Sonntag, 13. November 2011

Chroniken von Vanadiel Kapitel 38 ( Bullweys Geschichte)

Fünf Tage waren vergangen seit Lodrik und Bullwey die Siedlung verlassen hatten. Ihr weg führte sie durch hohe Felsen und tiefe Schluchten. Auf einem der Felsen war ihnen ein Wesen begegnet das einer Pflanze glich. Bullwey gab der laufenden Blume etwas zu Essen und von da an lief den beiden eine ganze Horde von diesen wesen hinterher.

Am Abend des Sechsten Tages erreichten sie die Tahrongie-ebene. Sie liefen zwischen einer gruppe Felsen hindurch und konnten die Lästigen Blumen abhängen. Plötzlich meinte Bullwey das es Zeit sei um ein Lager zu suchen. Lodrik wies ihn daraufhin das es noch einige Stunden Tag sein würde, doch der Galka blieb hart und bestand darauf zu rasten.

Lodrik bemerkte das Bullwey seit einiger Zeit, schweigsam war, konnte sich aber nicht erklären warum. Aber er traute sich auch nicht zu fragen. Bald hatten sie ein Feuer entfacht und hatten gegessen. Als die Sonne untergegangen war schaute Bullwey schweigend in die Flammen als suchte er etwas darin.
Der behaarte Riese erhob sich „ich gehe etwas Spazieren" sagte er und mit langsamen Schritten verließ er das Lager. Lodrik fragte ob er mitkommen solle, doch Bullwey winkte ab. Der Galka folgte einem schmalen Pfad zwischen hohen Felsen und Dornenbüschen hindurch. An einer Stelle fand er Gänseblümchen, er pflückte einen ganzen Strauß der Zarten Blumen und steckte sie in die Tasche seiner Tunika.

Bald stand er vor einem Eingang der in einer Felsenwand Klaffte. Mit  Mund und trockenem und schweren Herzen betrat er die Höhle. Der Gang führte tief in den Berg hinein und endete in einer Großen Höhle, mit einem Feuerkristall und einigen Knochen die Bullwey fand machte er ein Feuer.
In jeder Hand eine Fackel haltend lief er durch die Grotte und verjagte Skorpione, Höhlenkäfer und anderes Getier. Bullwey wusste wo er hingehen musste. An einer Stelle an der Steine der Länge nach aufgestapelt waren, einem Grab. Der Galka setzte sich neben das Grab, das die Größe eines Kindes hatte, Er griff in seine Tasche und holte den Strauß Blumen heraus und legte sie auf das Grab. „Hallo Margot, ich habe dir deine Lieblingsblumen mit gebracht" sagte er und Tränen Kullerten über das dichte Haar in seinem Gesicht, Schweigend saß er an dem Grab und seine Gedanken reisten in die Vergangenheit.

„Bewegt euch ihr behaarten Missgeburten" schrie der Aufseher die jungen Galkas an, sie waren nicht älter als zehn oder elf Jahre, dann schöpfte er mit einer Kelle Wasser aus einem Fass und trank es Gierig. Die Kinder schauten mit trockenen Mündern zu  „wollt ihr einen Schluck? Dann bittet darum" sagte der Aufseher mit einem gemeinen Grinsen. Die Jungen warfen sich auf die Knie und drückten ihren Kopf, die in jungen Jahren noch ein weiches und Flauschiges Fell hatten, in den Schlamm. Nur einer weigerte sich dies zu tun. Als der Aufseher das bemerkte ging er mit der Kelle voll Wasser zu dem Jungen „Sieh einer an, unser Bullwey ist sich zu gut um Bitte zu sagen" der Mann hob die Kelle vor das Gesicht von Bullwey und schüttete das Wasser auf die Erde, dann schlug er Bullwey mit der Kelle.

Bullwey musste Durstig an die Arbeit gehen. Mit Hammer und Meißel wurden sie in den Vortrieb geschickt. Die jungen mussten in ein Loch kriechen das sie selbst gerade mal hinein passten und die Vorarbeit leisten. Diese Arbeit war nicht ungefährlich, oft geschah es das die Frischen Stollen einstürzten, nicht wenige Galka hatten in jungen Jahren dadurch ihr Leben verloren.  Schlag um Schlag wurde der Hohlraum grösser, Bullwey und zwei andere Galkajungen schippten mit bloßen Händen Steinschutt in Jutesäcke. Waren die Säcke voll, legten sie sich die Riemen um die Schultern und Krochen auf Händen und Kein zum Ausgang des Stollens, den Schweren Sack zogen sie hinter sich her.

Bullwey und die anderen waren dabei die Säcke zu leeren als ein grollen die Minen erschütterte, Der Stollen in dem er gerade noch gearbeitet hatte war eingestürzt und hatte jeden begraben der sich darin befand. Bullwey rannte zu der Stelle und begann Steinbrocken weg zu schaffen „wir müssen sie retten" rief er, doch er bekam einen tritt in die Seite „da gibt es nichts mehr zu retten" rief ein Aufseher und gab einem Soldaten den Auftrag neue Galkas für den Vortrieb zu kaufen.

An diesem Tag wurde Bullwey bewusst das er irgendwann auch so Sterben würde und er fasste einen Entschluss, er würde weglaufen. Er sammelte Proviant, von dem wenigen Essen das er bekam aß er nur die Hälfte, den Rest versteckte er. Der Gedanke an die Baldige Freiheit gab ihm Kraft und Zuversicht.
Dann eines Tages trat Margot in sein Leben, ein Menschenmädchen. Sie war nicht viel älter als er, Mit braunen langen Haaren und Leuchtenden grünen Augen. Margot kam aus dem Armenviertel und brachte den Aufsehern und Wachen das Essen. Als das Horn zur Pause rief kam Bullwey aus einem Stollen gekrabbelt, Fell und Augen waren dreckverschmiert. Bullwey fühlte einen leichten Tritt in seinen Rippen, dann schimpfte jemand „Kannst du nicht aufpassen?" Bullwey schaute hoch und zum ersten mal sah er Margot. Er entschuldigte sich und ging zu der Essensausgabe.

Margot schaute dem Galka hinterher der trotz der harten Arbeit ein Lächeln zeigte. Von diesem Moment an sprachen sie miteinander wenn sich die Möglichkeit bot. Dann als Bullwey wieder Essen versteckte hörte er jemand fragen „Was machst du da?" erschrocken schaute er sich um, es war Margot. „Bitte verrate mich nicht" flehte er das Mädchen an. 

Margot schaute ihn „warum versteckst du Essen?" fragte sie, Bullwey senkte die Augen „ich will weglaufen, ich möchte hier nicht sterben" sagte er mit Trauriger stimme. Margot legte die Hände in die Schmalen hüften „und wo willst du hin? du bist noch ein Kind, und vor allem wie willst du hier rauskommen?" Bullwey zuckte mit den Schultern.
Margot nahm ihn in die Arme „wenn du gehst dann komme ich mit" sagte sie. Bullwey versuchte sie davon abzubringen doch der kleine Mensch blieb hart. Margot besorgte Besseres essen und eine Karte von den Mienen. Sie zeigte Bullwey das in den Mienen ein Fluss war der Ins Freie führte. Der Galka fragte wie sie auf dem Fluss fahren sollten und Margot zeigte auf ein Fass „die Fässer sind Gross und Wasserdicht, Morgennacht geht es los" sagte sie und steckte die Karte wieder in ihre Schürze.

Bullwey hatte Mühe wach zu bleiben nach der harten Arbeit, immer wieder schlug er seinen Kopf gegen einen Stein. Als alle anderen eingeschlafen waren schlich er sich weg. Bullwey folgte einem Gang und erreichte die Wachen, hinter einem Geröllhaufen versteckte er sich. Eine der Wachen rief „Halt, wer ist da" Bullwey stockte der Atem „ ich bin es" klang eine hohe Stimme und Margot kam die Treppe herunter. Sie ging zu den wachen und hielt ein Flasche Wein in der Hand „Der Hauptmann schickt euch dies" sofort machten die Männer sich über das Gebräu her, kurz darauf schliefen sie.
„Sind sie Tod?"fragte Bullwey. Margot verneinte „ das war ein Schlafmittel das meine Mutter benutzt wenn mein Vater betrunken ist"  zusammen gingen sie den Proviant holen, schoben eines der Fässer in den Fluss und sprangen in das Holz fass.

Das ungewöhnliche Boot schaukelte sanft hin und her, dann sahen sie zwei wachen. Margot und Bullwey zogen die Köpfe ein „Sieh mal da" rief die eine wache „Es ist offen, es ist leer, lass es schwimmen ich habe keine Lust nass zu werden" gab die andere wache zur Antwort.
Bullwey und Margot atmeten erleichtert auf. Bald hatten sie die Mienen verlassen und die Sterne leuchteten über ihnen, die beiden Kinder nahmen einander in die Arme „wir haben es geschafft" sagte Margot und holte etwas zu Essen aus der Tasche. Nachdem sie gegessen hatten, wurden sie von dem sanften schaukeln in den Schlaf gewiegt.

Es war schon heller Tag als Die Kinder von einem lauten grollen aus dem Schlaf gerissen wurden. Sie schauten über den Rand des Fasses und bekamen einen Schreck. Der Fluss endete in einem Wasserfall „ oh nein" schrie Bullwey „da ist die Welt zu Ende, wir fallen in Promathias reich" Margot und Bullwey klammerten sich schreiend aneinander als das Fass hinab stürzte. Es klatschte laut als das Fass in das schäumende Wasser eintauchte.
Völlig durchnässt stellten sie fest dass die Welt nicht zu Ende war. Doch dann folgte auch schon der nächste schreck, der Fluss verschwand in der Erde. Die Strömung wurde immer schneller, wieder schlossen sie die Augen und erwarteten das Promathias Krallen sie packten. Dann war es Dunkel und die Strömung war wieder normal.

Bullwey entfachte eine Kerze, an den Felsen funkelten Edelsteine „wir müssen unter Dangrufwadie sein" sagte Margot, Bullwey fehlten die Worte.
Tage lang fuhren die beiden Kinder auf dem Fluss bis sie eine Schlucht erreichten, dort ließen sie das Fass zurück und gingen an Land weiter. Sie bestiegen eine Felswand als das unvermeidliche geschah. Margot trat fehl und stürzte in die Tiefe. Bullwey wollte sie greifen doch er schaffte es nicht. Er stieg die Wand wieder hinab und fand Margot leblos am Boden.

Bullwey wollte sie nicht dort zurücklassen. Er zerriss die Taschen und band sich Seine Freundin auf den Rücken. Es kostete ihn viel Kraft doch er brachte sich und Margot nach oben. Dort war es auch wo er den Abt traf.
Mit Margot auf den Armen flüchtete er vor einem Riesenskorpion. Einige Mönche die auf der Suche nach Höhlenkräutern waren retteten den jungen Galka und halfen ihm Margot zu begraben.
Bullwey kehrte in die Gegenwart zurück. Er wischte sich die Tränen aus den Augen und sagte: „ Ich werde dich nicht vergessen Margot, du hast mir die Freiheit geschenkt" er trat das Feuer aus und kehrte zu Lodrik zurück. Der Krieger schaute ihn an „ Alles in Ordnung? Du warst lange weg" der Galka legte Holz auf das Feuer und sagte ohne den Kopf zu wenden: „alles in Ordnung, ich habe nur etwas nachgedacht" Lodrik beließ es dabei und legte sich schlafen. Doch bevor er einschlief sagte er: „ich bin dein Freund Bullwey wenn du Reden willst bin ich für dich da" Bullwey legte sich ebenfalls schlafen und träumte von Margot.


Früh am Morgen zogen sie weiter. Um Proviant zu sparen wollte Bullwey Honig sammeln. Der Galka wusste das Bienen ihre Stöcke in hohlen Bäumen anlegten. Bald hatten sie einen Bienenstock gefunden. Bullwey griff vorsichtig mit der Hand in den Baumstumpf und schöpfte den Goldenen Saft in eine Trinkschale. Lodrik stand hinter ihm und schaute ungeduldig zu „geht das nicht schneller?"fragte er, doch Bullwey winkte ab „bei der Beschaffung von Nahrung muss man geduldig sein" sagte er und schleckte Honig von seiner Hand.
Lodrik reichte es „geh mal zur Seite"  sagte er und schob den Galka weg. Lodrik holte mit seinem Kampfbeil aus und schlug zu „neiiiin" rief Bullwey doch da war es schon zu spät. Ein Schwarm großer Bienen strömte aus dem Stumpf und griffen an. Lodrik und Bullwey rannten so schnell sie konnten doch die Bienen stachen wild auf sie ein.

Bullwey erblickte einen schlammigen Tümpel, er schuppste Lodrik in den Matsch und sprang hinter her. Der Zähe schlamm bedeckte die beiden und schützte sie vor den Stichen. Lodrik schaute den Galka an „ich bin über und über mit Stinkenden schlamm" klagte er „dann zügle in Zukunft deine Axt, und nicht draufhauen, draufhauen, ein bisschen Denken und noch mehr draufhauen" gab Bullwey zurück
An einem Klaren Weiher wuschen sie ihre Kleidung und dann sich selbst. Als sie gerade im Wasser waren Schrie Lodrik „die Klauen unsere Sachen" Zwei Goblins hatten sich die Kleider genommen und liefen quiekend davon.
Lodrik und Bullwey stiegen aus dem Wasser und wollten die Diebe verfolgen, als hinter ihnen jemand laut schrie.  
 
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