Samstag, 24. März 2012

Die Prophezeiung Kapitel 3 ( Die Verpatzte Heirat)

Urgandel im Hundertfünfunddreißigsten  Mondzyklus nach der Besetzung: Östliches Gebirge, Festung der Jäger.
Es herrschte großes Treiben in der Festung. Mit Hilfe von mechanischen Flaschenzügen und Loren wurden Ladungen mit frischer Erde die Hügel empor gezogen. Während der Schneeschmelze war der Fluss über die Ufer getreten und nun mit Beginn des Grasmondes sank er auf seinen alten Stand und hinterließ fruchtbaren Humus. Diesen Boden nutzten die Zwerge des Östlichen Gebirges um Gemüse anzubauen. In erster Linie für den eignen Stamm und zum zweiten für den Handel mit den anderen Stämmen.
Der Grasmond war das Zeichen der Erneuerung und des Blühens. Es ist die Zeit in der die Natur erwacht und ihre Farben erleuchten lässt, auch wurden in diesem Mondzyklus von den Eltern die Braut oder der Bräutigam ausgesucht.

Im höchsten Berg, in dem alle Stollen zusammen kamen, hatten die Jäger eine große Halle ausgeschlagen. Der Raum reichte siebenhundertundfünfzig Schritt in der Länge und dreihundert Schritt in der Höhe. Die Halle diente der Versammlung und der Rechtsprechung, doch nun war sie eine Markthalle. Alle neununddreißig Monde wurde der Markt bei einem der drei Zwergenvölker abgehalten.

Es waren schon einige Karawanen eingetroffen und boten ihre Waren an. Es gab Waffen, blank polierte Rüstungen und Kettenhemden, Werkzeug  und Schmuck. Einige hielten einen Plausch bei einem Schluck Schwarzbier den sie aus Stierhörnern tranken. Andere vergnügten sich beim Tanz zur Musik von Dudelsack und Trommel.

Wallungur hatte sich bei den Ständen der Schmiede angestellt. Er brauchte ein neues Jagdmesser. Sein altes das er nach dem Mudrok geworfen hatte war nach dem Streit mit den Zwergen vom Clan der Grossohren verschwunden.

*Verflixte Grossohren, nicht nur das sie ihre Leute in den sicheren Tod schicken, sie stehlen auch wie die Kobolde.*  
 dachte er leise während er ein Messer in seinen Händen drehte und anschaute. Die Klinge war geschmiedet vom Clan der Eisendreher und zeigte ein gekräuseltes Muster wie die Fasern einer Baumwurzel. Der Griff war von dem Geweih eines Hirsches gemacht und der Handschutz aus den Reißzähnen eines Mudrok. Er wollte nach dem Preis fragen als ihn jemand hart an seinem Kapuzenumhang packte. Es war Swongor Grossohr, der jüngere Bruder von Swanthe. Der Zwerg zog Wallungur dicht an sein Gesicht und flüsterte ihm etwas zu. „Ich danke dir für die Rettung meiner Schwester. Sie will dich Morgen wenn der Markt beendet ist im Pilzgarten treffen." Dann schubste er Wallungur von sich und rief:
„Gehe mir aus dem weg Breitrücken." Ehe Wallungur etwas erwidern konnte war Swongor auch schon verschwunden.

* Was will Swanthe Grossohr von mir?* fragte er sich im Stillen. Wollte die Zwergin sich ebenfalls bedanken? Oder plante Bringas Grossohr einen Hinterhalt um über ihn herzufallen? Dem Jäger blieb keine Zeit darüber nach zu denken, ein Mitglied seines Clans trat zu ihm und brachte die Nachricht, dass sein Vater ihn sehen wolle. Wallungur bezahlte das Messer und machte sich auf seinen Vater zu suchen.

Er fand seinen Vater in der Taverne. Osander Breitrücken prostete einem Zwerg zu den Wallungur nicht kannte. Doch seine mit Edelsteinen besetzte Rüstung ließ erahnen, dass er aus dem Südlichen Gebirge, der Heimat der Gemmenschneider, stammen musste. Als Osander seinen Sohn erblickte, winkte er ihn zu sich. „Seht das ist mein Sohn Wallungur!" sagte er stolz zu dem fremden Zwerg. Er reichte Wallungur ein mit Starkbier gefülltes Horn und stellte ihm den Edelsteinschleifer vor. „Das ist Ungar Rubinschneider! Er hat von deinem Kampf mit dem Mudrok gehört und möchte dich als Gefährte für seine Tochter!!" 

Wallungur traute seinen Ohren nicht. Tochter? Gefährte? An das Vermählen und Familie hatte er noch gar nicht gedacht. Doch was würde ihm schon übrig bleiben als zu gehorchen. Der Bund mit einem Clan aus einem der anderen Gebirge war selten und würde dem Clan der Breitrücken Ansehen und Wohlstand bringen. Eine Zwergin trat an die drei Männer heran. Sie schien etwas älter als Wallungur sein. In ihren blonden Zöpfen waren kunstvoll Halbedelsteine eingeflochten worden, die rote Bluse war mit Goldkettchen verziert und der blaue Rock reichte bis zum Boden. Ungar nahm die Zwergin in den Arm und lächelte. „Das ist meine Tochter Silandis." Dann zeigte er auf Wallungur. „Das ist der Bezwinger des Mudrok von dem die Spielmänner erzählt haben. Die Breitrücken sind die besten Jäger mit den erfolgreichsten Beutezügen." 

Die Zwergin wusste nicht recht was sie von Wallungur  halten sollte. Seine braunen Haare reichten bis über die Schultern und hatten nie einen Kamm oder dergleichen gesehen. Der Bart war zerzaust und voller Brotkrümel. Seine Kleidung war schlicht und der grüne Kapuzenumhang ausgefranst. Das einzige was blitzte war seine langstielige Axt und sein Jagdmesser. So hatte sie sich einen Helden nicht vorgestellt. 

Die beiden Väter stießen erneut die Hörner aneinander. „Nun geht und lernt euch etwas kennen." grinste Osander den beiden zu und leerte sein Trinkhorn. Wallungur und Silandis gingen über den Markt. Sie ging neben dem Jäger hielt aber einen gewissen Abstand. „Tragen bei euch alle eine Waffe?" fragte sie und Wallungur nickte. „Aber sicher wir sind Jäger und Krieger! Tragt ihr keine Waffen?" Nun begann die Zwergin zu reden und zu reden und zu reden. Der Zwerg erfuhr dass im Südlichen Gebirge nur die Krieger Waffen mit sich führten, die Tunnelgräber schafften die Edelsteine und Edelmetalle heran.  Er erfuhr dass die Wände der Gänge und Hallen verziert waren mit Geschichten und Legenden zu Ehren von Adamas der die Zwerge erschuf. „Aber die Künstler genießen das größte Ansehen" schwärmte sie.

Um dem Mitteilungsdrang  der Zwergin Einhalt zu gebieten, machte Wallungur den Vorschlag etwas zu Essen. Sie setzten sich an einen Tisch und ein Zwerg brachte ihnen Schüsseln mit dampfender Suppe. Silandis griff nach dem Holzlöffel und begann zu essen. Wallungur umfasste die Schale mit beiden Händen, schlürfend goss er sich die Suppe in den Mund und die letzten Fleischstücke klaubte er mit den Fingern aus der Schüssel. Danach bestellte er ein Bier, leerte das Horn in einem Zug, rülpste zufrieden und wischte sich mit dem Bart den Mund ab.

Die Zwergin schaute ihn mit zusammen gezogenen Brauen an. „Schmeckt die Suppe nicht?"fragte Wallungur unschuldig. Sie schleuderte den Löffel in die Schüssel so dass der Inhalt überschwappte. „Und wenn mein Vater mich windelweich prügelt, mir den Kopf kahl schert oder mich aus dem Clan verbannt… einen stinkenden und schmatzenden Ziegenbock wie du einer bist werde ich niemals heiraten"  nach diesen Worten erhob sie sich und ging empört. Die anderen Gäste die Zeuge des Vorfalles waren, begannen zu lachen. „Die hast du mit deinem Charme aber richtig um den Finger gewickelt „ Irritiert sah ihn Wallungur an, „Warum denn, ich weiß gar nicht was sie hat."

Wallungur ließ sich noch einige Male das Horn füllen, vom Bier benebelt ging er zu seiner Unterkunft wo bereits sein Vater auf ihn wartete. „was bei Jared hast du gemacht? Sie hat gedroht sich im Fluss zu ertränken wenn sie dich heiraten müsse!" schrie sein Vater ihn an. Den Rest der Standpauke hörte Wallungur nur mit einem Ohr denn mit seinen Gedanken war er schon bei dem Treffen am morgigen Tag.
Am folgenden Tag hatte der Markt seinen Höhepunkt erreicht. Überall wurde gehandelt, gefeilscht und so manche Schlägerei ausgetragen. Wallungur lockerte seine Axt die in einem Schulterreimen auf dem Rücken hing, er wollte auf alles vorbereitet sein. Vorsichtig betrat er die Stollen in dem sich die Gärten befanden.  Wallungur versuchte Bewegungen aus zu machen um darauf reagieren zu können, aber es war totenstill und es roch nach Gemüse und Kartoffeln. Plötzlich packte ihn jemand von hinten und zog ihn in eine Nische. Wallungur zog seine Axt, drehte sich um und schaute in das Gesicht von Swanthe. 

Er wusste nicht was er sagen sollte. „Ich bin alleine, mache dir keine Sorgen" flüsterte die Zwergin leise und schaute sich wachsam um. „Was willst du von mir?" fragte er die Zwergin. Sie griff unter ihr Kettenhemd und holte das Jagdmesser hervor das Wallungur in den Mudrok getrieben hatte. „Ich wollte es dir zurück geben und dir dafür danken, dass du mir zu Hilfe geeilt bist. Mein Vater ist besessen, er spricht immer von einer Blutfehde und keiner weiß wie die begonnen hat."  Wallungur Schaute der Zwergin in die braunen Augen und es Kribbelte in seinen Bartspitzen. „Behalte das Messer, es soll dich schützen." Er wandte sich zum Gehen doch Swanthe hielt ihn Fest. „Wollen wir uns morgen Nacht wieder sehen?" fragte sie schüchtern Wallungur nickte auf und stimmte zu. Beide wussten dass dies gefährlich für sie werden konnte. 
Raziael/ überarbetung Rina Smaragdauge

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