schwach auf das Land Urgandel und der Winter wurde nach und nach von dem nahenden Frühling abgelöst. An einigen Stellen spross bereits das erste Grass durch den noch gefrorenen Boden. Nur im Östlichen Gebirge türmte sich noch der Schnee haushoch. Die dort lebenden Zwerge hatten sich diesem Zustand angepasst und sich der Jagd verschrieben. Anders als ihre Verwandten im Norden und im Süden. Diese Zwerge waren meisterliche Handwerker in der Schmiedekunst und dem Bearbeiten von Edelsteinen.

In der Mitte des Landes lebten die Menschen. Sie ernährten sich von der Viehzucht und dem Ackerbau. Die Menschen waren zufrieden mit ihrem Dasein, sicher hatten sie ihre Sorgen und Probleme, jedoch waren ihnen Krieg und Ausbeutung fremd. Urgandel wurde beherrscht von König Brunda und seiner Frau Fabiola. Aufgeteilt in drei Fürstentümer konnte Brunda die Kontrolle aufrecht erhalten. Nur die Zwerge waren nicht gewillt sich den Gesetzen des Königs zu beugen. Jedes bewohnte Gebirge hatte seine eignen Anführer und Regeln, sogar einen eignen Gott.

Die Jäger glaubten an Jared, den Wanderer. Tausend mal tausend Sonnenzyklen soll Jared über Land und Wasser geschritten sein bis er sich müde niedergelassen hatte und aus den Knochen der erlegten Beute die ersten Zwerge erschuf. 

Die Schmiede verehrten Ferrum, den Sohn der Sonne. Mit seinen glühenden Fäusten hatte Ferrum das Wasser gespalten und das Land und Gebirge geformt. Danach hatte er mit seinen Händen aus heißem Eisen die Zwerge geformt.

Die Edelsteinschleifer waren überzeugt dass ihr Volk von Adamas, dem Sohn des Mondes, abstamme. Adamas hatte die Landflächen ins  Wasser gelegt und aus seinen silbernen Haaren das Volk der Zwerge geschaffen.

Diese drei Götter waren einer der Gründe warum die Zwergenreiche nur den nötigsten Kontakt pflegten und dieser Kontakt war der Handel. Natürlich konnten auch die Schmiede Jagen und die Gemmenschneider besaßen auch gute Schmiede. Jedoch wenn es um knifflige Arbeiten oder Fallen ging holte jeder Rat und Ware bei dem anderen und musste reichlich dafür bezahlen.

Die Menschen hingegen glaubten, das alles was lebte von Perros erschaffen wurde. Auch wenn sie nicht wussten, wer dieser Gott war und wie er das alles zustande gebracht hatte. Die Priester sagten, es also musste es wahr sein.
König Brunda gewährte den Zwergen das Recht der Selbständigkeit, nicht weil die Zwerge die besseren Krieger waren, sondern weil auch sein Volk auf die geschickten Handwerker angewiesen war.
So auch Pinok, er war mit seiner Familie am Strand und warf die lange Leine mit Eisenhaken aus. Diese Haken hatte er für viel Silber von den Zwergen im Nördlichen Gebirge gekauft. Keiner wusste wie die kleinen Gesellen es machten, doch ihre Haken hielten dem schwersten Fisch stand und wurden nur selten stumpf. Seine Frau und die beiden Töchter sammelten Krebse. Der älteste Sohn jagte im seichten Wasser mit dem Speer auf Plattfische.

Pinok hatte die Schnur mit den beköderten Haken ins salzige Wasser gleiten lassen und wollte zum Strand zurück kehren. Als er am Horizont schwarze Striche ausmachte, die immer breiter wurden. Nach kurzer Zeit konnte er weiße Segel erkennen. Insgesamt näherten sich vier Schiffe, so groß wie Pinok sie noch nie gesehen hatte. Pinok ruderte so schnell er konnte um den Strand und damit das sichere Land zu erreichen. Er rief seine Familie und packte alles zusammen. Er wollte gerade gehen, als er das Schlagen von Rudern hörte.

Fünf Boote glitten an den Strand, etwa dreißig Männer und Frauen betraten den sandigen Boden und sie wirkten bedrohlich. Einige trugen lange Schwerter an ihren Gürteln, andere hatten Langbögen in den Händen und auf dem Rücken trugen sie Köcher mit Pfeilen. Pinok wusste nicht zu welchem Volk er die Fremden einordnen sollte, er hatte vergleichbares noch nie gesehen. Alle sahen fast gleich aus. Unter den langen Haaren ragten spitze Ohren hervor, Gesicht und Statur wirkten zierlich, ja sogar zerbrechlich, die Haut war farblos und wirkte ungesund weiß. Bis auf einen der anscheint der Anführer war, waren alle in schwarze Lederrüstungen mit eisernen Brustplatten gekleidet. Die glutroten Augen des Anführers schauten Pinok und seine Familie finster und mit Abscheu an.

Der Fremde ging zu den Körben mit den Krebsen, die wild übereinander krabbelten und versuchten ihrem geflochtenen Gefängnis zu entkommen. Mit jedem Schritt wippte die blaue Robe, die Goldstickereien schienen sich zu bewegen und wirkten wie Schlangen die auf dem Gewand umher krochen.
Der Fremde nahm eine Krabbe aus dem Korb, brach den Rückenpanzer auf und saugte das Innere aus. Er spuckte alles angewidert aus und trat den Korb um, so dass die Krabben auf dem Sand verteilt wurden. Nun war Pinok verärgert: „Hey das kannst du nicht machen, meine Frau und meine Töchter haben lange gebraucht um diese Menge zu sammeln, du musst es bezahlen!" rief er dem seltsamen Fremden zu. Sein Sohn machte einen Schritt nach vorn, den Speer auf den Fremden richtend: „Du wirst uns den Schaden bezahlen! Was denkst du wer du bist?!" sagte er und richtete die Lanzenspitze auf das Gesicht des Fremden.

Pinok wollte seinen Sohn zurückrufen, doch der Fremde in der blauen Robe hob die Hand und es war ein mehrfaches Zischen zu hören. Der Junge stand wie versteinert da, aus seinem Rücken ragten zehn Pfeile. Die Frau rannte schreiend zu ihrem Sohn, der Tot zu Boden gegangen war. Die Bogenschützen zielten nun auf Pinok und seine beiden Töchter. Der Fremde trat über den leblosen Jungen hinweg, dabei ließ er eine unterarmlange Klinge aus dem Ärmel seines Gewandes gleiten und schnitt der Frau den Hals auf. Den Mund zu einem lautlosen Schrei geöffnet, lag die Mutter neben ihrem toten Sohn.

Pinok umklammerte die beiden Mädchen: „Bitte lasst meine Töchter am leben. Wer seid ihr, was wollt ihr von uns?" fragte er weinend. Der Fremde schaute ihn mit seinen roten und kalten Augen an und sagte mit einer sanften, aber bedrohlichen Stimme: „Wir sind Nachtalben, eure neuen Herrscher." Der Alb wendete Pinok langsam den Rücken zu, unerwartet drehte er sich um hundertachtzig Grad und streckte die Klinge nach Pinok aus. Die beiden Mädchen sahen wie der Kopf ihres Vaters von seinen Schultern kippte und sein lebloser Körper zu Boden sank. Der Alb lächelte sie bösartig an. „Wunderschöne Augen, wunderschön!" Mit diesen Worten hob er erneut die blutige Klinge.

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Urgandel im Hundertvierdreißigsten Mondzyklus  nach der Besetzung: Mond des Erwachens


Die Bewohner von Burinda sanken tief auf ihre Knie als der Tross von Alben auf Pferden an ihnen vorbei ritt. An jedem Zweiten Tag nach dem der Mond seine ganze Fülle erreicht hatte, kamen sie in die Städte um die Steuern einzutreiben. Fünf Silbermünzen von jeder Familie, konnte jemand diese Summe nicht aufbringen wurde ihm der jüngste Sohn oder Tochter weggenommen. Seit dem die Nachtalben das sagen im Land hatten, war das Volk verarmt. Ihnen blieb nur ein kleiner Rest um den Winter zu überstehen. Alles andere was die Felder abwarfen nahmen sich die Adligen und Kaufleute, die sich tiefer als andere vor den finsteren Eindringlingen verneigten.

Die Alben hielten vor der Schenke und stiegen von den Pferden ab. Der Anführer, ein hochgewachsener Alb mit langen blonden Haaren, befahl vier seiner Leute ihn in die Schenke zu begleiten, die anderen Fünfzehn blieben draußen. Mit Abscheu schauten sie auf die Menschen herab, die sich vor dem Eingang des Gasthauses aufgestellt hatten. In den Augen der Nachtalben waren die Menschen hässlich, missgebildet und nicht mehr wert als ein Tier auf das man Jagd machte.

Eine Frau stellte sich in die Reihe, an ihrer Hand ging ein Junge von sechs Jahren. Er lehnte sich auf eine Krücke und zog sein verdrehtes Bein hinterher. Eine Albin in schwarzer Lederrüstung schaute zu der Mutter und ihrem Sohn. Mit lauter Stimme lachte sie: „Seht euch diese Missgeburt an, wäre dieser Balg meinem Leib entsprungen hätte ich ihn gleich in den Fluss geworfen. Aber ich denke sie behält ihn, weil sich kein Mann freiwillig mit ihr Paaren will." Alle Nachtalben fielen in lautes Gelächter.

 Die Mutter zog ihren Sohn zu sich und flüsterte etwas. Die Spötterin ging zu ihr und schaute sie mit ihren roten Augen zornig an: „Hast du mir etwas zu sagen!?" fauchte sie die Frau an. Die junge Mutter umklammerte ihren Sohn fester und schüttelte den Kopf. Die Albin legte die Hand an das Kurzschwert, das mit einem Schenkelriemen an ihrem Bein befestigt war. „Nun was hast du dann zu Flüstern? Oder war es eine Bitte deiner Missgeburt das Bein wieder gerade zu biegen? Nun das kannst du haben!" sprach die Albin und trat die Krücke des jungen zur Seite. Mit Tränen in den Augen stellte sich die Frau vor ihr Kind. „Ich flehe euch an Herrin, wenn ihr jemand Strafen wollt dann mich, aber verschont mein Kind."


„Ganz wie du willst!" sagte die Albin, riss die Frau an den Haaren zu Boden und zog das Kurzschwert. Sie wollte der Frau die geschwungene Klinge an den Hals legen und sie vor den Augen des Jungen und allen anderen ausbluten lassen, doch sie konnte ihr Vorhaben nicht ausführen. Jemand hielt ihren Arm fest und entwaffnete sie. „ Mürane nun ist Schluss, wir sind nicht hier um die Stadt aus zu rotten oder deine Gelüste zu befriedigen!" Die Albin befreite sich aus dem Griff und schaute in das Antlitz eines Jungen Alben mit weißen schulterlangen Haaren.

Mürane, so wie der Alb sie genannt hatte, funkelte ihn aus wütenden Augen an, ihre blutroten Lippen bebten als wolle sie jeden Augenblick zubeißen und ihrem gegenüber die Kehle zerfetzen. Die Albin gab der Frau einen Tritt und forderte ihre Waffe zurück. Schweigend reichte der Alb ihr das Kurzschwert, dann lief sie zornig zu ihrem Pferd. Die junge Mutter kniete vor dem Alb und küsste ihm  die Kniehohen Stiefel, dabei sagte sie: „ich danke euch Herr, ich danke euch aus tiefsten Herzen." Der junge Alb wandte sich von der Frau ab und ging ebenfalls zu seinem Pferd und löste den Sattelriemen. Die Albin neben ihm machte einen Schritt näher und sagte leise: „Das war mutig, aber auch dumm. Mürane hat das Ohr des Obersten Alb, sie kann dir Schwierigkeiten machen!" Ohne den Kopf zu wenden gab er zur Antwort: „das ist mir gleich, Mürane tötet weder aus Zorn noch aus Rache, sie tötet weil sie Lust dazu hat." 


Die Albin lächelte kalt: „Sei vorsichtig mit deinen Worten, Fortingas, sonst könnte es den Anschein erwecken du hättest etwas über für diese niedrigen Lebewesen." Der junge Alb mit Namen Fortingas schwieg, aus der Schenke wurden befehle gerufen, das Eintreiben der Steuern begann.
Raziael, überarbeitung: Rina Smaragdauge
                                            

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