Sonntag, 3. Juli 2011

Chroniken von Vana'Diel Kapitel 19 ( Die Nacht der Wahrheiten)

Bullwey hatte die zwei Mädchen zu den Chokobo Ställen begleitet und sie bei einer Gruppe Händlern untergebracht, auf diese Art würden Ariane und Marale sicher mit ihren Vorräten in Bastok ankommen. Als er die Mädchen in Sicherheit wusste, machte er sich auf die Suche nach  seinem kleinen Freund.

Saxon versuchte ehrgeizig die Magierin einzuholen. Als er das Ende der Treppe erreicht hatte, sah er ihren Schatten eine weitere Treppe hinabsteigen. Er atmete kurz durch und rannte keuchend weiter hinter der Schwarzkünstlerin her. Diese Treppe brachte ihn in eine Art Sackgasse.

Nur der Eingang in einen Stollen war zu sehen. In einer Ecke der Halle hockte ein betrunkener Elvaan. Saxon stupste sein Bein mit dem Fuß an, denn mehr von dem Suffkopf traute er sich nicht zu berühren. „Hey hast du eine Frau mit schwarzen Haaren gesehen?" der Elvaan Grinste dreckig „ich habe schon viele Frauen mit schwarzen Haaren gesehen, in welchem Teil des Hafens arbeitet sie denn?", lallte der Betrunkene und zog einen Lederschlauch hervor um zu trinken. 

Saxon wurde  wütend. „Nicht so eine, sie ist ein große Magierin.", sagte er dem Fremden und funkelte ihn zornig an. Der Elvaan lachte „Ach diese, die Freundliche Magierin die immer zu viel Trinkgeld gibt?" Saxon nickte aufgeregt „Du hast wohl auch zu tief in den Krug geschaut? Die Hexe ist ein Mythos! Wenn der Brandwein das Blut in den Adern übersteigt, sieht man vieles. Glaub mir, ich weiß das sehr genau.", knurrte der Elvaan. Dann nahm er erneut einen langen Schluck aus dem Lederschlauch. Als er absetzte sprach er weiter: „Niemand, ob Magier oder Krieger, keiner kann es sich in der heutigen Zeit leisten noch Trinkgelder zu geben, es sei denn man will sich zusätzlich zum Wein auch Liebesdienste oder Gesellschafft erkaufen". Saxon konnte und wollte dem Säufer nicht glauben. Er hatte sie doch selbst gesehen. Ohne weiter nachzudenken, lief er in den Tunnel.


Der Stollen war Finster, nur mit Mühe konnte Saxon erkennen wo er hintrat. Über sich hörte er ein Tosen und Brechen. Der Tunnel musste direkt unter dem Meer und den Klippen verlaufen. Er wusste nicht wie lange er gelaufen war, als er das Ende der Höhlen erreicht hatte und wieder die Sterne sah. In der Ferne erspähte er wieder den Schatten der Frau und folgte ihr. Saxon lief so schnell er konnte, als er glaubte sie fast eingeholt zu haben, stand er an einer Klippe. Er ging einen Pfad hinunter der in einer Höhle endete. Es war nichts zu sehen außer einem Steinhaufen. Einsam und verlassen warf ein Grabstein seinen Schatten. Mit einem seltsamen Gefühl trat Saxon an die Ruhestätte heran. Er blieb direkt davor stehen und las die Inschrift.

"Hier ruht Aerish, die Magierin, verflucht allein zu sein und immer auf der Suche nach einem einzigen wahren Freund, der sie liebt für wer sie ist und nicht für was sie bieten kann. Der Beweis deiner Freundschafft zu ihr sei sein eigener Lohn."

Unter der Inschrift war das Antlitz der Frau in den Stein gemeißelt worden. Saxon erkannte das Gesicht, es war seine Magierin. Er griff in seine Tasche und hielt gleich darauf fünf Münzen in seiner Hand. Es waren die schweren Goldstücke die sie ihm zu viel gegeben hatte. Er setzte sich in den nassen Sand und schaute mit feuchten Augen auf Meer hinaus. Plötzlich legte sich eine große Hand auf die Schulter von Saxon. Er hatte seinen hünenhaften Gefährten gar nicht kommen hören. Bullwey hatte Saxon gefunden und setzte sich neben ihn. „Ist sie das?", fragte er und betrachtete das Bild auf dem Stein. Saxon nickte.  „Nun bin ich so weit gereist, um zu erfahren wer sie ist und alles war umsonst. Nie werde ich hören was sie mir sagen wollte.", sagte er mit belegter Stimme. Bullwey strich mit seiner Hand über den Stein und vom Wind aufgetragener Schmutz bröckelte von dem Monolithen ab. Fünf Öffnungen in der Größe einer Münze wurden sichtbar. „Schau mal!", sagte Bullwey und deutete auf den Grabstein. Saxon legte die Goldstücke in die Öffnungen und lächelte dem Abbild ihres Gesichtes zu. Zuerst glaubte der kleine Taru seinen Verstand verloren zu haben, doch als er genauer hin sah, verlor das Edelmetall seinen Glanz, wurde grau, und schließlich nicht mehr vom Stein zu unterscheiden. Feine Risse bildeten sich dann darunter und mit einem leisen Kratzen tat sich ein geheimes Fach auf.

Darin befand sich eine Schatulle mit der Aufschrift „Für meinen einzigen wahren Freund."  Saxon Schaute in die Schachtel und fand Pergamente mit Zaubersprüchen. Nachdem der kleine Mann die Schriften wieder in ihr hölzernes Behältnis zurück gelegt hatte und dieses in seinem Rock verstaut, lehnte er sich an den riesigen Galka und ließ seinen Tränen freien Lauf. Bullwey nahm Saxon unter seinen Arm und ging mit ihm weg von diesem traurigen Ort zurück nach Jeuno. Er drehte sich noch einmal zu dem Grab um. Da schien es ihm als wäre das gemeißelte Gesicht der Frau nun glücklich.


Lodrik Kippte sich erneut ein Humpen Bier in den Hals „reicht es nicht langsam?" fragte der Wirt und füllte den Humpen erneut. „Halt den Mund und schenk nach" brüllte Lodrik den Wirt an. Der Humpen leerte sich in einem Zug „Wenn du so weiter machst wirst du dich selbst ersäufen aber nicht deine Trauer" sagte eine alte Frau die plötzlich neben Lodrik stand „was weißt du den schon Grossmütterchen" sagte er und warf dem Wirt den Leeren Humpen zu. Die Alte lächelte Freundlich „ich Weiß eine Menge, erzähle was dich bedrückt" Lodrik erzählte der Frau von seiner Schwester, der Entführung und das er nicht im Stande war sie zu Retten, auch erzählte er von der Rettung der Kinder von Bastok.

 Die Frau nahm Lodrik den Vollen Humpen weg, den der Wirt gebracht hatte und trank einen Großen schluck. Dann sagte sie „aber du hast ihren größten Wunsch erfüllt, denkst du nicht das dies alles ist was du tun konntest? „ Lodrik  schaute die Alte an und fragte was sie damit meine. Die Frau Trank erneut und sagte „sie hat dich versteckt und sich für dich geopfert, weil sie wollte das du Lebst, das du zu einem Mann heran reifst und dem treiben der Beastman ein Ende setzt, denkst du nicht das es an der Zeit ist sie loszulassen und jemand zu beschützen der direkt bei dir ist?".

Lodrik schaute die Alte Lange an, dann sagte er „du hast Recht ich werde die Beastman verjagen und wen ich beschützen werde Weiß ich". Die Frau fuhr Lodrik sanft über die Wange „Glaube mir, deine Schwester ist stolz auf dich" sagte sie und legte den Hopf zur Seite, dabei glitten ihre grauen Haare weg und die Sicht auf ihre Stirn wurde frei auf dem ein Muttermal zu sehen war. Die Frau ging und ließ Lodrik allein, er schaute erneut auf das Bild seiner Schwester und ihm fiel wieder der Dunkle Fleck auf ihrer Stirn auf, er hatte es immer für einen Fehler des Malers gehalten, im Geiste holte er sich das Gesicht der Alten vor seine Augen „nein, nein das kann nicht sein" sagte er zu sich selbst. Er rannte der Frau hinterher, doch als er auf die Straße kam war niemand mehr zu sehen. Lodrik sank auf die Knie, er konnte und wollte seine Tränen nicht zurückhalten „Komm zurück, bitte komm zurück, bitte Schwester komm zurück" rief er doch niemand kam zu ihm, niemand gab Antwort. 


Nette stand vor einem Blankpolierten Stück Eisen und beschaute ihr Spiegelbild, sie Strich das Kleid glatt und ordnete die Federn auf ihrem Hut. Die Schneiderin hatte ihr lange zugesehen und hatte geschwiegen, doch nun ging sie auf Nette zu „Hallo, es scheint als würdest du dich auf ein Rendezvous vorbereiten, doch sieht es so aus, als wolltest du ihm nur gefallen"  sagte sie und musterte Nette genau.


Nette schaute sich um „Na sicher will ich ihm gefallen, auf den Knien wird er vor mir Rutschen, er soll erfahren was Scherz und Demütigung ist" sagte sie mit klangloser Stimme und sah wieder auf ihr Spiegelbild. Die Schneiderin schüttelte mit dem Kopf und fragte was der arme Kerl ihr den getan habe. Nette fuhr herum „Er ist ein Mann, ist das nicht genug? Sie protzen mit ihrer Kraft, tun und nehmen sich was sie wollen, ihr fauliger Atem nimmt dir die Luft, sie winden sich wie eine Schlange, grunzen wie ein Schwein und dir bleibt nichts anderes über als zu hoffen das es schnell vorbei ist" schrie sie die Frau an, riss sich den Hut herunter und schleuderte ihn in eine Ecke.

Nette sank auf einen Schemel, vergrub ihr Gesicht in ihren Händen und weinte. Die Schneiderin kniete sich vor Nette und nahm sie tröstend in den Arm, dann flüsterte sie ihr zu „Ich weiß was du empfindest, doch unschuldige leiden zu lassen wird deinen Schmerz nicht lindern und was dir wiederfahren ist, nicht ungeschehen machen" Nette hob den Kopf und schaute die Frau fragend an, ihr Wangenfell war von den Tränen zerzaust und durchnässt. „Du weißt was mir geschehen ist? „ fragte Nette mit zittriger Stimme, die Schneiderin Nickte „auch mir wurde leid angetan, doch habe ich mein Herz mit Hass gefüllt und als  die wahre Liebe meinen Weg Kreuzte, habe ich sie nicht erkannt, glaube mir Einsam zu sein ist ein weitaus schlimmeres Leid" .


Nette bedankte sich bei der Frau, hob ihren Hut vom Boden auf, verließ das Geschäft und trat auf die Straße, die kühle Nachtluft tat ihr gut. Sie dachte darüber nach was die Schneiderin gesagt hatte. Eigentlich hatte sie Lodrik gern, nur wirklich gesagt hatte sie es ihm nicht, aber auch dann würde dieser Tölpel sie sicher nur  bitten auf seinen Wetzstein zu spucken. Aber die Frau hatte recht, Lodrik hatte ihr nichts getan, im Gegenteil in der Not hatte er sich vor sie gestellt und sogar Shir hatte schon für sie gekämpft. Nette war sich ganz sicher Lodrik würde ihr nie ein Leid zufügen oder zulassen dass ihr etwas geschehen würde. Am liebsten wäre sie gleich zu ihm gegangen und hätte ihm gesagt was sie fühlte, doch als sie an sich herunter schaute kam sie sich sehr lächerlich vor und mit dem Hut sah sie mehr aus wie ein Paradiesvogel als wie eine Junge Mithra.
Nette ging hinunter zum Hafen und setzte sich auf einen Bootssteg und schaute zu den Sternen. Plötzlich hörte sie schritte, sie Sprang und machte sich bereit einen Zauber zu wirken. Als der Unbekannte näher kam erkannte sie, dass es Lodrik war. Nette konnte in seinen Augen erkennen dass er Geweint hatte, sagte aber nichts.

Lodrik schaute Nette an und sagte „wie ich sehe war der Kleiderkauf erfolgreich" Nette wurde Rot und senkte den Kopf. Lodrik atmete tief durch, dann schaute er Nette an und sagte „ na wie sieht es aus, hast du Lust auf eine Bootsfahrt?" Nette Lächelte und nickte. Lodrik Kletterte in ein Boot und half Nette einzusteigen, dann nahm er das Ruder und setzte das Boot in Bewegung. Sie waren ganz allein, nur der Mond war Zeuge ihres Ausfluges.

Raziael
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