Sonntag, 27. Januar 2013

Das Söldnerimperium Kapitel 11


                                                            Kapitel 11

Hades hatte die Minen wieder verlassen und machte sich auf zu der Siedlung in der sein Freund Kafahlors lebte. Clova das Tarutarumädchen hatte er in dem Minendorf zurück gelassen. Sie arbeitete nun in der Küche und half gegen eine Bezahlung das Essen für die Arbeiter zu kochen. 

Die Knappen die hinter Hades ritten kicherten leise, wurden aber von den Rittern zur Ordnung gemahnt. Hades konnte es ihnen nicht verübeln, denn Clova hatte auf seinen Schild ein großes Herz gemalt. Als Farbe hatte sie Echsenblut benutzt und das ließ sich nur schwer entfernen. Während seines Aufenthaltes in dem Dorf hatte das Mädchen ihm immer die größte Portion auf den Teller getan und ihm jedes Mal für ihre Rettung gedankt. Als er dann auf sein Schild schaute musste er selbst lachen. Die Sonne hatte ihren höchsten Stand erreicht als die Ritter und Knappen die Siedlung erreichten. Sofort kamen Jungen und Mädchen angerannt um die Ritter in ihren blank polierten Rüstungen zu bewundern.

Kafahlors stand an der Esse, statt seiner Rüstung trug er einfache Lederkleidung. Er legte den Schmiedehammer aus der Hand und tauchte seinen Kopf in einen Zuber mit kaltem Wasser. Dann ging er aus der Schmiede um zu sehen wer angekommen war. Seine ernste Miene erhellte sich als er Hades erkannte. „Hades von Rosemundt, sei gegrüßt mein Waffenbruder!" Sie kreuzten die Unterarme, dann ließ Kafahlors für sich und die Soldaten Bier holen. Kafahlors und Hades stießen die Humpen aneinander und leerten sie in einem Zug. Während die Humpen nachgefüllt wurden, gingen die beiden Freunde zum Dorfbrunnen und setzten sich auf den Rand.

Hades musterte Kafahlors, der nicht in der Rüstung eines Dragoon gekleidet war. Dann schaute er zu dem großen blauen Drachen, der auf einem flachen Hausdach zusammengerollt wie ein Hund schlief. Drachen waren die Kampfgefährten der Dragoon und es bedurfte viel Ausdauer und Willenskraft die Ausbildung zu meistern, um solch ein Krieger zu werden.

Hades nahm den Humpen der ihm gereicht wurde und trank einen großen Schluck, dann begann er zu reden: „Was ist geschehen? Wo ist die Rüstung auf die so Stolz warst?" Kafahlors strich sich durch die Haare in denen sich graue Strähnen versteckten. „Ich werde alt und bin des Kampfes müde. Khira ist von uns gegangen und mein Drache ist lieber am schlafen als in der Luft. Ich bin hier glücklich und werde bei diesen Leuten unvergessen bleiben." Hades leerte seinen Humpen. „Das ist schade, denn ich hoffte auf deine Hilfe." Der Paladin begann zu erzählen: von dem Galka und von Nettes Gefangennahme. Doch während Hades dem Dragoon alles berichtete näherte sich eine Gefahr.


Wanda lag bäuchlings auf  einem der Hügel und beobachtete  durch eine Ahriman Linse, die Augen eines Monsters, das Treiben in der Siedlung. Mit solch einer Linse war es möglich Personen in sehr weiter Entfernung aus zu spionieren. Die Blaumagierin konnte die beiden Elvaan, die sich auf dem Rand des Brunnens nieder gelassen hatten gut sehen. Doch wer von den beiden war nun Kafahlors?
Beide hatten schulterlanges weißes Haar, doch nur einer trug eine Rüstung die weiß schimmerte. Doch ihrer Information zufolge trug der Dragoon einen Harnisch der in Magenta gefärbt war. Wanda verstaute die Linse in ihrer Tasche und dachte darüber nach was sie tun sollte. Hinter ihr warteten die blauen Geister, die Leibgarde der Kaiserin, auf Befehle. Wanda schaute zurück und blickte in die vermummten Gesichter, es waren ungefähr fünfundvierzig Köpfe.

 Im Dorf hatte sie meist alte Leute und Kinder gesehen, der Rest war sicher auf den Feldern. Nun musste sie entscheiden welchen der beiden Elvaan sie gefangen nehmen sollte. *Ich nehme einfach beide mit und der Falsche wird einfach entsorgt.* dachte sie leise. Es ging um ihren Herrn Itaban und es war ihr egal wie viele Unschuldige sie dafür töten musste. „Macht euch bereit!!" befahl sie. Die Blaumagier begannen mit den Armen schwungvolle Kreise in die Luft zu zeichnen. Augenblicklich begannen die Körper der Leibwache zu glühen. Die Magier waren nun gefeit gegen jeden Zauber oder Stahl mit dem man sie angreifen würde.


Kafahlors hatte schweigend zugehört, dann sagte er: „Ich weiß nicht. Ich habe hier so viele Pflichten und…" Ein lautes Trappeln von Hufen unterbrach den Dragoon. Ein Knabe mit wehenden schwarzen Haaren, stand auf dem Rücken eines Stieres der in die Siedlung ein galoppierte. Eine Herde von Kühen und Schafen folgten dem Knaben. Kafahlors rollte mit den Augen und schrie laut: „Flain! Lass den Unsinn und bring die Tiere in ihre Ställe!!" 

„Was ist das denn?" lachte Hades und klatschte in die Hände. „Ich weiß auch nicht." sagte Kafahlors. „Er ist von Altana gesegnet oder verflucht. Der Junge kann Tieren seinen Willen aufzwingen und sie tun lassen was er will. Einmal kam er mit einem Riesenskorpion ins Dorf und fragte ob er das Monster behalten dürfe." Die beiden Elvaan brachen in lautes Lachen aus bis ein Schrei die Fröhlichkeit erstickte.

Einer der Knappen fiel zu Boden, in seinem Rücken steckte ein Pfeil. „Wir werden angegriffen!!" rief eine alte Frau, die gestützt auf ihrer Krücke zum Haupthaus flüchtete. Hades zog sein Schwert und gab kurze, aber genaue Befehle an seine Ritter und Knappen. Kafahlors sah die Angreifer den Hügel herab stürmen. Er erkannte dass es keine Beastman waren und das machte es gefährlich. Bei Yagudo hätte er einfach seinen Drachen geschickt, doch diese vermummten Gestalten in der blau-weißen Uniform waren ihm unbekannt und damit unberechenbar. Der Dragoon wusste das keine Zeit war die Rüstung an zu legen oder seine Lanze zu holen. Deshalb griff er sich eine Heugabel und nahm seine Kampfhaltung ein. Die Knappen schossen mit ihren Langbogen Pfeile auf die Angreifer, jedoch ohne Erfolg. Hades hob sein Schild und rief: „Macht sie nieder!!" Dann erfolgte der Zusammenprall.

Kafahlors warf sich gegen zwei Gegner. Er versuchte einen mit der Forke auf zu spießen, doch die hölzernen Spitzen zerbarsten an dem magischen Schutz. Immer wieder griff der Dragoon an doch die anderen waren blitzschnell. Immer wieder hörte er die Schreie der Knappen die verletzt wurden. Nun fiel ihm auf, das seine Gegner nur mit ihm spielten. Nun gab Kafahlors was er hatte, er pfiff leise und ein Schatten legte sich über ihn. Der Drachen schnappte zu und einer der Angreifer war verschwunden. Ein neuer Gegner erschien und griff den Dragoon an. Kafahlors konnte an den Bewegungen erkennen, dass es sich um eine Frau handeln musste. „Ich prügel dich zurück an den Kochtopf, wo du hingehörst!!" rief er und griff an.

Die Frau schwang die Arme und aus dem Nichts erschien ein Knüppel. Der Dragoon musste drei harte Schläge einstecken, die ihn durch die Luft schleuderten. Er schlug hart auf, spuckte Blut und einen Zahn aus, dann sah er aus dem Augenwinkel dass sie ihre Arme erneut schwang. Kafahlors rollte zur Seite, die Pfeile die aus dem nichts kamen, verfehlten ihn nur knapp. Er rappelte sich schnell auf die Beine und hielt sich in Bewegung. Das war eine Art von Magie die er nicht kannte. Die einzige Möglichkeit das ganze halbwegs heil zu überstehen war, sie am Zaubern zu hindern. „Haltet ihre Arme vom Zaubern ab!!" Kafahlors brach den Stiel der Heugabel entzwei und schlug zu so schnell er konnte. Den Armen der Gegner durfte keine Pause gegönnt werden.

Der kleine Flain hatte sich in den Ställen versteckt. Nun sah er Hades mit drei Feinden kämpfen. Er wollte dem Paladin helfen und zog seine Schleuder aus der Tasche. Der Junge legte einen Stein auf den Lederfleck und schwang die Schlinge über seinem Kopf. Als er eines der Bänder los ließ, flog der Stein in die Richtung eines Gegners. Der Stein traf den Blaumagier an der Schläfe und eine tiefe Wunde klaffte an seinem Schädel. Der Magier sank benommen zu Boden und blieb liegen. Flain traute seinen Augen nicht. Warum konnte er den Feind mit einem Stein treffen und das Schwert aus Stahl des Paladin war nutzlos? 

Ohne einen weiteren Gedanken daran zu verschwenden nahm der Junge einen weiteren Stein und traf den nächsten Gegner. Nun wurden sie auf ihn aufmerksam. Ein Blaumagier zertrümmerte die Stalltür und stürmte auf Flain zu. Er baute sich vor dem Jungen auf und holte zum Schlag aus. In seiner Angst begann Flain zu schreien und plötzlich zuckte der Mann zusammen. Das Schwert fiel ihm aus der Hand, das Tuch das sein Gesicht bedeckte färbte sich rot und aus der Brust ragten lange Stierhörner. Der Bulle hatte den Magier mit den Hörnern aufgespießt. Das mächtige Tier hob den Kopf und schleuderte den toten Torso durch die Luft. Flain verstand es nun, der magische Schutz konnte nur geschmiedeten Stahl abhalten. Er rannte aus dem Stall, legte die Zunge an die Zähne und imitierte das Summen einer Biene.

Hades, Kafahlors und die Ritter kämpften so hart sie konnten und die magische Rüstungen schienen ihre Wirkung zu verlieren, jedoch wurden sie mehr und mehr in die Minderheit gezwungen. Ein Magier hatte den Drachen paralysiert und das Reptil lag bewegungsunfähig am Boden. 

Wanda versuchte immer wieder ein Zauber zu wirken, doch der Elvaan ließ ihr keine Möglichkeit dazu. Plötzlich vernahm sie ein seltsames Geräusch, ein Summen lag in der Luft. Sie nutzte einen kurzen Augenblick und schaute sich um. Eine riesige Wolke aus Insekten bewegte sich auf sie zu. Und nun griffen die Biester auch noch an. Bienen so groß wie eine Männerhand stürzten sich auf sie. Doch sie stachen nur die Blaumagier. Wanda sah einen schwarzhaarigen Jungen der den Kopf hin und her bewegte und summte.
Kafahlors drosch weiter auf seine Gegner ein, doch dann entdeckte er die Bienen. *Flain ich danke dir.* dachte er bei sich und sah wie die Blaumagier sich auf dem Boden rollten um den Stichen zu entgehen. Doch vergebens, viele der Angreifer lagen aufgedunsen und bis zur Unkenntlichkeit zerstochen am Boden. „Rückzug!!" rief eine Stimme und die Gegner flüchteten, verfolgt von einem Schwarm Bienen.

Die Dorfbewohner kamen aus ihren Verstecken und kümmerten sich um die Verletzten. Während Hades sich den Arm verbinden ließ, drehte er einen toten mit seinem Stiefel um. „Das sind Blaumagier aus Aht-Urgan. Was tun sie hier? Und warum greifen sie uns an?" Kafahlors schaute schweigend auf den toten Blaumagier, dann sagte er: „Sie wollten uns sicher daran hindern uns in Dinge ein zu mischen die uns nichts angehen. Wenn sie von uns wissen sind die anderen auch in Gefahr." Der Dragoon wischte sich das Blut aus dem Gesicht, ging in seine Hütte und kam gerüstet wieder. „Lass uns denen zeigen, dass wir uns nicht einschüchtern lassen." Hades nickte und bat die Dörfler sich um seine Leute zu kümmern.
Bevor Kafahlors sich auf den Weg machte, ging er zu Flain. „Das war gut Junge. Aber während ich weg bin lasse die Skorpione wo sie sind." Der Junge nickte. Hades und Kafahlors stiegen auf ihre Reitvögel und ritten los.

Wanda hatte aus der Ferne alles mit angesehen. Sie schaute auf ihren geschundenen Körper und war sicher, dass die beiden nicht noch einmal so viel Glück haben würden.  
Raziael/Überarbeitung: Rina Smaragdauge   
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