Sonntag, 30. Oktober 2011

Chroniken von Vana'Diel Kapitel 36 (Ein Abschied für immer)

 Cevh hatte sich schnell erholt, doch Saxon war noch sehr schwach. Die ersten Versuche Magie zu wirken, waren überaus anstrengend für ihn und oft schlugen sie fehl. Cevh dagegen verbesserte sich immer mehr. Das Austauschen von Lebensenergie und Mana fiel ihm immer leichter. Selbst das Wirken einiger Zauber erreichte er durch einfaches Denken. 


Die Furcht vor Bluschnok hatte Saxon bald überwunden. Während Saxon sich erholte, lehrte Bluschnok ihm das Harfe Spielen, auch entpuppte sich Saxon als begnadeter Sänger.
Eines Morgens wurde Saxon geweckt. Es war Bluschnok, durch seine versuche leise zu sein verursachte der Plumpe Ork nur noch mehr Lärm „Was machst du da" fragte Saxon und rieb sich den Schlaf aus den Augen. Bluschnok schaute sich erschreckt um, er hatte einen Mantel aus Hasenfellen und seine Harfe in den Händen „ Entschuldige wenn ich dich aufgeweckt habe" sagte der Ork mit Betroffener Miene „ich will hinaus zum Weiher gehen und mir etwas ansehen" sagte er weiter und warf sich den Mantel um.

Saxon versuchte auf zu stehen "Dann komme ich mit" sagte er und versuchte auf Wackligen Beinen zu gehen. Bluschnok winkte ab „ nein du bist noch zu Schwach und es ist noch sehr Kalt" doch Saxon bettelte bis der Ork nachgab. Bluschnok legte Saxon eine grobe Wolldecke über die Schultern und trug ihn auf seinen Schultern. Cevh sah die beiden aus dem Haus gehen, doch er war noch Müde und zog sich die mit Entenfedern gefüllte Bettdecke über den Kopf.

Die Sonne war noch nicht aufgegangen und der Nächtliche Tau zierte die Netze der Spinnen mit Silberfarbenen Perlen. Steinkauze ließen laute hören sobald der riesige Ork und Saxon die Bäume passierten auf denen sie saßen. Saxon konnte nicht sagen wie lange sie gegangen waren als sie einen Weiher erreichten an dessen Ufern hohes Schilf wuchs. An einer Stelle an der das Schilf einen Blick auf den Weher bot, machten sie halt. Bluschnok setzte Saxon auf einen Stein, er selbst setzte sich neben dem Tarutaru in den Sand.

Bluschnok begann auf seiner Harfe zu Spielen und es war als hätten die Melodie des Ork, die Sonne aus ihrem Schlaf geholt. Gleich einer riesigen Kugel aus Feuer erhob sich die Sonne über den Wipfeln der Bäume und warf ihr Licht auf den See dessen Oberfläche schimmerte als wäre er mit Hunderten von Silbermünzen angefüllt. Auf der gegenüberliegenden Seite des Weihers streckten Hirsche ihre mächtigen Geweihe durch das Schilf hindurch um ihren Durst zu löschen.
Nun erwachte auch im Schilf das Leben. Saxon konnte Kraniche erkennen die vor ihren Nestern standen. In jedem Nest befanden sich zwei bis drei Eier, die Kraniche schauten gebannt auf die Eier als würden sie auf etwas warten. 


Plötzlich wurden die Kraniche unruhig, die Eier begannen zu wippen. Nun verstand Saxon was dort geschah, die Küken waren dabei zu schlüpfen. Überall in dem dichten Schilf konnte man zerbrochene Eierschalen sehen aus denen junge Vögel krochen und Bluschnok hieß sie mit seinem Lied willkommen.
Es war so überwältigend das Saxon keine Worte fand die dieses Erlebnis hätten beschreiben können. Er versuchte so viel eindrücke wie möglich in sich auf zu nehmen, Saxon wollte Cevh und den anderen davon erzählen um sie daran teilhaben zu lassen.

Als Bluschnok mit  seinem Spiel endete sagte Saxon: „Das war wunderschön, noch nie habe ich die Geburt von neuem Leben so nah beigewohnt" Bluschnok lächelte und antwortete: „ ich schaue es mir Jedes Jahr an, es erinnert mich daran das es richtig war dem Priester zu folgen und von ihm zu lernen"  dann holte er ein Bündel aus seiner Tasche, es war ein Rosinenbrot. Bluschnok brach ein Stück davon ab und reichte es Saxon.

Sie genossen die speise und sahen den Kraniche zu, die im seichten Wasser für ihre Brut nach Futter suchten. Saxon schaute den Ork an und fragte: " Warum gehst du nicht zu deinem Volk und lehrst ihnen all die schönen Dinge" Bluschnok verschlang sein Brot und sagte: „ Bitte denke nicht falsch von den Beastman, wie auch die Völker Altanas denken die Orks das sie das richtige tun, sicher wird es den einen oder anderen Beastman geben der so denkt wie ich, doch wie auch ich wird er sich verstecken aus Angst vor der Wut seines eignen Volkes und der Furcht das ihm nicht geglaubt wird" Saxon kaute  an seinem Brot und dachte über das nach was Bluschnok ihm gesagt hatte. Der Tarutaru schaute Nachdenklich zu dem großen Ork und fragte: „Was wäre wenn es Promathia nicht mehr geben würde" Bluschnok zuckte mit den Schultern „Vielleicht gibt es dann auch keine Beastman mehr" sagte er, dann schauten er und Saxon schweigend auf den See und genossen das Schauspiel, das von der Natur aufgeführt wurde.


Cevh hatte bereits das Feuer angefacht und Teewasser zum Kochen gebracht, als Saxon und Bluschnok zur Hütte zurückkehrten. Der Ork setzte den Tarutaru auf die Pritsche und machte sich einen Becher Tee „ Wo seid ihr gewesen?" fragte Cevh und machte sich ebenfalls einen Tee. Saxon erzählte ihm von dem Weiher und dem Schlüpfen der Jungen Kraniche, nun bereute Cevh das er den Schlaf vorgezogen hatte.
Dem kleinen Tarutaru ging es von Tag zu Tag immer besser und bald konnte er mit Cevh zusammen die Magischen Übungen machen. Es dauerte nicht lang und Saxon hatte Cevh übertroffen. Er schaffte es einige Elementarzauber der Stufe Vier zu wirken und sogar verschiedene Ziele gleichzeitig zu attackieren.
Als Cevh sah das es seinem Freund besser ging, drängte er zum Aufbruch „Wir müssen weiter und die anderen finden" Saxon wusste das Cevh recht hatte, doch nur ungern verließ er Bluschnok mit dem er oft Stunde um Stunde Philosophiert hatte. 


Eines Morgens war es dann soweit. Gut erholt und versorgt mit ausreichen Proviant verließen die zwei Bluschnok. Allen fiel der Abschied schwer auch wenn es niemand zugeben wollte. Sie reichten einander die Hände. Bevor sie aufbrachen sagte Cevh: „Ich hoffe das wir uns irgendwann einmal wieder sehen und du dein Exil verlassen kannst" der Ork hob die Schultern und sagte: „ wer weiß, die Wege des Lebens sind nicht vorhersehbar" und wieder versuchte er ein Lächeln.

Bluschnok winkte dem Elvaan und dem Tarutaru hinterher, doch bald wurde der Wald dichter und sie verloren den Ork aus den Augen. Als die Sonne am höchsten stand stieß Saxon einen Fluch aus „Bei Promathias Unterwelt, ich habe meine Schatulle mit den Zaubern vergessen" Cevh schaute ihn tadelnd und sagte: „ Du kannst sie doch auswendig, so wichtig sind die Pergamente doch nicht" Saxon schüttelte energisch den Kopf und bestand darauf die Schatulle zu holen und zum anderen waren die Pergamente ein Geschenk. Cevh grinste „ok dann gehen wir zurück, obwohl ich glaube das du nur noch einmal von Bluschnoks Pasteten naschen willst" beide machten kehrt und gingen zurück in die Richtung, in der die Lichtung mit der Hütte war.

Cevh und Saxon waren schon ziemlich nahe bei der Lichtung, als über den Baumkronen dicker Rauch aufstieg. Ohne nachzudenken rannten Cevh und Saxon auf die Lichtung zu. „ Neiiin" schrie Saxon, die Hütte von Bluschnok stand in Flammen.
Saxon wirkte augenblicklich einen Wasserzauber. Die Lichtung wurde in weißen Wasser dampf gehüllt, mit lauten Zischen erloschen die Flammen. Saxon und Cevh riefen laut nach Bluschnok, doch sie bekamen keine Antwort.

Mit kleinen Windzaubern vertrieben die beiden Magier den feuchten Nebel und schon bald standen sie vor der Ruine der Hütte. Saxon schlug mit einem Stock die schlammige Asche zu allen Seiten, Cevh durchsuchte die Umgebung nach Hinweisen wer das getan haben könnte. Saxon fand in den Trümmern die Harfe von Bluschnok, die Seiten waren gerissen und sie war vom Feuer verkohlt. Mit Tränen in den Augen und der Harfe in beiden Händen, ging der Tarutaru zu Cevh der vor einigen Fußspuren kniete „ warum haben sie das gemacht, Bluschnok hat niemanden etwas zu leide getan" sagte Saxon als er neben Cevh stand. Der Elvaan schüttelte den Kopf und sagte: „Das waren keine Holzfäller, die Spuren weisen Zeichen von Metalbeschlägen auf, das waren Söldner" Saxon und Cevh wussten das die großen Städte Kopfjäger anheuerten, für jeden erschlagenen Beastman wurden Belohnungen bezahlt.


Cevh und Saxon suchten noch eine Zeit lang den Wald ab, in der Hoffnung das Bluschnok noch Lebte, doch ohne Erfolg. Sie bargen alle Habseligkeiten des Orks aus der Ruine und begruben sie. Saxon sandte ein Gebet zu Altana, sie möge sich dem Gutmütigen Ork annehmen. Als sie die Zeremonie beendet hatten, verließen sie die Lichtung und nahmen endgültig Abschied von Bluschnok, dem Ork der ein größeres Herz hatte als so mancher Mensch oder Elvaan.
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