Sonntag, 26. Februar 2012

Liebe auf das erste Wort

Thomas schaute aus dem Fenster, der Himmel war bewölkt und der erste Schnee würde nicht lange auf  sich warten lassen. Er hörte das Knurren und Knattern der Kaffeemaschine und wandte sich von dem Fenster ab. Er lebte allein in seiner Zweizimmerwohnung und das schon seit Sechs Jahren. Die Beziehungen zu Frauen endeten immer in einer Enttäuschung. Nun war er dreiundvierzig Jahre Alt und damit, seiner Meinung nach, der Zug abgefahren.

Mit einer Tasse dampfenden Kaffee setzte er sich an seinen Computer und wartete dass die Programme hochgefahren wurden. Er hatte Bücher von Markus Heitz gelesen, besonders die Geschichten über die Zwerge hatten es ihm angetan. Die Beschreibung der Waffen und Rüstungen.
In seiner Wohnung hatte er Schwerter und Äxte an den Wänden und in den Regalen türmten sich DVDs über Ritter, Hexen und alles was mit Fantasy zu tun hatte. Zu seinen Favoriten gehörte die Trilogie von „Der Herr der Ringe." 

Nun suchte er die Feuerklinge, eine Waffe die den Büchern Markus Heitz erwähnt wurde und sollte es diese Axt als Zierwaffe geben wollte er sie haben. Er gab den Begriff in die Suchmaschine ein und drückte Enter. Sofort wurde eine Liste von Linkadressen angezeigt jedoch nichts das ihm seinem Ziel näher brachte. Er versuchtes mit Bildern und wählte diese Option. Ein Foto das seiner Vorstellung der Feuerklinge am nächsten kam klickte er an. Die Linkadresse entpuppte sich als ein Forum und wurde als Zwergen RPG erklärt.
Thomas wusste nichts damit an zu fangen * Was zum Geier ist ein RPG? * Dachte er sich und öffnete die Seite. Nach kurzem Lesen hatte er erfahren des es sich um eine Art Spiel handelte, nur das man nicht die Charakter mit der Maus oder Joystick bewegte sondern Geschichten schrieb. Thomas war neugierig und besorgt. Was wenn es Pflicht war zu schreiben, seine Grammatik war nicht die beste und seine Ausdrucksweise ließ zu wünschen übrig. 

Nach einem Schluck Kaffee hatte er sich entschieden und meldete sich in dem Forum an. Er wählte einen Nicknamen und die Rasse, natürlich ein Zwerg etwas anderes kam gar nicht in Frage. Thomas klickte sich durch sie Seiten und Threads, las eine Quest und lockte sich in die Shoutbox ein.
In diesem Chat schien im Moment kein Gespräch zu sein, doch laut der Anzeige waren einige Mitglieder online. „ Jemand da?"  schieb er und wartete, doch nichts geschah. Thomas holte sich noch einen Kaffee als er sich wieder vor den Monitor setzte stand in der Box. „ Jetzt schon „ mit einem Lachenden Smiley dahinter. Der unbekannte hieß Thomas willkommen und erklärte ihm die Regeln in dem Forum. Thomas unterhielt sich eine Zeit mit dem Fremden, der ihn durch das Forum leitete und wurde auch sogleich in eine Quest eingeladen.

Thomas überlegte lange wie er seinen Charakter aussehen lassen sollte. Dann schaute er sich die Charakter der anderen Mitglieder an um sich etwas Inspiration zu holen. Dabei stieß der auf den Fremden der ihm alles erklärt hatte. Der Fremde war eine Fremde, eine Frau. Thomas las alles was es über sie zu erfahren gab, dann erstellte er seinen ersten Zwerg.

Am nächsten Tag kam er früh von der Arbeit und machte sich gleich daran seinen ersten Post zu schreiben, neben dem Keyboard lag ein Wörterbuch. Am Tag darauf hatte er eine PN in seiner Mailbox „ Ich finde dass du sehr schön schreibst" Thomas erwiderte das Kompliment. Von diesem Tag war Thomas jeden Tag in dem Forum, immer öfter sprachen er und Irene, das war der Name der Fremden, im Flüsterchat.
Irene erzählte ihm dass sie fünfunddreißig Jahre alt sei, seit einem Jahr wieder Single war und dass ihre Beziehung in einem Desaster geendet hatte. Thomas tat Irene leid, er hatte dergleichen selbst schon oft mit gemacht. Um sie etwas zu trösten schrieb er für Irene ein Gedicht, ohne nach zu denken schrieb er was er in diesem Moment fühlte. Irene bedankte sich bei ihm „ Das ist Lieb von dir, das ist das erste mal das Jemand ein Gedicht für mich schreibt. „  

Thomas und Irene sprachen nun Regelmäßig mit einander und erzählten immer mehr von sich. Manchmal ertappte Thomas sich dabei wie er versuchte sich ein Bild von Irene zu machen, Ihre Haare, Ihre Augen, Ihre Figur, doch eines wusste er das sie ein Lieber und sensibler Mensch sein musste.
Weihnachten Kam und ging vorüber. Thomas und Irene hatten noch immer Kontakt. Er konnte sie sogar dazu überreden sich Skye zu Installieren. Als er erstmals ihre Stimme hörte lief ihm ein schauer über den Rücken, er fühlte sich wie ein Teenager bei seinem ersten Date. Von da an schickten sie sich Jeden Tag E-Mails, Jeden Morgen schieb Thomas ein Gedicht für Irene. Der Drang sie zu sehen, sie zu berühren, sie zu Küssen wurde immer stärker.

An einem Tag im Februar machte er den Vorschlag sich einmal zu treffen und mit einem Schlag war es still. Es war als hatte jemand das Mikro auf stumm gestellt. Als Irene dann nach langem Schweigen ablehnte brach für Thomas die Welt zusammen. Am folgenden Tag war er völlig unkonzentriert und machte seine Arbeit nur Halbherzig. Was hatte er falsch gemacht? Oder hatte etwas gesagt das sie verletzt hatte? Thomas wusste sich keinen Rat. Er sprach mit einem Freund darüber und er sagte es ihm gleich deutlich und unverblümt: „ Du Trottel wie kannst du um ein treffen fragen, die Frau hat Angst die kennt dich Penner doch gar nicht."
Das klang logisch und Thomas hatte eine Idee. Beim nächsten Gespräch wollte er ihr Vorschlagen sich in der Mitte zu Treffen. Er wählte die Stadt Düsseldorf, das war für beide eine Fahrt von drei Stunden mit dem Zug, überall würden Menschen sein und Irene brauchte sich nicht zu fürchten denn sie wäre nie allein mit ihm. Als Datum wählte er seinen Geburtstag, diesen Tag hatte er nie richtig gefeiert aber wenn er etwas Besonderes tun wollte dann nur mit Irene.

Als Sie das hörte war sie immer noch unsicher. Irene erklärte ihm das Furcht und misstrauen das kleinere Problem seien, sie habe vor etwas ganz anderem Angst. Thomas ließ nicht locker und bohrte weiter um zu erfahren wovor sie sich so fürchtete. Mit leiser Stimme sagte sie: „ Ich habe Angst das du wieder in den Zug steigst wenn du mich siehst." Thomas war geschockt als er das hörte. Warum sollte er das tun? Hatte sie ein Glatze? eine krumme Nase? „Ich werde nicht wieder in den Zug steigen" versprach er.
Die beiden Sprachen nicht mehr darüber. Dann eine Woche später fand er eine Nachricht in seiner Mailbox „ Wir Sehen uns in Düsseldorf" Thomas hätte vor Freude an die Decke springen können als er die Worte las. Er Kaufte neue Kleidung, ließ sich die Haare schneiden und besorgte das Zugticket.

 Dann begann das warten, es dauerte noch drei Wochen bis zu ihrem Treffen. Die Tage wollten nicht vergehen und die letzte Woche schien unendlich zu sein. Dann war es soweit, Er hatte einen Strauß Tulpen gekauft und stieg in den Zug.
Thomas hätte nie gedacht das drei Stunden solang dauern konnten. Kurz vor Düsseldorf blieb der Zug stehen „Kurze Unterbrechung" kam es aus dem Lautsprecher. Thomas hätte den Zugführer am liebsten Erwürgt. Nach langen fünf Minuten fuhr der Zug weiter und rollte in den Hauptbahnhof von Düsseldorf ein. Thomas stieg aus dem Zug und lief auf dem Bahnsteig herum und hielt die Blumen sichtbar vor sich. „Hey Thomas." Hörte er hinter sich. Er drehte sich um und schaute in Funkelnde grüne Augen, sein Herz hatte den Turbo eingeschaltet und raste. Vor ihm Stand Irene. Sie hatte ein Volles rundes Gesicht mit dem schönsten Lächeln das er jemals gesehen hatte. Er konnte nicht anders er nahm sie ihn den Arm und küsste sie lange. Irene erwiderte die Zärtlichkeit und klammerte sich an ihn. Die Leute auf dem Bahnsteig, die Meldungen aus dem Lautsprecher, nichts davon existierte noch. Für Thomas gab es nur Irene und in diesem Augenblick wusste er, Er würde Irene nie mehr los lassen. 
Für einen Lieben Menschen
Raziael 

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