Sonntag, 5. Mai 2013

Das Söldnerimperium Kapitel 21

        
                                                                     Kapitel 21

Saxon klammerte sich an den Nackenschuppen des Drachen so fest er konnte. Er konnte nicht sagen wo er sich gerade befand, denn immer wenn er den Kopf hob schlug ihm der Gegenwind ins Gesicht und nahm ihm die Luft zum atmen. Kafahlors hatte dem Drachen gesagt wohin er zu fliegen habe und der Tarutaru vertraute auf die tiefe Beziehung zwischen Meister und Reptil. 

Bei einem Drachen war es nicht wie bei einem Hund oder anderen Haustieren. Der Drache gehorchte nur dem Dragoon der ihn aufgezogen hatte. Ritter und Drache teilten Gefühle und Gedanken, selbst wenn sie hunderte von Meilen getrennt waren. Auf diese Weise konnte dein Dragoon seinen Drachen rufen wenn er in Gefahr war und der Drache würde seinen Meister finden, wo auch immer er war. Beenden konnte diese Partnerschaft nur der Tod.

Saxon machte sich Sorgen um seine Freunde. Obwohl der Drache sehr schnell flog fragte sich, ob er es rechtzeitig schaffen würde den Trupp Soldaten zu ihnen zu führen. Viele Gedanken gingen ihm durch den Kopf, während der Drache über die Baumwipfel hinweg schoss. Er dachte an seine Frau, Morrigan, die nun in Jeuno allein das Geschäft leiten musste. An den kleinen Loritoto, Morrigans Neffen, den er mit Zaubertricks zum Lachen gebracht hatte und der vor seinen Schulfreunden geprahlt hatte sein neuer Onkel wäre der mächtigste Schwarzmagier von Vana'Diel. Und er dachte an Bullwey, seinem besten Freund mit dem er so viele Abenteuer bestanden hatte und der wahrscheinlich nun um sein Leben kämpfte. „Schneller, flieg schneller!!" rief er dem Drachen zu und trat mit seinen kurzen Beinen auf die harte Rückenpanzerung des Reptils. Auch wenn er ahnte dass es den Drachen nicht scherte was er sagte und die Tritte ihn nur kitzelten, brüllte er das Tier weiter an. Saxon fühlte sich hilflos. Weit oben in der Luft, auf dem Rücken eines Drachen nutzte ihm seine Magie nichts.

Plötzlich spürte der Tarutaru, das der Flug sich verlangsamte und der Drache in den Sinkflug ging. Saxon atmete erleichtert auf, das Ziel war erreicht und sie konnten den anderen zu Hilfe eilen. Der Drache tauchte in den Wald ein und steuerte geschickt um die Bäume herum. Als sie eine Lichtung erreichten streckte es die Klauen aus und setzte zur Landung an. Saxon wurde fürchterlich durchgeschüttelt als der Drache auf dem Waldboden aufsetzte. „Pass doch auf du übergroße Flugratte!" schimpfte er verärgert und sprang vom dem Drachen herunter. Er wollte gleich den Kommandanten suchen und ihm die Nachricht überbringen. Sie mussten so schnell wie möglich aufbrechen. Doch was er sah nahm ihm die Luft zum reden. Er glaubte sein Herz würde seinen Dienst verweigern und zerspringen. Alles in ihm wehrte sich dagegen zu glauben was sich ihm anbot und das seine Augen ihm einen Streich spielten. Saxon stand vor einem Lager das schon seit einigen Tagen verlassen worden war. 

„Nein, das darf nicht sein!!!" Saxon sank auf die Knie und schlug mit seinem Stab auf den Boden. Das einzige das auf sein Fluchen reagierte, waren die kahlen Äste der Zeltgerüste auf denen der Wind seine traurige Melodie spielte. Der Schwarzmagier ging zurück zu dem Drachen der seine Flügel putzte. „Los! Wir müssen weiter suchen, komm in Bewegung!" befahl Saxon, jedoch der Drache reagierte nicht und ließ erneut die gespaltene Zunge über die dünne Membrane der Flügel gleiten. Auch der Tritt den Saxon dem Tier in die Flanke verpasste blieb ohne Wirkung. Plötzlich erstarrte der Drachen und auf dem rechten Vorderlauf entstand eine blutende Wunde. Ohne Saxon zu beachten erhob sich das Reptil in die Lüfte und verschwand.
Saxon stand da mit offenem Mund und musste mit ansehen wie die einzige Verbindung zu seinen Freunden ihn zurück ließ.

 Der Tarutaru brauchte etwas Zeit um seine Gedanken zu ordnen, doch dann fing er sich wieder. Er wusste dass die einzige Möglichkeit hier weg zu kommen darin bestand die Soldaten zu finden. Er begann nach Hinweisen zu suchen, die zeigten wohin die Soldaten gegangen waren. Doch das was er fand gab ihm noch mehr Rätsel auf. Über den kalten Feuerstellen hingen noch die Kessel, die randvoll mit Suppe gefüllt waren. Tonflaschen die noch halb voll mit Branntwein gefüllt waren. Alles sagte dass das Lager in größter Eile verlassen worden war. Abdrücke von Chokobos wiesen nach Norden, also beschloss Saxon ihnen zu Folgen.

Alles nützliche das er finden konnte hatte Saxon in eine Decke gewickelt und auf den Rücken gebunden. Einen Fuß vor den anderen setzend folgte er den Spuren. Dabei achtete er auf alles: umgeknickte Zweige, Federn der Reitvögel und alles andere das auf einen Richtungswechsel hinweisen konnte. Er versuchte auch alles Gefundene im Lager zusammen zu setzen um heraus zu finden warum die Truppe in Panik den Standort gewechselt hatte. 

Als die Nacht hereinbrach entfachte der Schwarzmagier in seiner Handfläche eine Flamme um die Spuren nicht aus den Augen zu verlieren. Doch was ihm mehr Sorgen machte, war das Gefühl beobachtet zu werden. Schon seit Sonnenuntergang verspürte er ein Kribbeln im Nacken, jemand folgte ihm und es war nicht sicher das dieser jemand ihm gut gesonnen war.

Saxon blieb stehen. Seine Beine fühlten sich schwer an, die magische Flamme in seiner Hand erlosch und etwas in seinem Kopf befahl ihm stehen zu bleiben. Es befahl ihm seinen Stab gegen einen Baum zu schlagen und zu zerbrechen. Er wurde müde, schrecklich müde. Saxon trat an einen riesigen Kastanienbaum heran, nahm den Stab in beide Hände und holte weit aus. 

 Zerbrich den Stab, dann wirst du schlafen. Endlos lange Schlafen. 

Saxon wollte gerade zuschlagen als eine andere Stimme in seinem Verstand erwachte. Wenn du den Stab zerbrichst wird deine Magie schwächer werden. Du wirst Bullwey nicht helfen können. Du wirst Morrigan nicht mehr schützen können. Er schüttelte sich und erwachte aus seiner Trance, jemand oder etwas war in seinen Verstand eingedrungen. Erneut entfachte er die Flamme in seiner Hand  und suchte die Umgebung ab. Er spürte einen weiteren Angriff und war vorbereitet. Saxon verschloss seinen Geist und wirkte einen Schutzzauber. Die Wirkung war nicht so stark wie die von einem Weißmagier, aber es würde reichen. Dann stand sie vor ihm, im Schein der Flamme konnte er sie erkennen, den Grund für den panischen Aufbruch der Soldaten. Saxon stand Auge in Auge mit einer Lamia.

Seine Gedanken rasten, was sollte er nun tun? Ein Moment der Unachtsamkeit oder sollte er die Konzentration verlieren, wäre das sein Tod. Wieder versuchte die Lamia Besitz von ihm zu ergreifen und aus der kurzen Distanz der Angriff sehr stark, es kostete Saxon viel Kraft dem zu wiederstehen. Er wusste dass er das nicht lange durchhalten konnte. Eine Flucht wäre zwecklos, denn die Lamia würde ihn verfolgen bis er zu schwach sein würde sich zu wehren. Es gab nur einen Ausweg, er musste gegen diesen Vampir kämpfen und es töten. In diesem Moment wurde ihm klar das er allein war, kein Bullwey der sich vor ihn stellte und kein Cevh der ihn mit Mana versorgte. Nun musste er zeigen was er als Magier wert war.

Als die Lamia merkte dass ihre geistigen Angriffe ohne Erfolg waren, begann sie Saxon zu umkreisen. Ihr schlangenähnlicher Körper bewegte sich dabei wellenartig. Sie hob die Klauen und schleuderte zwei Blitze nach dem Tarutaru. Saxon rollte sich nach hinten weg, die Blitze verfehlten ihn und schlugen in einen Baum ein. Er schnellte wieder auf die Beine und wirkte einen mittleren Eiszauber auf die Lamia. Alles um den Vampir herum erstarrte zu Eis, nur die Lamia blieb unversehrt. Sie hatte den Zauber abgewehrt, doch auf ihrer Stirn bildeten sich Schweißperlen. Ein Zeichen das es sie viel Kraft gekostet hatte.

Die Lamia schlug mit dem Schwanz auf den Boden das er erbebte. Die Bäume zitterten, Wurzeln schossen aus der Erde und legten sich um Saxon. Der Tarutaru spürte wie ihm die Luft aus dem Leib gepresst wurde und seine Knochen zu brechen drohten. Er sah die Lamia die Arme heben, sie würde wieder einen geistigen Angriff starten.

Saxon wusste nun, die einzige Möglichkeit ihre Konzentration zu brechen war ihr Schmerzen zu zufügen. Er wirkte einen Feuerzauber auf die Wurzeln und ließ sie in Flammen aufgehen. Dann fasste er den Stab mit beiden Händen und sprach einen Zauber: „Vis terra, aperire tibi!!" Unter der Lamia tat sich ein Spalt auf und lange Stalagmieten schossen aus der Erde.

Aufgespießt von den Steinspitzen wandte sich die Lamia vor Schmerzen. Saxon hob den Stab und wirkte einen Eiszauber. Die Lamia erstarrte in ihren Bewegungen und funkelte im Mondlicht. Saxon trat an die Lamia heran, die ihn mit vereisten Augen anstarrte. In Gedanken verfluchte der Magier alles was Krieg auslöste. Neid, Verrat, Missgunst und alles was ihm sonst noch einfiel. Er hasste diese Lamia nicht, sie war nur ein Wesen das seinem Instinkt und Hunger gefolgt war. Er nahm seinen Stab und zerschlug das Eis. Die Lamia zersprang in viele tausend splitter. 

Nach dem er sich etwas ausgeruht und etwas Mana gesammelt hatte, machte er sich wieder auf den Weg. Bald hatte er gefunden wonach er gesucht hatte. Die Soldaten waren vor der Lamia geflohen und hatten ein neues Lager aufgebaut. Es kostete Saxon viel Mühe den Kommandanten zu überzeugen das er von Itaban kam, doch schließlich gab er den Befehl zum Aufbruch. Saxon ritt auf dem Chokobo eines Elvaan mit und hoffte das sie es rechtzeitig schafften die anderen zu erreichen.
Raziael/Überarbeitung: Rina Smaragdauge 
       
Kommentar veröffentlichen