Sonntag, 21. April 2013

Das Söldnerimperium Kapitel 19

                                                                     Kapitel 19

Die Vorbereitungen auf die kommende Schlacht waren im vollen Gange. Alle Tore waren mit schweren Eichenbalken versperrt, der Zauber der die Blockade verstärkte lies die Luft flimmern. Auf den Palisaden waren Wachen postiert, die Katapulte und Speerschleudern standen bereit und konnten jederzeit gespannt werden. Flickblix hatte zwei Tunnel gegraben die unter den Burgmauern hindurch führten. Nun spielte er mit den Kindern der Mägde verstecken, band Kränze aus Blumen und verschenkte selbstgemachte Goblinpuppen. Flickblix mochte Naticki und die anderen Kinder, sie hatten keine Angst vor ihm und gaben ihm das Gefühl kein Monster zu sein.

Cissie betrat das Kellergewölbe um zu sehen wie weit der Ork mit seinem Vorhaben war. Mit der Hilfe von Morrigan und einigen Männern und Frauen aus der Burg hatte Bluschnok flüssiges Feuer hergestellt. „Nun Bluschnok, wie geht es voran?" fragte die Gräfin als sie das unterirdische Labor betrat. Der Ork winkte sie zu sich. „Wir haben acht Fässer mit dem Feuer gefüllt, das sollte reichen. Zudem haben wir Speerspitzen aus Ton gefertigt, im magischen Feuer waren sie schnell gehärtet. Das Feuer wird in die Spitzen gefüllt und auf die Katapulte der Feinde abgeschossen." 

Cissie legte die Hand an ihr Kinn, wie es immer machte wenn sie nachdachte."Aber auch wenn wir die Schleudern in Brant setzen, sie werden es einfach mit Wasser löschen." Der Ork lachte, nahm einen Lederschlauch der mit dem flüssigem Feuer gefüllt war und band eine Lunte daran. „Folgt mir auf die Palisaden." bat er Cissie und Morrigan. 

Auf dem Weg zu den Burgmauern füllte ein Knecht einen Eimer mit Wasser aus dem Brunnen. Auf den Palisaden entzündete Bluschnok die Lunte, ließ sie bis zur Hälfte abbrennen und ließ den Beutel fallen. Als der Ledersack auf den Boden aufschlug, rissen die Nähte und die ausströmende Flüssigkeit wurde von der noch brennenden Lunte entzündet. Ein grelles Feuer loderte vor der Burgmauer. „Ein hübsches kleines Feuer." sagte Cissie mitleidig zu dem Ork. „Nun, dann löscht es." erwiderte Bluschnok und reichte ihr den mit Wasser gefüllten Eimer. Cissie leerte den Eimer über dem Feuer und was dann geschah raubte ihr den Atem. Anstatt zu erlöschen, explodierte das Feuer und wurde grösser. Es war als wäre das Wasser in Flammen aufgegangen und kroch wie eine brennende Schlange zwischen den Steinen entlang. „Bei Altanas Tränen, was für eine Art von Magie ist das?" rief Cissie. „Das ist Alchemie und hat nichts mit Magie zu tun. Entstanden ist diese Mixtur aus dem Drang zu zerstören. Ich stelle es euch zur Verfügung, es sollte ausreichen um die Angreifer in Angst und Schrecken zu versetzen so dass sie die Flucht ergreifen. Jedoch das Rezept zur Herstellung werde ich für mich behalten. Menschen, Elvaan und alle die aus den Tränen von Altana geboren wurden sind nicht geschaffen um in Frieden zu Leben." 

„Ach und Beastman lieben den Frieden oder was!" gab Cissie beleidigt zurück. „Nein sind sie nicht, aber hast du jemals davon gehört oder selbst gesehen das Orks oder Quadav durch Vana'Diel ziehen nur um mit Yagudo oder anderen Stämmen ihrer Art Krieg zu führen?" Cissie senkte die Augen, nein davon hatte sie noch nie gehört. Aber zu oft das Elvaan gegen Menschen kämpften wegen unwichtigen Dingen. „Ich akzeptiere deinen Standpunkt und danke dir für deine Hilfe." Bluschnok verbeugte sich. „Ich danke dir für dein Verständnis."

Die Nacht zog sich hin, die Wachen auf der Burgmauer liefen an den Palisaden entlang und verrichteten ihren Dienst und doch war in ihren fast noch kindlichen Gesichtern die Furcht zu erkennen. Die erfahrenen Kämpfer waren mit Hades geritten, wer hätte auch voraus sehen können das ein Angriff auf die Burg geplant werden würde. Morrigan saß am Feuer zusammen mit den Bauern und Soldaten. Während sie ihren Tee trank beobachtete sie Flickblix, der geschickt Steine aushöhlte und sie mit einer Art Schwarzpulver füllte. Die Tarutaru hatte schon viel von den Bomben der Goblins gehört. Man sagte: Die Kraft sei so gewaltig das nur abgerissene Körperteile übrig blieben.

Morrigan gefiel das Ganze nicht. Es musste doch eine Möglichkeit geben das Alles ohne Blutvergießen zu beenden. „Könnten wir dem Grafen nicht einfach sagen das er einen Fehler macht? Und das dieser Feldzug nicht recht ist?" fragte sie in die Runde. Einer der Offiziere, ein Elvaan, lachte laut auf: „Ihr Tarutaru scheint nicht viel über die Menschen zu wissen! Ich kenne diese Bastoker, man sagt ihnen die Wahrheit und schon sind sie in ihrer Ehre verletzt." Er trank aus einem Lederschlauch und sprach weiter: „ Ich habe erlebt wie ein Bauer gestraft wurde weil er seine Steuer nicht pünktlich gezahlt hatte. Doch um ihn zu strafen haben sie ihn nicht geschlagen, der zuständige Herzog hat seinen Söhnen die Hände abhacken lassen und ihm gedroht das seine Töchter in den Bordellen arbeiten müssen wenn er die nächste Steuer wieder unpünktlich zahle."
„Was hat der Mann getan?" fragte einer der Bauersfrauen. Der Soldat senkte den Kopf. "Er wusste dass er ohne die Hilfe seiner Söhne es niemals schaffen konnte. Er hat seine Töchter erschlagen um ihnen die Schande zu ersparen, dann hat er sich selbst im Fluss ertränkt." Alle schwiegen und lauschten dem Knistern des Feuers, bis einer der Soldaten ein langsames Lied anstimmte das von Tapferkeit erzählte und der Plicht das Volk zu schützen. Nach und nach stimmten alle Krieger mit ein.

Als der Morgen graute wurde die Burg von Alarmglocken aus dem Schlaf gerissen. Die Soldaten stürmten aus den Baracken, im Laufen zogen sie die Riemen der Rüstungen fest. Auch Morrigan und Bluschnok waren auf die Palisaden geeilt. Gleich einer Schlange schleppte sich das Heer auf die Burg zu, vorne weg ritt ein feister Mann, er musste der Graf von Bastok sein. 

Cissie stellte sich neben Morrigan. Sie trug einen Bronzefarbenen Harnisch und Beinschienen. An ihrem Gürtel hing ein Schwert und die Haare wurden von einem ledernen Stirnband am Hinterkopf gehalten. „Lass mich erst mit ihm reden, vielleicht kann ich ihn zur Vernunft bringen." bat Morrigan die junge Gräfin. „Ich denke es ist vertane Zeit, aber versuche es." sagte sie und winkte vier Soldaten zu sich. „Die kleine Mithra ist in meinen Gemächern. Geht dort hin und bewacht sie. Was auch geschieht, verlasst nicht euren Posten und schützt sie mit eurem Leben wenn nötig!"

Der Tross hatte gestoppt und begann sich zu formieren, der Graf saß hochmütig im Sattel und lächelte siegesgewiss. Cissie beugte sich zu Morrigan herunter. „Dann los, aber erhebt sich auch nur ein Pfeil oder ein Fels in die Lüfte, werden wir mit voller Kraft zurückschlagen." Morrigan trat an die Mauer und begann dem Grafen zuzurufen: „Edler Herr! Was ihr vorhabt zu tun ist ein Fehler. Auf beiden Seiten wird Blut vergossen werden. Aus diesen Konflikten werden nur noch größere entstehen. Ich bitte euch, lasst ab von diesem Wahnsinn!!" Der Mann auf dem Chokobo lachte laut auf. "Hades von Rosemundt hat mich, Fabilinus von Bastok, aufs tiefste beleidigt. Er hat mir mein Eigentum gestohlen und mich vor meinen Leuten gedemütigt. Darum werde ich nun sein Eigentum nehmen!"

Ohne Vorwarnung wurden Pfeile auf die Reise geschickt. Bluschnok zog Morrigan an sich und wirkte einen Zauber. Doch der Schildzauber reichte nicht für alle. Soldaten stürzten schwer getroffen von den Palisaden. Cissie zog ihr Schwert, richtete es auf die Feinde und gab Befehle: „Spannt die Geschütze und schickt die Bastarde zu Promathia!! Bogenschützen los!!" Ein Schwarm von Pfeilen ging auf die Gegner nieder, die sofort mit ihren Schilden ein Schutzdach bildeten. Die ersten Felsbrocken schlugen auf dem Burghof ein, zerstörten Zelte und einfach gebaute Hütten. Die Bauern gerieten in Panik, Frauen schrien vor Furcht und versuchten mit ihren Kindern sicheren Unterschlupf zu finden.

Bluschnok lief so schnell er konnte zu du den Katapulten und ließ die mit flüssigem Feuer gefüllten Tonspitzen auf Lanzen stecken. Ein Offizier ließ die Speerschleudern spannen und gab das Kommando zum Schießen. Die Lanzen trafen ihr Ziel und setzten die Katapulte des Feindes in Brand, doch wie zuvor bei Cissie war das Feuer nur klein. Fabilinus lachte. „Damit wollt ihr mich bezwingen? Dreckige Spitzohren!" schrie er und gab den Befehl das Feuer zu löschen. Doch anstatt sich zischend dem Wasser zu ergeben, wurde das Feuer angefacht und schon bald standen die Steinschleudern lichterloh in Flammen.

So wie das Wasser das flüssige Feuer anfachte, wurde auch der Hass von Fabilinus angefacht. „Verfluchte Hexe! Ich werde dich persönlich häuten und an die Zinnen deiner Burg nageln!!" rief er mit erhobener Faust und gab Befehl die Mauern zu stürmen. Während die Bogenschützen weiter die Palisaden attackierten, machte sich Mannschaften mit Leitern auf den Weg. Flickblix schleuderte seine Bomben in die ankommenden Feinde und streckte viele nieder. Cissie hatte Soldaten befohlen sich mit Eimern voll Wasser und flüssigem Feuer bereit zu halten. Als die ersten Feinde versuchten die Mauer zu erklimmen, ergoss sich eine zähe Masse über sie. Brennende Lumpen entzündeten die Masse und gleich danach wurden die Eimer mit Wasser geleert.

Die Leitern brachen, Soldaten wälzten sich als lebende Fackeln am Boden. Im Rest des feindlichen Heeres machte sich Panik breit, keiner wollte von dem unheimlichen Feuer getroffen werden, das einen qualvollen Tod versprach. Die Bastoker Soldaten machten auf dem Absatz kehrt und ergriffen die Flucht. „Kommt sofort zurück oder ich lasse euch alle hängen!!" schrie Fabilinus, doch seine Leute hörten nicht auf ihn. Der Graf erschlug einen flüchtenden Bogenschützen und nahm ihm den Bogen und Pfeile ab, dann ritt er auf die Burg zu. In treffsichern Abstand stoppte er, legte einen Pfeil auf die Sehne und schoss.

Der Pfeil raste auf Morrigan zu. Flickblix erkannte die Gefahr, er warf sich gegen die Tarutaru und warf sie zu Boden. Der Pfeil streifte den Kopf des Goblin und riss ihm die Maske vom Gesicht. Eine mit schwarzen Borsten besetzte Fratze wurde sichtbar, blitzende Reißzähne und grüne Augen. Flickblix schnappte nach Luft, erspürte wie die winzigen Staubteilchen in der Luft ihm die Lungen verklebten und wusste dass sein Tod unvermeidbar war. Der Goblin griff sich eine seiner Bomben und sprang von der Mauer. Er landete genau auf dem Rücken von Fabilinus. Der Graf wandte und schüttelte sich. Flickblix schaffte es die Bombe in den Harnisch zu stopfen und zu entzünden, dann wurde er abgeschüttelt. Es erfolgte eine Explosion, dann ein greller Lichtblitz. Als der Rauch sich verzogen hatte war von dem Grafen nichts mehr zu sehen, außer umherliegende Rüstungsteile und Fleischfetzen. 

Als der Ork die Bannzauber von den Toren genommen hatte, lief Morrigan aus der Burg und suchte nach Flickblix. Sie fand den Goblin dicht an der Mauer,  lief zu ihm, kniete sich neben ihn und nahm eine seiner Klauen in ihre Hände. „Flickblix sag etwas, bitte." flehte sie während sie seine Klaue streichelte. Der Goblin schaute sie mit seinen grünen Augen an. „Flickblix nit Bise, Flickblix nit Minster." sagte er keuchend mit seiner piepsigen Stimme. „Ich weiß das du nicht Böse bist und kein Monster." erwiderte Morrigan mit verweinter Stimme. Der Goblin keuchte immer leiser und sammelte seine letzte kraft um noch etwas zu sagen. „Mirrigin, Frindin." hauchte er, dann schwand das Leben aus seinem Körper. „Ja, ich bin deine Freundin." schluchzte sie leise. Auch wenn sie nun wusste wie er unter seiner Maske aussah, für sie würde er immer der freundliche Goblin bleiben der ihr Salz verkauft hatte.

Als das Schlachtfeld gesäubert worden war, wurde es Zeit die Gefallenen zu bestatten. Cissie hatte zwei Soldaten getadelt weil sie für den Goblin einen Scheiterhaufen aufstapeln wollten. „Er hat wie einer von uns gestritten, darum wird er wie einer von uns bestattet!" hatte sie gesagt. Bluschnok legte dem Goblin die Silbermünzen und Blumen ins Grab, Morrigan legte ihm den Beutel mit den bunten Glasscherben in die Klauen. Während die Gräber zugeschüttet wurden, wandte Morrigan sich an Bluschnok. „Was wirst du nun tun?" Der Ork schaute zum Himmel und sagte: „Ich weiß es noch nicht. Ich denke ich werde wieder in meinen Wald gehen und versuchen mein Wissen an einen Beastman weiter zu geben der das Kämpfen satt ist so wie ich." Er reichte der Tarutaru seine riesige Hand. „Alles Gute Morrigan Ken dra hel. Ich wünsche dir und Saxon ein friedliches Leben." Damit nahm er seine Tasche und verließ die Burg. Morrigan verabschiedete sich von Cissie und Naticki, dann machte sie sich auf den Weg nach Jeuno, nach Hause. 
Raziael/Überarbeitung: Rina Smaragdauge                 
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