Sonntag, 23. Oktober 2011

Chronicken von Vana'Diel Kapitel 35 ( Du bekomst keinen Tribut)

 Dunkle schwarze Wolken ließen den Tag zur Nacht werden. Regen und Hagel fielen auf die Matrosen nieder wie Geschoße. Das Schiff von schweren Sturmböen, hin und her geworfen. Shir und der Galka mussten immer wieder gegensteuern, um das Boot gerade im Wind  zu halten. Würde das Schiff seitlich von einer Böe getroffen werden, wäre ein Kentern unaufhaltbar gewesen. 

Der Bug des Schiffes schlug tief in die See und durch die Wasserbrecher nahm das Boot viel Wasser auf. „ Steuerbord und Backbordwache unter Deck, sie sollen an die Pumpe" befahl der Kapitän. Der Leutnant blies in eine Pfeife und sofort liefen zehn Männer unter Deck. Sie rannten in einen Raum, der hinter der Kapitänskajüte lag. In diesem Raum befand sich die Pumpe, ein Gehäuse aus Holz mit Zwei Zylindern aus Metall. An jedem Zylinder waren lange Stangen angebracht, wurde ein Zylinder herunter gedrückt, presste die sich darin befindende Luft das Wasser in ein Rohr das aus dem Schiffsrumpf führte. Die Männer postierten sich an den Zylindern und begannen zu pumpen.

Auf dem Oberdeck ging es hoch her, ständig mussten die Segel in eine andere Position gebracht werden. Nette und Doreen stellten sich zwischen die anderen Matrosen und zogen an den Seilen „ Hau ruck, Hau ruck, Hau ruck" riefen sie gemeinsam im Takt. Bald hatte der Sturm seinen Höhepunkt erreicht, Blitze erleuchteten am Himmel und ließen an den Masten, Sankt Elmsfeuer erscheinen.

An den Großmasten wurden risse sichtbar und die Segel waren zum reißen gespannt „Frickly, nach oben und Kapp die Schnüre bevor der Mast bricht" rief der Kapitän dem Tarutaru zu. Mit einem Seemannsmesser zwischen den Zähnen, kletterte Frickly die Strickleitern hoch. Plötzlich zuckte ein Blitz vom Himmel herab und Bohrte sich in den Mast. Es war Ohrenbetäubend, das Holz zerbarst in kleinestücke, begleitet von einem Schrei brach der Mast und fiel in das Meer. „ Mann über Bord" erklang es laut. Sofort befahl der Kapitän: „alles was schwimmt ins Wasser" leere Fässer und Planken wurden über Bord geworfen.


Zwischen den wrackteilen, war Frickly zu erkennen. Er schwamm um sein Leben, doch die Wellen schlugen gnadenlos auf ihn ein und drückten ihn immer wieder Unterwasser. Der Gebrochene Mast war immer noch durch die Seile mit dem Schiff verbunden und wirkte wie ein Anker, das Schiff wurde gefährlich auf die Seite gelegt. Nette, Doreen und die anderen Seeleute Standen an der Reling und feuerten Frickly an, er solle schneller schwimmen, doch schon bald verließen ihn seine Kräfte.

Der Kapitän drängte sich zwischen den Leuten durch an die Reling, in seinen Händen zwei Äxte. Eine der Äxte wollte er Nette geben, doch sie weigerte sich „Wir müssen die Seile kappen, sonst sterben wir alle" brüllte er sie an. Nette sah den Kapitän wütend an, auch wenn sie wusste dass er Recht hatte, wollte sie nicht aufgeben. Während der Kapitän und ein Matrose auf die Seile einschlugen, stellte sich Nette abseits und versuchte Kraftspendende Zauber auf Frickly zu wirken, doch durch die Hohen Wellen und den Stürmenden Regen verlor sie immer wieder den sichtkontakt zu Frickly.

Der Kapitän schlug mit der Axt auf die gespannten Seile, als das letzte Seil durchtrennt war, richtete sich das Boot wieder auf, einige der Matrosen atmeten erleichtert auf, andere riefen dem Tarutaru zu, er solle nicht aufgeben. Der Abstand zwischen Frickly und dem Schiff vergrößerte sich, durch den Sturm hörte jeder die schreie von Frickly „ Nein, bitte nicht wegfahren, Neeeii…." dann wurde er wieder von einer Welle getroffen.


Nette trommelte mit geballten Fäusten auf die Reling und schrie vor Wut und Verzweiflung. Mit Tränen in den Augen schaute sie zu Frickly, der sich immer weiter entfernte. Dann kam ihr ein Gedanke *Es gibt einen den ich nicht sehen muss um auf ihn Zauber wirken zu können* sie sprang auf die Reling und stürzte sich in die tobenden Fluten. „Mann über Bord" erklang es erneut, der Kapitän schaute auf das Wasser und sah Nette die sich durch die hohen Wellen zu Frickly kämpfte „dieses dreimal verfluchte Weib" rief er.


Im Wasser entledigte Nette sich ihrer Kleidung, sie musste viel Salzwasser schlucken und hatte große mühe die Orientierung nicht zu verlieren. Bald hatte sie den Tarutaru erreicht, sie gab ihm eine Ohrfeige, damit er wieder zu sich kam „ Halte dich an mir fest und wage es nicht los zu lassen" rief sie ihm zu, sie wirkte einen Zauber auf sich selbst und begann zu schwimmen, dort hin wo sie das Schiff vermutete.
Itaban kam angelaufen, er völlig durchnässt „wo ist die Mithra" rief er dem Kapitän zu „sie ist dem Koch hinterher gesprungen" gab er zur Antwort. Itaban versuchte in dem grauen Meer etwas zu erkennen, doch der Sturm nahm ihm jede Sicht.


Nette schwamm aus Leibeskräften, manchmal glaubte sie das Meer wolle den Tarutaru von ihrem Rücken reißen. Erst wenn sie völlig erschöpft war, hielt sie inne und wirkte einen Kraftzauber, der ihr neue Energie spendete. Sie wusste nicht ob sie das Schiff einholen würde, doch aufgeben kam nicht in Frage, wenn sie schon Sterben sollte dann nur im Kampf. Der Sturm erschwerte Nette das vorankommen, das Meersalz brannte in ihren Augen und Frickly der sich in ihrem Fell festklammerte schien immer schwerer zu werden.
Wieder türmten sich die Wellen auf, schlugen auf Nette ein und drückten sie unter Wasser. Nette spuckte das salzige Wasser aus und Lachte „ wenn das alles ist was du kannst Promathia, dann lache ich über dich" rief sie, woraufhin wieder ein mächtige Welle auf sie niederfiel. „ Ist das alles was du kannst? Das soll ein Sturm sein? Meine Großmutter konnte lauter furzen" antwortete sie auf das wilde fauchen des Windes.  Nette wirkte erneut einen Kraftzauber, dann schwamm sie weiter „ Siehst du mich? Ich bin Nette White, Ich bin ein Nachkomme von großen Magierinnen, du wirst mich nicht auf die Knie zwingen" die Wellen schienen immer höher zu werden und das fauchen des Windes glich einem Hasserfüllten brüllen.



Nette spürte kaum noch ihre Beine und ihre Arme brannten wie Feuer, doch das war ihr nun egal. Sie würde bis nach Jeuno schwimmen wenn es sein musste „ Bist du Wütend Promathia? Diesmal wirst du keinen Tribut erhalten, keinen weg Zoll" wieder wirkte sie einen Zauber, dann war ihre Magie verbraucht. „ Wenn es dich nach Blut dürstet, dann saufe dein eignes und ersticke daran" schrie Nette, dann mobilisierte sie ihre letzten Reserven.

Shir hatte seinen Posten verlassen, als er hörte das Nette über Bord gegangen war. Angespannt schaute er auf das wilde Meer hinaus. Itaban legte ihm die Hand auf die Schulter „ Es tut mir Leid" sagte er und wandte sich um zum gehen. Shir packte Itaban  am Arm und zeigte aufs Meer hinaus. Zwischen den peitschenden Wellen, waren zwei Köpfe zu erkennen „ Das ist sie" rief Shir. Er und Itaban rannten unter Deck, nahmen sich einige Seile und einen Enterhacken, dann eilten sie zurück zum Achterdeck.
Mit Starken Knoten verband Shir die Seile miteinander, Itaban machte den Enterhacken an einem Ende des Seiles fest. Itaban schlug den Hacken in eine starke Planke, dann übergoss er den Hacken mit Petroleum. Shir nickte Itaban zu als er alle seile aneinander geknotet hatte, Itaban entzündete das Petroleum mit einem Zündstein und schleuderte ihn auf das Meer hinaus.


Nette war am Ende ihrer Kräfte. In der Ferne konnte sie die Umrisse eines Schiffes erkennen, doch sie war sich nicht sicher, genauso gut hätten es Wolken am Horizont sein können. Sie wusste nicht mehr wo sie war und ob sie in die richtige Richtung schwamm und ob das ganze überhaupt noch einen Sinn hatte. Dann sah sie ein Leuchten aufsteigen und wieder herabsinken, das gab ihr neue Hoffnung und sie begann wieder zu Kraulen. Nette erreichte den Enterhacken, der durch das Holz über Wasser gehalten wurde. Sie Fasste das Seil und zog sich daran zu dem Schiff hin.


Bald konnten Itaban und Shir die Mithra erkennen „halt dich fest" rief Itaban. Die beiden Elvaan zogen Nette und Frickly an Bord. Doreen legte beiden eine warme Wolldecke um, zwei Galka brachten die Mithra und den Tarutaru unter Deck.
Shir holte den Kristallsplitter aus der Tasche, streckte ihn zum Himmel empor und rief: „ Verlierer, du bist der Verlierer und wir werden dich fertig machen" Der Sturm schien schwächer zu werden und bald war die See wieder ganz ruhig.

Das Schiff setzte seine Reise fort in Richtung Jeuno. Frickly verwöhnte Nette wo er nur konnte und bedankte sich immer wieder bei ihr. Bald kam die Küste der Battalia-Tiefen in Sicht, für Shir, Nette und Doreen war der Moment gekommen um Abschied zu nehmen.
Raziael

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